Blackberry Priv
Letzte Hoffnung Android

In der Krise gibt es keine Tabus: Blackberry setzt beim neuen Smartphone Priv auf das fremde Betriebssystem Android. Absichern will der Hersteller es mit eigener Software. Ist das die Rettung für das Branchen-Urgestein?

DüsseldorfIm ICE oder Eiscafé sind sie kaum noch zu sehen, und selbst in der Business Lounge am Flughafen sind sie in der Minderheit: Blackberry-Smartphones sind eine seltene Erscheinung geworden. Nur Banken, Behörden oder Beratungen mit hohen Sicherheitsbedürfnissen und ein paar unverdrossene Hardcore-Fans besorgen sich die neuen Modelle des kanadischen Herstellers. Der Marktanteil liegt bei unter einem Prozent.

In der Krise lassen sich Tabus leichter brechen. Das Unternehmen bringt jetzt mit dem Priv erstmals ein Smartphone heraus, auf dem nicht das eigene Betriebssystem läuft – sondern Android. Den eigenen Akzent setzt Blackberry mit einer Tastatur und speziellen Sicherheitsfunktionen.

„Das Gerät soll das Beste aus beiden Welten verbinden“, sagte Jürgen Müller, Blackberry-Geschäftsführer für Zentral- und Osteuropa, dem Handelsblatt: Die große Auswahl an Apps, die es für Android gibt, und die hohe Sicherheit, für die Blackberry bekannt ist. Im Logo bekommt der Android-Roboter ein Schutzschild verpasst.

Für die Entwickler in der kanadischen Zentrale war der Schritt gewiss nicht einfach, zumindest emotional. Blackberry steht für E-Mail-Maschinen, die effizient und sicher sind. Die eigene Verschlüsselungstechnik ist ein Markenzeichen, ebenso die Integration von Hardware und Software. Doch weitermachen wie bisher ist keine Option, das Geschäft schrumpft seit Jahren. Der frühere Marktführer nahm die Smartphones mit Touchscreen erst nicht ernst und brauchte dann zu lange, um ein konkurrenzfähiges Betriebssystem zu entwickeln.

Also ließ sich das Unternehmen auf eine ungewöhnliche Allianz ein. „Google ist an Blackberry herangetreten, um Android sicherer zu machen“, sagt Müller. Anfang 2014 begannen die geheimen Gespräche, die schließlich zur Entwicklung des Modells führten. Das Ergebnis heißt Priv und kommt in Deutschland für rund 800 Euro auf den Markt.

Es ist ein Gerät, das sich von der Masse abhebt. Es hat zwar den markanten Suchschlitz und all die Google-Apps, wie man es von Android-Modellen kennt. Unter dem 5,4 Zoll großen Bildschirm verbirgt sich aber eine Tastatur, die sich mit einer Bewegung herausschieben lässt. Zudem ist Software installiert, die es nur bei Blackberry gibt. Etwa die Kommunikationszentrale Hub, und eine Übersicht, in der Nutzer aktuelle Termine und Aufgaben angezeigt bekommen.

Blackberrys wichtigstes Verkaufsargument ist aber die IT-Sicherheit. „Wir haben ein neues Android-Derivat entwickelt“, sagt Müller – die Entwickler haben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft – also das Betriebssystem gehärtet, wie es im Fachjargon heißt. Das Gerät überprüft beim Start außerdem die Integrität der Software, um Manipulationen zu vermeiden.

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