Zukunftskonferenz in Berlin
Was die Wissenschaft verspricht

Mehrere hundert Wissenschaftler haben in Berlin auf der Konferenz „Falling Walls“ über wichtige aktuelle Forschungsprojekte und kommende wissenschaftliche Durchbrüche debattiert. Wie man mit Beton das Klima schützt - und wie Querschnittslähmungen geheilt werden könnten.
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BERLIN. Angela Merkel weiß, dass Wissenschaft die Welt verändern kann. Die ehemalige Physikerin sprach am 9. November zwischen all den Terminen mit Staatsmännern auch zu einigen Hundert auf der "Falling Walls"-Konferenz versammelten Forschern. Die Wissenschaft habe beigetragen zum Fall der Mauer, sagte sie. Der Ostblock konnte nicht mithalten auf dem Weg in die Wissensgesellschaft, weil seinen Forschern das freie Denken verwehrt war.

Viele der auf der Konferenz in Aussicht gestellten wissenschaftlichen Durchbrüche betrafen nicht zuletzt Bereiche, die für Merkel und für alle anderen Menschen von ganz konkreter Bedeutung sind: Energie, Klimaschutz und Gesundheit zum Beispiel.

Künstliche Photosynthese als neue Energiequelle

Wasserstoff (H) ist der Kraftstoff der Zukunft, glaubt nicht nur Matthias Driess. Wenn er explosionsartig verbrennt - was der Chemiker von der TU Berlin seinen Zuhörern lautstark mit einem Ballon demonstrierte - entsteht nur Wasser (H2O) und kein CO2. Wie gewinnt man dieses energiereiche und im Universum (nicht aber auf der Erde!) häufigste aller Elemente in reiner Form? Mit Hilfe einer praktisch unerschöpflichen Energiequelle, der Sonne, antwortet Driess.

Eine künstliche Photosynthese ist also das große Ziel, die Erzeugung energiereicher Stoffe durch Sonnenlicht. Im Gegensatz zu den Pflanzen, die photosynthetisch komplizierte Kohlenstoff-Verbindungen herstellen, will der Mensch das Element Wasserstoff erzeugen. Entscheidend für diesen Prozess sind die richtigen Katalysatoren, also Stoffe, die die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen, ohne dabei verbraucht zu werden. Sie sind, glaubt Driess, der Schlüssel zu diesem "unvermeidbaren Wechsel" von begrenzten Energieträgern wie Öl oder Uran zur unbegrenzten Energiequelle Sonne . Den sucht er mit seinem Exzellenzcluster "Unifiying Concepts of catalysis" an der TU Berlin.

Mit den richtigen Katalysatoren, vielleicht Enzymen von Photosynthese betreibenden Pflanzen und Sonnenlicht, kann aus energiearmem Wasser energiereicher Wasserstoff entstehen. Auch beim nächsten Schritt, in den Brennstoffzellen, die aus Wasserstoff Strom gewinnen, will er den bisher verwendeten teuren und begrenzten Katalysator Platin durch biologische Enzyme ersetzen.

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