Branchenmesse 3GSM in Barcelona
Microsoft will mobile E-Mail zum Massenmarkt machen

Microsoft will mit direktem E-Mail-Empfang auf dem Handy den Mobilfunkmarkt aufrollen. Auf der Branchenmesse 3GSM in Barcelona stellt der weltgrößte Softwarehersteller gemeinsam mit Netzbetreibern und Handy-Herstellern die ersten Geräte mit dem neuen Betriebssystem Windows Mobile fünf vor.

dpa BARCELONA. Die so genannte „Push“-Funktion, bei der E-Mails direkt auf mobile Geräte durchgeleitet werden, hat bereits zum Beispiel den „Blackberry“ des Herstellers RIM populär gemacht. Microsoft betont jedoch, dass Handys mit seinem Betriebssystems besonders leicht in die bestehende Outlook- und Exchange-Infrastruktur eingebunden werden können.

In Deutschland, Frankreich und Großbritannien werde zunächst Vodafone von März an Geräte mit Windows Mobile fünf auf den Markt bringen, hieß es. „Wir freuen uns, mit Vodafone zusammen eine mobile Messaging-Lösung für eine Reihe von Geschäftskunden zu entwickeln“, sagte Microsoft-Manager Pieter Knook in Barcelona.

Insgesamt 47 Hersteller wollen nach Angaben von Microsoft Handys und Smartphones mit Microsofts Betriebssystem auf den Markt bringen, darunter Hewlett-Packard, Fujitsu Siemens und Asus, die ihre aktuellen Produkte auf der Mobilfunkmesse präsentieren. Windows Mobile fünf umfasst unter anderem einen Media Player zum Abspielen von Musik und Videos, eine mobile Version der Präsentationssoftware Powerpoint und eine Textverarbeitung.

Die wichtigen Geschäftskunden will Microsoft auch mit dem Kostenfaktor für sein Betriebssystem gewinnen. Da die Software- Infrastruktur von Microsoft wie Windows, Outlook und Exchange in den Betrieben in der Regel bereits vorhanden ist, sei die Integration neuer Geräte etwa für Geschäftsreisende oder Außendienstmitarbeiter besonders einfach, sagt Microsoft-Manager Hardy Poppinga. Insgesamt gebe es weltweit bereits 130 Mill. Exchange-Server im Einsatz, die den E-Mail-Verkehr ohne zusätzlichen Aufwand erledigen könnten. Die Einbindung weiterer mobiler Geräte in ein Firmennetzwerk sei auf dieser Basis so einfach wie der Anschluss eines PCs. Für Windows Mobile fünf werde Microsoft darüber hinaus kostenlose Upgrades anbieten.

Große Hoffnungen auf Mobilfunkmarkt

Microsoft setzt große Hoffnungen auf den Mobilfunkmarkt. Zur Vorstellung von Windows Mobile fünf im Frühsommer vergangenen Jahres sagte Firmengründer Bill Gates unter anderem, er glaube, dass sich auf die Dauer hoch entwickelte Mobiltelefone mit ihrer Funktionsvielfalt zum Beispiel gegen MP3-Player wie den ipod von Apple durchsetzen werden. Smartphones - eine Kombination aus Handy und Mini-Computer - machten zuletzt zwar erst etwa sechs Prozent des Mobilfunkmarktes aus, sind jedoch rasant auf dem Vormarsch. Schätzungen zufolge könnten 2008 bereits 200 Mill. solcher Geräte verkauft werden. Dies wäre etwa ein Fünftel des gesamten Handy- Absatzes.

Die Zahlen zu aktuellen Anteilen bei mobilen Betriebssystemen unterscheiden sich teilweise deutlich, zum Beispiel weil die Experten uneins sind, ob Taschen-PCs mit Telefon-Funktion berücksichtigt werden sollten. Auch die Prognosen driften weit auseinander. Nach jüngsten Schätzungen des Marktforschers TDG könnte Windows Mobile bis 2010 die Führung bei Smartphone-Betriebssystemen mit einem Anteil von 29 Prozent übernehmen. Derzeit wird das unter anderem von Nokia benutzte Betriebssystem Symbian mit 51 Prozent Marktanteil als klarer Spitzenreiter gesehen, gefolgt von Linux mit 23 Prozent. Auf Windows Mobile entfallen demnach 17 Prozent. Der Marktforscher IDC dagegen sieht Symbian auch in absehbarer Zukunft dominierend mit bis zu 60 Prozent Marktanteil im Jahr 2009. Die Blackberry OS von RIM und Palm liegen beim Marktanteil im einstelligen Prozentbereich.

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