Amazon-Tablets im Test
Das Einkaufszentrum fürs Sofa

Das Internetkaufhaus Amazon bleibt seiner Linie treu: Die neuen Tablets sind hauptsächlich dazu da, den Verkauf von Filmen, Musik oder Büchern anzukurbeln. Wen das nicht stört, der bekommt viel Computer für wenig Geld.

MünchenDie Zuckerbäcker wissen es seit Jahrzehnten: Das Weihnachtsgeschäft beginnt gleich nach den Sommerferien. Deshalb räumen sie Lebkuchen in die Supermärkte, noch ehe die Bademeister die Freibäder zusperren. Seit ein paar Jahren eifern die großen Elektronikkonzerne den Süßwarenherstellern nach. Kaum verfärben sich die Blätter, da stellen sie ihre neuen Geräte vor. Mögen die Kunden schon möglichst lange vor dem Fest zugreifen.

Apple hat die frühherbstliche Leistungsschau mit dem iPhone einst erfunden. Inzwischen haben die meisten Konkurrenten nachgezogen, so auch Amazon. Das amerikanische Internetkaufhaus hat gerade vier frische Tablets vorgestellt. Mit den neuen Modellen bleibt der Konzern aus Seattle seiner schon vor Jahren eingeschlagenen Linie treu: Die Geräte sind eine Art Einkaufszentrum fürs Sofa. Ob Filme, Musik, Bücher, Apps, ja die ganze Warenwelt des Internetkaufhauses – die Tablets sind voll und ganz darauf ausgerichtet, bei Amazon zu shoppen. Schon beim Anschalten erscheint Werbung auf dem Bildschirm.

Wer nicht permanent mit neuen Angeboten bombardiert werden mag, der sollte die Finger von den sogenannten „Fire“-Tablets lassen und lieber bei klassischen Computerherstellern wie Lenovo, Hewlett-Packard oder Acer zugreifen. Selbst Apple ist lange nicht so penetrant mit seinen diversen Angeboten wie Amazon.

Wen die Verkaufsmaschinerie hingegen nicht stört, der bekommt bei Amazon ordentliche Geräte für wenig Geld. Die günstigste Sieben-Zoll-Maschine verscherbeln die Amerikaner für 60 Euro, für Großfamilien gibt es beim Kauf von fünf Apparaten den Sechsten gratis dazu. „Vielleicht nutzt das jemand nur als Wecker, oder stationiert es auf dem Rücksitz im Auto für die Kinder“, scherzt David Limp, der Hardware-Chef von Amazon. Das aufwendigste und größte Gerät mit zehn Zoll schlägt mit 200 Euro zu Buche.

Ob die Tablets für freudige Gesichter sorgen, wenn sie an Heiligabend unterm Christbaum liegen? Das muss jeder selbst einschätzen. Tatsache ist, dass der Tablet-Boom abebbt: Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass dieses Jahr lediglich 192 Millionen Stück über die Ladentheken gehen, das sind 13 Prozent weniger als 2014. Die Nutzer sähen einfach keinen Grund, ihre alten Apparate durch neue zu ersetzen, meint Gartner-Analystin Annette Zimmermann. Ein interessanter Vergleich: Weltweit kommen etwa zehn Mobiltelefone auf ein verkauftes Tablet. Das heißt: Die Leute tauschen zwar regelmäßig ihre Handys aus, nicht jedoch die Tablets.

Noch etwas ist spannend: In Deutschland besitzt heute fast jeder zweite Internet-Nutzer ein Tablet, das entspricht gut 30 Millionen Geräten. Alles sieht danach aus, als hätte inzwischen jeder ein Tablet, der eins mag. Wer einen Kauf in Betracht zieht, der hat die Qual der Wahl: Das Angebot an Tablets ist höchstens noch für die Einkäufer von Elektronikmärkten zu überblicken. Amazon selbst listet in seiner Produktsuche mehr als 4000 Treffer auf – wobei die eigenen Geräte ganz oben stehen, versteht sich. In dem Dickicht versucht der Konzern die Kunden vor allem über zahlreiche neue Funktionen anzulocken.

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