Zwitterfahrzeug schwebt über dem Boden
Fliegende Fähre versorgt Inseln

Flüchtig betrachtet, scheint es sich bei dem Prototyp des Seafalcon um ein Wasserflugzeug zu handeln. Doch es ist ein Flügelboot, ein Zwitterfahrzeug aus Flugzeug und Schiff. Dank des so genannten Bodeneffekts bewegt es sich knapp über der Wasseroberfläche und befördert Güter und Passagiere schnell und günstig.

BERLIN. Das Flügelboot der Firma Meerestechnik Engineering GmbH (MTE) hebt nicht richtig ab, sondern düst mit 150 Kilometern in der Stunde knapp über der Wasseroberfläche durch die Luft. Auf diese Weise macht sich das Zwitterfahrzeug aus Flugzeug und Schiff den so genannten Bodeneffekt zunutze. Dabei bildet sich zwischen dem Rumpf und dem Wasser eine Luftrolle, die das Boot regelrecht beflügelt. Der Effekt entsteht, weil sich das Fahrzeug schneller vorwärts bewegt, als die Luft verdrängt werden kann, der Luftdruck unter der Maschine steigt, wodurch ein Luftkissen entsteht. Das Prinzip ist der Natur abgeschaut worden, denn Pelikane und Albatrosse sparen sich so ihre Kräfte.

Die MTE-Ingenieure haben ähnliches im Sinn. Sie wollen mit ihrem Flügelboot Seafalcon Kraftstoff sparen. Angetrieben wird das Flügelboot von zwei Dieselmotoren der A-Klasse von Mercedes. Diese verbrauchen neun Liter auf 100 Kilometer. „Dabei ist unser Bodeneffektfahrzeug fünf Mal schneller als ein Schiff. Es braucht keine Start- und Landebahn wie ein Flugzeug und kann direkt von der Kaikante ablegen“, sagt MTE-Geschäftsführer Dieter Puls.

Das Zwitterfahrzeug sei deshalb besonders für den schnellen Transport von Personen und Lasten auf Binnenmeeren geeignet. Puls: „Bodeneffektfahrzeuge sind in der Geschwindigkeits- und Kostenlücke zwischen Schnellfähren und Flugzeugen angesiedelt.“ Das sei ihre Nische. Neben dem geringen Kraftstoffverbrauch ist der Seafalcon auf kurzen und mittleren Strecken sogar schneller als ein Flugzeug – und unproblematischer in der Handhabe: Betreiber müssen keine Piloten einstellen, sondern Bootsführer, denn das Gefährt gilt als Wasserfahrzeug, was zudem die Zulassung deutlich vereinfacht.

Neu ist die Idee nicht, sie wurde bislang vor allem militärisch genutzt, wie etwa beim so genannten „Kaspischen Seeungeheuer“: Die sowjetische Marine entwickelte in den sechziger Jahren riesige Bodeneffektfahrzeuge namens Ekranoplan mit einer Spannweite von 40 und einer Länge von 106 Metern. Sie wogen 540 Tonnen und sollten bei 28 Tonnen Nutzlast und einer Spitzengeschwindigkeit von 750 Kilometern pro Stunde Nuklearwaffen transportieren. Dieses Kind des Kalten Krieges ist längst eingemottet. Doch im zivilen Bereich wird in den USA, China und Südkorea die Idee vorangetrieben. In den USA befördert das Bodeneffektfahrzeug „The Xtreme Xplorer“ Insel-Hopper auf den Bahamas, wodurch der teure und nicht immer sichere Einsatz von Helikoptern reduziert wird.

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