Abgefahrene Sounds
Handy-Klingeltöne prägen das Ich

Melodien für’s Handy sind der Renner. Das Mobiltelefon mutiert zur tragbaren Jukebox.

HB FRANKFURT. Musik für Millionen. Popikone Madonna trällerte als eine der Ersten ihre Songs per Handy in die Welt. Flugs folgten auch Musiksternchen Britney Spears und Superstar Eminem mit der Mobilfunkversion ihrer Lieder. Sogar Comedy-Altstar Otto Waalkes verbreitet seine Sprüche per Mobiltelefon: Der Hamburger Anbieter >>> Arvato Mobile bringt nicht nur die Ottifanten als Logo auf’s Handydisplay, sondern liefert Witze des Komikers als Klingelton dazu. Simple Piepstöne sind schon lange nicht mehr angesagt, heute dudeln die abgefahrensten.

Anbieter wie >>> Jamba aus Berlin, >>> Gofresh aus München oder >>> Universal Mobile – Mobilfunktochter des Musikriesen Universal – spielen jedes Handymusikhäppchen für hunderte verschiedener Mobiltelefonmodelle neu ein. Monophon, Polyphon, oder Real heißen die Standards. Je nach technischem Stand des Mobiltelefons schallt es beim monophonen Klingelton eher piepsig aus dem Handy. Auf den neuen Multimediahandys klingt das Stückchen hingegen schon fast in CD-Qualität als so genannter Realtone aus dem Handylautsprecher.

Der Sekunden-Spass schlägt für die Kunden pro Download mit rund zwei Euro zu Buche. Die Mobilfunkbranche und die Plattenbosse frohlocken: In Deutschland laden sich 19 Prozent der Mobilfunkkunden regelmäßig neue Klingeltöne. Allein das Portal Jamba verkaufte 2003 zehn Millionen Stück.

Identitätsstiftende Töne

„Klingeltöne prägen das Ich. Sie wirken vor allem für viele 14- bis 35-Jährige identitätsstiftend“, ist das Fazit, das die Medienfirma Buongiorno Vitaminic in einer europaweiten Studie zieht. Stefan Schulz, Geschäftsführer von Universal Mobile, hat dagegen eine ganz bündige Erklärung für den Erfolg der komprimierten Musik: „Kids wollen auffallen.“

Tilo Bonow vom Internetportal Jamba schätzt, dass die Klingeltöne allein in Deutschland in diesem Jahr rund 200 Millionen Euro Umsatz bringen. Für Westeuropa insgesamt rechnet die US-Marktforschungsfirma Consect LL mit 1,5 Milliarden Dollar Umsatz.

In Deutschland werden inzwischen sogar mehr Klingeltöne als CD-Singles verkauft. Balthasar Schramm, Chef von Sony Music Deutschland, erwartet, dass Handymusik in drei Jahren zwei Drittel der Einnahmen des digitalen Musikvertriebs liefert. „Im ersten Halbjahr 2004 machten Klingeltöne bereits 6,4 Prozent am gesamten Umsatz des Musikmarktes aus“, sagte Wolfgang Adlwarth, Geschäftsführer der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, der WirtschaftsWoche.

Und mit den neuesten Handys von Siemens, Nokia & Co. mutieren die kleinen mobilen Begleiter nun auch zur Jukebox. Vodafone und O2 sind die ersten Mobilfunkanbieter, die einen neuen Dienst anbieten, mit dem sich digitale Songs wie im Internet direkt auf’s Handy laden lassen. Motorola will schon 2005 den erfolgreichen Musikdienst iTunes von Apple in seine Handys einbauen.

Quelle: News Frankfurt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%