Zusammenstoß der Galaxien sei ein perfekter kosmischer Sturm
Megaknall im All

Ein europäischer Satellit hat eine der größten Kollisionen von Galaxien im All aufgezeichnet. Der Zusammenprall von tausenden Galaxien und mehreren Trillionen Sternen sei im Maßstab des Universums gesehen relativ nahe an der Erde geschehen.

HB WASHINGTON/GARCHING. Das berichtete die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA. Eine solche Massenkarambolage im All konnten die Forscher erstmals im Detail beobachten. Derartige Kollisionen setzen eine Energiemenge frei, die ansonsten nur von der des Urknalls übertroffen wird.

Der Zusammenstoß der Galaxiehaufen sei ein perfekter kosmischer Sturm, schreibt die Forschergruppe, zu der auch Alexis Finoguenow und Ulrich Briel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München gehören. Der Aufprall habe Hurrikan-ähnliche Verhältnisse im All verursacht und eine Schockwelle mit 100 Grad Celsius heißem Gas losgetreten. Gleichzeitig seien hochenergetische Röntgenstrahlen frei geworden.

„Vor unseren Augen sehen wir die Entstehung von einem der größten Objekte im Universum“, kommentierte Teamleiter Patrick Henry von der University of Hawaii. „Was vor 300 Millionen Jahren noch zwei kleinere, getrennte Galaxienhaufen waren, ist nun ein großer Haufen in Aufruhr.“

Dieser verhältnismäßig neue Galaxienhaufen namens Abell 754 liegt im Sternbild Wasserschlange, nur 800 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Nach Ansicht der Forscher zeigen die einzigartigen Beobachtungen, dass die größten Strukturen im Weltraum noch immer in der Entwicklung begriffen sind.

Mit Daten des Satelliten XMM-Newton der Europäischen Weltraumorganisation ESA erstellten die Wissenschaftler erstmals eine Art Wetterkarte für Abell 754. Darin verzeichnen sie die Temperatur, Druckverhältnisse und die Dichte in dem neuen Galaxienhaufen. Die Vorhersage sei „klar und ruhig“, der schlimmste Sturm sei vorüber, schreiben die Forscher.

Nach ihren Ansichten stützen die neuen Beobachtungen die These, dass sich das Universum hierarchisch entwickelt habe - und große Galaxien immer beim Verschmelzen vieler kleiner entstanden sind. Die Untersuchung wird das Team im US- amerikanischen „Astrophysical Journal“ vorstellen.

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