Zukunft der Industrie
Revolution in der Gebäudetechnik

Ein Lichtschalter erobert die Welt. Allerdings kein herkömmlicher Lichtschalter - er kommt ohne Kabel und ohne Strom aus. Wie ein schlichter Knopf zum Symbol für die Modernisierung von Büros und Wohnungen wird.
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DÜSSELDORF. Es war eine geniale Idee, die Forscher des Siemens-Konzern Ende der 1990er-Jahre austüftelten: einen Funkschalter, der ohne fremde Energie auskommt. Er erzeugt den Strom selbst, den er benötigt, um die Schaltsignale an eine Lampe zu übertragen. Die freigesetzte Energie, die durch den Druck auf die Schaltfläche freigesetzt wird, reicht aus, um per Funk eine Nachricht an den Empfänger in der Lampenfassung zu senden und die Glühbirne erstrahlen zu lassen. Der wesentliche Vorteil der Innovation: Es müssen keine Kabel mehr verlegt werden. Vor allem bei der Modernisierung von Gebäuden ist das eine Riesenerleichterung.

Als Markus Brehler und seine vier Partner - alle ehemalige Siemens-Manager - vor acht Jahren die Firma Enocean gründeten, wollten sie verhindern, dass diese Idee - nachdem der Konzern das Geschäft mit elektronischen Komponenten aufgegeben hatte - in der Schublade der ungenutzten Innovationen verschwindet.

Inzwischen hat die Firma aus Oberhaching bei München ihre Schaltermodule weiterentwickelt und durch Funksensoren ergänzt. Das Unternehmen vertreibt seine Technik weltweit an mehr als 100 OEM-Partner, die sich auf die Automatisierung von Gebäuden und Industrieanlagen spezialisiert haben. Die Entwicklungen sind weltweit geschützt. "Wir verfügen über 40 Patentfamilien und eine Vielzahl von Einzelpatenten", sagt Technikchef Frank Schmidt.

Das sogenannte "Energy Harvesting", bei dem Geräte Energie aus ihrer unmittelbaren Umgebung beziehen, ist ein Trend, für den sich immer mehr Firmen interessieren: Forscher des Nokia Research Centre in Cambridge arbeiten beispielsweise an einer Technik, mit der Mobiltelefone elektrischen Strom aus der elektromagnetischen Strahlung gewinnen, die von Antennen, Wi-Fi-Transmittern und Fernsehmasten emittiert wird. Das britische Unternehmen Perpetuum hat einen elektromechanischen Sensor entwickelt, der seine Energie aus der Vibration von Maschinen gewinnt. Die Messfühler werden am Gehäuse der Maschine befestigt und schlagen über Funk Alarm, wenn die Maschine nicht läuft.

Auch EnOcean nutzt Vibrationen, aber auch schwaches Licht oder geringe Temperaturschwankungen, um die in den Schaltern eingebauten Sendemodule mit Strom zu versorgen. Kerne der Enocean-Innovationen sind miniaturisierte Energiewandler und eine zuverlässige Funktechnik. Die Anwendungsmöglichkeiten sind groß: Inzwischen gibt es mehr als 350 verschiedene Schalter und Sensoren. Die Technik funkt weltweit in mehr als 100 000 Gebäuden - im Walldorfer Hauptsitz des Softwareherstellers SAP ebenso wie in der Dresdner Semperoper oder der Frankfurter Messe.

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