Zweiter Test-Trabant
Russische Rakete bringt Galileo-Satelliten in Umlaufbahn

Für den geplanten Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo ist vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) der zweite Testsatellit ins All gestartet. Um 3.55 Uhr deutscher Zeit am Sonntag setzte die Sojus-Trägerrakete den GIOVE-B sicher in seiner Umlaufbahn ab, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin mitteilte.

MOSKAU/BERLIN. Der Erdtrabant soll aus 23 000 Kilometern Höhe wichtige Daten für den Aufbau des Galileo-Systems liefern. Das System aus 30 Satelliten und mehreren Bodenstationen soll bis 2013 betriebsbereit sein. Europa will damit gegen die Vormachtstellung des US-Navigationssystems GPS (Global Positioning System) antreten.

2005 war der GIOVE-A zur Vorbereitung des Galileo-Aufbaus ins All geschickt worden, der in wenigen Monaten abgeschaltet werden soll. Das Europaparlament hatte am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit grünes Licht für die Ausschreibungen zu diesem größten Industrieprojekt Europas gegeben. Die EU-Kommission will zusammen mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA die Aufträge für das 3,4 Milliarden Euro teure Vorhaben noch vor der Sommerpause ausschreiben.

Auch Russland arbeitet am Aufbau eines Navigationssystems mit dem Namen Glonass, das sich zuletzt aber immer wieder verzögerte. China plant ein ähnliches Projekt mit der Bezeichnung Compass. Der 700 Kilogramm schwere GIOVE-B wurde von EADS Astrium Satellites und der italienischen Thales Alenia Space gebaut, wie die Agentur Interfax in Moskau meldete. Der künstliche Erdtrabant hat eine hochpräzise Atomuhr an Bord.

Neben der Überprüfung neuer Technik im Erdorbit dient diese Satellitenmission auch der Vermessung und Bestimmung der Umlaufbahnen für die zukünftigen Galileo-Satelliten. Das System liefert Ortungsinformationen, die unter anderem im Straßenverkehr, in der Luft- und Seefahrt, im Baugewerbe oder bei Not- und Rettungsdiensten genutzt werden können. Galileo soll künftig als erdumspannendes Netz genaue zeitliche und räumliche Informationen für Nutzer überall auf der Welt liefern.

Während Deutschland eine zivile Nutzung des Systems bevorzugt, will Frankreich es auch militärisch nutzen. Deutschland als großer Nettozahler der EU war im vergangenen Jahr noch entschieden gegen die EU-Finanzierung des Projekts. Die EU-Kommission konnte aber Bedenken zerstreuen, dass deutsche Unternehmen bei der Umsetzung zu kurz kommen könnten.

Am DLR-Standort Oberpfaffenhofen wird gegenwärtig eines der beiden für den späteren Betrieb des Systems verantwortlichen Kontrollzentren aufgebaut. Der GIOVE-B wird von einem Expertenteam vom italienischen Kontrollzentrum Fucino aus gesteuert.

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