Bis 2007 wollen die Koreaner weltweit die Nummer drei auf dem Mobilfunkmarkt sein
LG Electronics greift im Handymarkt an

Nach Samsung Electronics will auch Erzrivale LG Electronics aus Korea stark auf Europas Handymarkt punkten. Allein in diesem Jahr sollen in Europa mehr als eine Million UMTS-Handys verkauft werden, sagte der Vize-Präsident des GSM-Marketingteams, Chris Ho Yi, dem Handelsblatt. Hinzu kommen rund vier Millionen Geräte für die zweite Generation.

SEOUL. Erst vor wenigen Wochen hatte LG Electronics einen Auftrag über drei Millionen Handys der dritten Generation von Hutchison Whampoa, unter anderem für Europa, bekannt gegeben. Zudem werden an den Netzbetreiber Orange UMTS- und andere Handys geliefert. Mit weiteren Netzbetreibern, darunter T-Mobile, die LG seit Ende 2003 mit Handys der zweiten Generation beliefert, mit O2, Telefónica oder Vodafone sei man im Gespräch über UMTS-Handies. Ob LGE in Deutschland in diesem Jahr bereits mit UMTS-Handies auf den Markt komme, stehe noch nicht fest. „Deutschland ist der härteste Markt der Welt“, sagte Yi

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LG Electronics hat seine Telekomsparte, die derzeit rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht, zu einem der wichtigsten Wachstumsmotoren erklärt. Die Ziele sind hoch gesteckt: Spätestens 2007 will der Elektronikriese zu den drei größten Handyherstellern der Welt gehören und 14 Prozent des Marktes stellen. Derzeit sind Nokia, Motorola und Samsung Electronics die größten Handyhersteller. Mit ihrer Expansion machen die Koreaner auch Siemens auf Platz vier der Welt Druck. Die Deutschen hatten Platz drei vor zwei Jahren bereits an Samsung Electronics abgeben müssen. Näher gekommen ist ihnen LG Electronics bereits, die Koreaner überholten im vergangenen Jahr bereits Sony Ericsson als Nummer fünf. Im ersten Quartal mussten die Koreaner diesen Platz wieder abgeben, sind jedoch zuversichtlich, ihn auf Jahresbasis wieder zu erlangen.

„Die Netzanbieter haben uns als langfristigen Partner erkannt“, gibt sich Yi optimistisch. Erst vor zwei Jahren ist der Elektronikriese, der bei Handys mit dem CDMA-Standard in China, Indien und nach einer gelungenen Expansion auch in den USA erfolgreich ist, in den wachsenden Markt für Handys mit dem GSM-Standard wie in Deutschland eingestiegen. In diesem Jahr will LG Electronics 45 Millionen Handys verkaufen, davon bereits 20 Millionen GSM-Handys nach 6 Millionen im Jahr zuvor.

Analysten sehen LG Electronics auf dem richtigen Weg, halten das Ziel, in drei Jahren zum drittgrößten Handyhersteller aufzusteigen, aber für sehr ambitioniert. „Zur Zeit ist LG Electronics noch weit davon entfernt“, meint Analyst Je-Wu You von Woori Securities in Seoul. Dazu müsse das Unternehmen 2007 mindestens 120 Millionen Geräte verkaufen. Zudem schlage die Expansion im Handygeschäft derzeit auf die Gewinnmarge. Diese sei im Handysegment von 10 Prozent im dritten Quartal 2002 auf 3,1 Prozent im vergangenen Quartal gefallen – weit entfernt von den Handy-Weltmarkführern.

Ein Telekom-Analyst einer westlichen Bank in Seoul meint jedoch: „Der Auftrag von Hutchison war ein Vertrauensbeweis für die Handysparte.“ Er erwarte, dass die konzernweite Profitabilität von LG Electronics nach langer Stagnation nun endlich steigen werde. Das Unternehmen selbst hat angekündigt, dass die operative Gewinnmarge von gut fünf Prozent 2003 bis Ende dieses Jahres auf 10 Prozent steigen soll. Im ersten Quartal 2004 stieg der Nettogewinn mit knapp 585 Mrd. Won oder rund 420 Mill. Euro auf mehr als das Dreifache – neben dem Handy- und Plasmageschäft trug dazu der Gewinn des gemeinsam mit Philips ausgelagerten LCD-Geschäfts immens bei. Das Joint Venture LG.Philips soll im Juli an die Börse gehen. Allerdings gerät der Markt für Flachbildschirme angesichts fallender Preise schon jetzt unter Druck.

Im Handysegment hoffen die Koreaner, mit ihrem Produktportfolio an Klapphandys punkten und so bei UMTS-Handys ihre volle Stärke ausspielen zu können: Hochauflösende Kamerahandys, Videokonferenzen und schließlich Fernsehhandys, die in diesem Jahr in Korea starten, sollen den Eintritt in die hochpreisigen Segmente ermöglichen. Je nach Markt und Wunsch des Netzbetreibers wolle LG aber auch weiter im mittleren Segment Handys liefern, sagte Yi. Dabei werben die Koreaner damit, die Wünsche der Netzbetreiber schon im Entwicklungsstadium neuer Geräte stärker als die Konkurrenten zu beachten.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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