Zweifel an Meteoriten-These
Einschlag mit langem Nachhall

Kino-Macher lieben die einfachen Antworten, sonst werden die Geschichten zu kompliziert. Warum starben die Saurier aus? Weil vor 65 Millionen Jahren ein gigantischer Meteorit auf der Erde einschlug.

DÜSSELDORF. In Dokumentationen wurden der Einschlag und der Untergang der Riesenechsen animiert und in Kinofilmen als Vorlage für das Armageddon der Menschheit durch den "deep impact" ausgeschlachtet. Wenn es nur so einfach wäre. Denn einige Wissenschaftler sind gar nicht so sicher, ob der Wanderer aus dem All das Ende der Echsen und vieler anderer Arten besiegelte. Die Mehrheit der Geowissenschaftler und Paläontologen geht derzeit zwar von den Killer-Eigenschaften des Meteoriten aus, doch so mancher könnte der Macht der einfachen Lösung erlegen sein angesichts der Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema: "Ich habe allein dazu zweitausend Paper auf meinem Computer, die kann man natürlich nicht alle detailliert kennen", sagt etwa Peter Schulte, Geologe an der Uni Nürnberg-Erlangen, selbst ein Anhänger der Meteoritenthese.

Die Diskussion über das Ende der Saurier erinnert an ein Strafgericht. Angeklagt: Ein gewaltiger Felsbrocken, der vor rund 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug. Die Anklage: Auslösen einer globalen Katastrophe und Auslöschen von 50 bis 70 Prozent aller Arten, darunter die bis dahin beherrschende Gruppe der Dinosaurier, aber auch viele Kopffüßer und ein Großteil des Planktons. Beweise: Eigentlich keine, Zeugen auch keine mehr, dafür eine Unmenge an Spuren, die der Meteorit hinterlassen haben soll. Die wichtigsten: eine dünne Erdschicht aus Iridium, einem Platinmetall, das auf der Erde äußert selten ist, aber seit Ende der 70er-Jahre als Hinweis für einen Einschlag gilt. Außerdem gibt es einen etwa 180 Kilometer breiten Einschlagskrater, der - nach dem mexikanischen Örtchen Chicxulub benannt - je zur Hälfte auf der Halbinsel Yukatan und unter dem Meer liegt.

Die Anklage, deren Wortführer der Geologe Jan Smit von der Universität Amsterdam ist, stellt den Fall so dar: Ein mehr als zehn Kilometer großer Meteorit schlägt ein mit einer Geschwindigkeit von über 25 Kilometer pro Sekunde und der Zerstörungskraft des Zehntausendfachen des heutigen Atomwaffenarsenals. Er dringt mehrere Kilometer in die Erdkruste ein, schleudert riesige Mengen an Staub, Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Wasserdampf und Gasen in die Atmosphäre. Ein tödlicher Tsunami breitet sich kreisförmig über die Erde aus. Die Folgen: Das Klima wird instabil, der Staub wirkt als Sonnenfilter, der so wenig Licht durchlässt, dass Pflanzen kaum oder gar nicht mehr Photosynthese betreiben können. Pflanzenfresser verhungern, ihnen folgen die Fleischfresser. Das Massenaussterben markiert den Übergang von der Kreidezeit in das Tertiär und den Aufstieg der Säugetiere einschließlich des Menschen.

Die Iridiumschicht trennt die Fossilien der einen Epoche von der folgenden. Dinosaurier gibt es über dieser Schicht praktisch nicht mehr. Für die Bestimmung der Erdzeitalter sind die versteinerten Dino-Reste alleine aber schlecht geeignet: "Dafür sind sie einfach zu selten", sagt Schulte.

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