Anbieter setzen auf enge Vernetzung von Online- und Handy-Geldgeschäften
Kreditinstitute interessieren sich wieder für das Mobile Banking

Mobile Banking gerät wieder in den Fokus der Kreditinstitute und Telekommunikationsanbieter. Eine Kooperation aus T-Mobile und Postbank hat dabei eine Vorreiter-Rolle übernommen. „Wir glauben an Mobile Banking und wollen den Markt mit langem Atem entwickeln“, sagt T-Mobile-Sprecher René Bresgen. Erst im Juni haben die Bonner eine neue Software von Star-Money ins Netz gestellt, mit der aktuelle Umsatzdaten von mehreren Konten abgerufen und auf dem Handy gespeichert werden können. Das Programm bietet einen Überblick über den Status aller geführten Konten inklusive Umsatzdetails.

BONN. T-Mobile und Postbank sehen das Handy-Banking heute als Ergänzung zum Online-Angebot. „Gerade im Business-Bereich gibt es eine Reihe von interessanten Anwendungen“, meint Bresgen. 20 000 Besuche von Inhabern mobiler Endgeräte verzeichnet die Postbank derzeit – ohne dass bislang speziell für das Angebot geworben wurde. Die am häufigsten genutzte Anwendung ist die Kontostandsabfrage gefolgt vom Abruf von Kontoauszügen und Überweisungen.

Das Potenzial des Handy-Bankings geht aber weit über das mobile Abfragen des Kontostands hinaus. Der finnische Software-Anbieter Meridea hat sich den Ruf eines Innovationsführers erarbeitet. Eine SMS-Anwendung der Finnen wird von kleinen Gewerbetreibenden genutzt, um das Cash-Management zu organisieren. Per SMS lassen sie sich einen bestimmten Zahlungseingang vermelden, um zu wissen, dass sie nun die Liquidität haben, um ihrerseits Rechnungen bezahlen zu können.

Die Postbank ist indes stolz auf ihren Dienst „Mobile Tan“. Wer von einem fremden Rechner aus eine Online-Überweisung tätigen will und keine Tan-Nummer dabei hat, kann sich eine auf sein Handy schicken lassen. „Das zeigt, wie sich die Kanäle Online und Mobile verschränken lassen“, sagt Postbank-Sprecher Jürgen Ebert.

Mit solchen innovativen Lösungen sind die Banken auf dem richtigen Weg, meint Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg. Der Experte registriert seit einiger Zeit wieder das Interesse der Banken an mobilen Geldgeschäften. Nachdem sich die Kreditinstitute zwischen 1999 und 2001 mit ihren ersten Versuchen die Finger verbrannt hätten, werde nun aber mehr auf die Bedürfnisse der mobilen Kunden geachtet. „Früher waren das Anwendungen, die keiner haben wollte“, meint Pousttchi. „Man kann nicht einfach Online-Angebote portieren.“ Vor allem für das Handy-Payment sieht Pousttchi Bedarf. Einer Umfrage zufolge, die seine Arbeitsgruppe initiiert hat, können sich 49,6 Prozent der Gesamtbevölkerung vorstellen, mit dem Handy zu bezahlen.

Auch die Meridea Financial Software Ltd. hat in Deutschland eine Umfrage gestartet und eine Studie erstellt. Im Vergleich zu den ersten M-Banking-Versuchen 1999 haben sich nach Ansicht des Unternehmens inzwischen vor allem die technischen Möglichkeiten geändert. Die Handys bieten mehr Komfort, die Netze sind leistungsfähiger und schneller. „Damit ist der Markt reif für weit reichende Mobildienstleistungen wie Mobile Banking“, wird in der Meridea-Studie gefolgert. Das Marktpotenzial in Deutschland schätzen die Finnen auf 12,7 Millionen Bank-Kunden. Der Dienst mit der größten Zustimmung war bei der Umfrage die Kontostandsabfrage (97,5 Prozent), gefolgt von der Mitteilung über einen Zahlungseingang (94,9 Prozent), der Kreditkartensperrung (90,0), dem Erhalt eines Tagesreports aller Kontobewegungen (86,9) und einem Geldautomatenfinder (83,1).

Neben Nokia und drei Finanzinvestoren gehört die Beratungsgesellschaft Accenture zu den Meridea-Gesellschaftern. Accenture-Partner Jürgen Pinkl meint auch den Grund für das neue Interesse der Banken am M-Banking erkannt zu haben: „In den Banken geht es jetzt nicht mehr allein um Kostensenkung, sie suchen wieder nach Möglichkeiten, organisch zu wachsen und dabei rückt auch das Mobile Banking ins Blickfeld“.

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