Bezahlen mit Mobiltelefonen
Handys werden zur Geldbörse

Momentan sind es lediglich Tests in Bussen und Bahnen. Bereits in ein, zwei Jahren aber sollen Handybesitzer überall mit ihren Mobiltelefonen bezahlen können. Die IT- und Telekommunikationsbranche hofft, dadurch auf zusätzliche Umsätze mit neuen Produkten und Dienstleistungen. Die Erwartungen sind schon heute riesig.

MÜNCHEN / DÜSSELDORF. „Das wird die nächste große Welle in der Mobilkommunikation“, sagt Kai Grassie, der sich beim Münchener Kartenhersteller Giesecke & Devrient (G&D) um neue Geschäftsfelder kümmert. Wer künftig ein Ticket für die S-Bahn oder eine Kinokarte kaufen will, kann statt der Geldbörse das Handy herausholen. Das Telefon muss dann nur noch an ein Lesegerät gehalten werden, und schon wird bezahlt. Möglich wird dies durch ein Verfahren, das sich „Near Field Communication“ (NFC) nennt. Über wenige Zentimeter hinweg wird das Mobiltelefon drahtlos mit einem Computernetz verbunden, in dem die Zahlung verbucht wird.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das neue Angebot durchsetzen wird. Für die Nutzer ist es ausgesprochen attraktiv, weil es so einfach funktioniert“, sagt Helmut Gassel, Leiter des Chipkartengeschäfts des Halbleiterproduzenten Infineon. Die Münchener stellen Chips her, wie sie Handys brauchen, um fit zu werden für NFC.

Derzeit arbeiten die unterschiedlichsten Branchen daran, NFC auf die Beine zu stellen. Auf der einen Seite sind Unternehmen wie G&D und Infineon, die sich um die technischen Voraussetzungen kümmern. Mobilfunker und Banken hingegen müssen sich überlegen, wie die Zahlungen verrechnet werden.

Der Münchener Kartenhersteller und Banknotendrucker G&D hat mit dem Handyproduzenten Nokia ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um das Thema voran zu treiben. Für G&D ist NFC aus zweierlei Gründen wichtig. Einerseits ist absehbar, dass langfristig weniger Karten genutzt werden, wenn sich die neue Anwendung durchsetzt. Damit fallen Umsätze weg. Andererseits sieht sich das Unternehmen in einer guten Position, um eine führende Rolle bei NFC zu spielen. „Nur wenige Unternehmen haben eine Sicherheitsinfrastruktur, wie sie Kartenanbieter wie Visa oder Mastercard fordern. Wir sind mit dem Thema aber weltweit vertraut“, sagt G&D-Manager Grassie. So hofft G&D darauf, dass die Buchungen über Großrechner des Unternehmens laufen, die in schwer bewachten Gebäuden stehen.

Analysten sehen das neue Verfahren allerdings skeptisch. Sie rechnen nicht damit, dass die Allianz von G&D mit Nokia dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch verhelfen wird – zumindest nicht in den Industrienationen. „In Deutschland gibt es bereits gut entwickelte Bezahlsysteme“, sagt Arno Wilfert von Pricewaterhouse Coopers. „Ein neues System muss einen Zusatznutzen bieten, und den sehe ich nicht.“ Eine wichtige Voraussetzung, dass die Systeme attraktiv würden, sei zudem das Vorhandensein zahlreiche Annahmestellen. „Das ist ein enormer Investitionsaufwand“, sagt Wilfert.

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