Augmented Reality
Das iPhone bringt die Mauer zurück

Fraunhofer-Forscher lassen das alte Berlin im iPhone wieder entstehen. Der Clou der neuen Software: Die historischen Ansichten der Bauwerke überlagern nicht nur das aktuelle Bild im Display, sondern bewegen sich mit, wenn der Nutzer seinen Standort verändert.
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BERLIN. Wie sah der Reichstag vor dem Mauerfall aus, wie das Brandenburger Tor im 19. Jahrhundert? Natürlich können sich Berlinbesucher historische Fotos der beiden Gebäude an der ehemaligen Schnittstelle von Ost und West ansehen. Die haben jedoch den Nachteil, dass sie nur eine bestimmte Ansicht des Bauwerkes bieten. Die Augmented-Reality-Technik (AR) des Fraunhofer Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) lässt die Vergangenheit vor den Augen des Besuchers wieder auferstehen.

Dazu installiert dieser eine Software auf einem mobilen Endgerät, etwa auf einem UMPC oder dem iPhone. Mit der integrierten Kamera nimmt er den Reichstag oder das Brandenburger Tor auf und bekommt alte Ansichten dieser Gebäude auf den Bildschirm. Die Software erkennt das Gebäude sowie die Perspektive, aus der es aufgenommen wurde. Sie liefert dann die historische Ansicht so aus, dass das historische Bild die aktuelle Aufnahme überlagert. Das Rendering wird in Echtzeit durchgeführt. Geht der Nutzer um das Gebäude herum, bewegt sich das Bild entsprechend mit.

Auf einem UMPC sind alle diese Daten gespeichert. Da auf dem iPhone nicht genug Speicherplatz zur Verfügung steht, wird das aufgenommene Bild per UMTS an einen Server geschickt, der die AR-Ansicht ausliefert.

Vom Reichstag etwa stehen Ansichten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, zu Zeiten der Mauer und nach deren Fall zur Verfügung, zwischen denen der Nutzer hin- und herscrollen kann. Zu den Bildern werden zusätzlich kurze Texte zur Erklärung eingeblendet. Nach Auskunft der Fraunhofer-Wissenschaftler ist es auch möglich, weitere Inhalte wie Videos einzublenden.

Da die Fraunhofer-Forscher den Reichstag und das Brandenburger Tor nach Hannover nicht mitbringen konnten, demonstrieren sie das System an Hand von Bildern der beiden Gebäude sowie an einem Satellitenfoto der Gegend. Darauf kann sich der Nutzer am Stand den Verlauf der Mauer und die Entwicklung der Bebauung dieses Teils Berlins anzeigen lassen.

Anlass für das Projekt ist der 20. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst 2009. Die Fraunhofer-Forscher sind überzeugt, dass solche Dienste eine wichtige Ergänzung für Städtereisen sein werden. Derzeit verhandeln sie mit Telekommunikationsanbietern, darunter der Deutschen Telekom, sowie mit Städten über die Lizenzierung des AR-Systems.

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