Bundesamt sieht keine erhöhte Gefahr
Handy-Studie schürt Krebs-Angst

Fundierte Belege dafür, dass regelmäßige Mobiltelefonate zu Gesundheitsschäden führen, gibt es bislang nicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht daher auch keine erhöhte Gefahr für Handy-Nutzer. Nun sorgt eine neue Studie für Wirbel. Wissenschaftlich sind die Aussagen des so genannten Bioinitiative-Reports aber äußerst zweifelhaft.

HB SALZGITTER/BERLIN. Als erste EU-Fachbehörde hat die Europäische Umweltagentur (EEA) ausdrücklich vor Gesundheitsgefahren durch Handys gewarnt. Die Behörde in Kopenhagen bezieht sich dabei auf den Bericht der „Bioinitiative Group“, der Ende August veröffentlicht wurde und bei dem die Umweltfachbehörde ein Mitautor ist. Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern hat 2 000 Arbeiten zur Wirkung von elektromagnetischen Feldern ausgewertet. Zentrales Ergebnis des Berichts ist laut dem ARD-Magazin „Report Mainz“ die Aussage, dass sich das Risiko für Hirntumoren nach mehr als zehn Jahren Handynutzung um 20 bis 200 Prozent erhöht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz wiederum zweifelt stark an den Ergebnissen der nun bekanntgewordenen Studie. „Wir haben die Studie geprüft. Nach erster Prüfung weist sie klare wissenschaftliche Schwächen auf“, sagte Bundesamtssprecher Florian Emrich der „Berliner Zeitung“. Es würden im so genannten Bioinitiative-Report Vermischungen vorgenommen, die fachlich nicht zulässig seien. Dennoch werde die Studie derzeit detailliert ausgewertet.

Es gebe klare Beweise, dass starke Handy-Nutzer, die ihr Handy mehr als 15 Jahre lang etwa 460 Stunden im Jahr genutzt hätten, Ausprägungen von Hirntumoren gezeigt hätten, sagte hingegen die EEA-Direktorin Jaqueline McGlade im ARD-Report. „Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, dass wir jetzt handeln müssen“, warnte McGlade weiter.

Außerdem gebe es laut McGlade durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Effekte in menschlichen Zellen. „Sie stören Zellprozesse, den Signalaustausch zwischen Zellen. Wenn das über einen langen Zeitraum passiert, können diese Störungen natürlich zu Langzeiteffekten wie Krebs führen“, wird McGlade zitiert. Das seien die Effekte, „die uns am meisten beunruhigen“. Deshalb rate die EEA dazu, die Grenzwerte mit Blick auf solche biologischen Effekte neu zu definieren und damit zu senken.

Mit ihrer Risiko-Bewertung steht die EEA im Gegensatz zu zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen, die bislang keine erhöhte Krebsgefahr für Handynutzer nachweisen konnten. Zuletzt hatten britische Wissenschaftler im vergangenen September die Ergebnisse einer Überprüfung von insgesamt 28 Studien zum Thema veröffentlicht. Demnach fanden sich keine Hinweise auf nachteilige Gesundheitsfolgen durch Handy-Strahlung. Auch eine dänische Großstudie mit mehr als 400 000 Teilnehmern, deren Ergebniss Ende vergangenen Jahres veröffentlicht worden war, konnte keinen Zusammenhang zwischen Handy-Nutzung und Krebserkrankungen nachweisen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht denn auch keine Notwendigkeit, Konsequenzen aus der jüngsten Studie zu ziehen: „Derzeit gibt es keinen Anlass, die Grenzwerte zu ändern. Wir empfehlen weiter einen vorsichtigen Umgang mit Mobilfunk“, sagte Sprecher Emrich. Nach derzeitigem Kenntnisstand gebe es aber innerhalb der Grenzwerte keine Gefährdung.

Der aktuelle Grenzwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm (W/kg). Als besonders strahlungsarm gelten sogenannte SAR-Werte bis 0,6 W/kg. Die Mehrzahl der in der Studie aufgenommenen Untersuchungen sei zudem nicht neu, so Emrich. „Sie wurden bei der Festlegung der derzeit gültigen Grenzwerte bereits berücksichtigt“, schreibt das Amt weiter.

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