Analysten rechnen mit Umsatzrückgängen bei Vodafone & Co durch neue Technik wie Wimax
Internettelefonie drückt auf die Handytarife

Es ist derzeit noch ein Produkt für Experimentierfreudige und Technikbegeisterte unter den Mobiltelefonierern. Nach Einschätzung von Analysten hat es aber das Potenzial, zu einer Bedrohung für Mobilfunkbetreiber zu werden: das Telefonieren nach den Regeln des Internet mit einem Mobiltelefon oder einem tragbaren Computer.

DÜSSELDORF. Umsatzverluste von fünf bis zehn Prozent sagen Experten daher Unternehmen wie T-Mobile und Vodafone, Orange und O2 mittelfristig voraus.

"Internettelefonie wird im Mobilfunk deutlich mehr Einfluss haben als im Festnetz, weil es sich auf Grund der eher hohen Mobilfunkpreise in stärkerem Maße lohnt, von unterwegs aus Internettelefonie zu nutzen", sagt Arno Wilfert, Telekommunikationsexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Um auf diese Bedrohung zu reagieren, haben die Unternehmen daher wohl nur Ausweg: Die Mobilfunkgesellschaften müssten mit attraktiven Preismodellen auf die Konkurrenzangebote reagieren, sagt Alastair Brydon von der Marktforschungsfirma Analysys.

Bisher funktioniert das Telefonieren über das Internet mit mobilen Geräten in der Regel über die Funktechnik WLAN, die in einem begrenzten Radius einen drahtlosen Zugang ins Internet ermöglicht. Mit einer entsprechenden Software des Internettelefoniedienstes Skype beispielsweise, die sich jedermann auf seinem tragbaren Computer oder eine Kombination aus Minicomputer und Handy - im Fachjargon PDA oder MDA genannt - installieren kann, werden Telefonate deutlich billiger als über das klassische Mobilfunknetz.

WLAN wird in der Regel in Hotels, an Flughäfen und in Restaurants angeboten. Diese Funktechnik wurde zeitweise als Konkurrenz zum Mobilfunk gehandelt. Das hat sich bislang nicht bestätigt, da die meisten WLAN-Netze ohnehin von Mobilfunkgesellschaften betrieben werden. Zudem ist die Nutzung dieser Technik vergleichsweise umständlich, da sich die Kunden an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Codes einwählen müssen. Internettelefonie via WLAN sagen Experten daher auch nicht die große Zukunft voraus.

Das wird wohl erst mit der Nachfolgetechnik Wimax kommen. Damit lassen sich deutlich größere Distanzen drahtlos überbrücken. "Wimax bietet im Prinzip all das, was der Mobilfunk auch ermöglicht", sagt Klaus Felsch von der Unternehmensberatung Diamond Cluster. Diese Technologie könne den Mobilfunkgesellschaften daher einiges an Umsatz streitig zu machen.

Diethard Bühler von der Beratungsgesellschaft Adventis sieht noch ein weiteres Argument: "Der Wimax-Netzaufbau ist vergleichsweise günstig, so dass Wimax wirklich das Potenzial hat, das bisherige Geschäftsmodell der Mobilfunknetzbetreiber zu stören." Experten erwarten, dass die Technik in zwei bis drei Jahren massentauglich wird.

Es sind also in erster Linie Anbieter von Wimax oder Unternehmen wie Skype, die das drahtlose Telefonieren über das Internet forcieren werden. So schließt beispielsweise Skype bereits heute Abkommen mit Handyherstellern, damit die Internettelefonie-Software von vornherein Teil des Mobiltelefons wird.

In den klassischen Mobilfunknetzen wird das Telefonieren nach den Regeln des Internet dagegen wohl erst in vier, fünf Jahren möglich, sagt Felsch von Diamond Cluster. Schließlich hätten die Mobilfunkgesellschaften kein Interesse, diese Entwicklung zu beschleunigen und damit Druck auf ihre Preise auszuüben. Doch Internettelefonie hat auch eine positive Seite für die Mobilfunker: "Dies könnte langfristig eine Entlastung auf der Kostenseite bringen", sagte T-Mobile-Chef René Obermann.

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