B&O Beosound 3
Skandinavischer Henkelmann mit Pfiff

Nein, das ist kein Witz. Das ist ein Kofferradio! Mit Tragegriff und einem Mono-Lautsprecher. Man glaubt es kaum, aber Ende des Jahres Fünf im Jahrtausend der Digitalen Revolution bringt die dänische Edelschmiede Bang & Olufsen mit Beosound 3 den Nachfolger des guten alten Transistors in die Läden. Verrückt? Nur auf den ersten Blick.

HB DÜSSELDORF. Gerne erinnern wir uns an das kleine Holzkästchen, das im Jahre 2000 für Furore gesorgt hat: Tivolis legendäres "Model One" war nichts anderes als ein puristisches Tisch-Radio mit drei Knöpfen, einem Mono-Lautsprecher - und ein bombastischer Erfolg.

B&O-Designer David Lewis setzt jetzt auf gebürstetes Aluminium und ein Gehäuse im Tower-Format. Alle Bedienelemente sind in der Oberseite integriert. Tasten gibt es nicht, die Sensoren liegen bündig unter der Oberfläche und reagieren auf sanften Druck. Eine kreisende Bewegung über einen Sensorkreis reguliert die Lautstärke. Ein Display, unsichtbar integriert in der Frontseit, hilft, die Weckzeit einzustellen.

Der Musikturm braucht nur wenig Standfläche, passt also sogar auf zugestellte Designer-Schreibtische, an denen wirklich gearbeitet wird, auf Küchen-Sideboards oder auf den Boden neben dem Bett. Eine schicke Halterung nagelt den Henkelmann auf Wunsch an die Wand.

Wer die Beosound3 als Wecker nutzen will, sollte dringend das mitgelieferte Netzteil verwenden. Eine Akkuladung hält im Standby-Modus gerade mal 20 Stunden, im Musikbetrieb sind es zehn Stunden. Von einem Gerät dieser Größe kann man mehr erwarten.

Die Bedienung ist im Prinzip einfach und schnell erlernt. Da die Sensoren aber weder zu erfühlen noch beleuchtet sind, ist es manchmal auch ein nerviger Blindflug. Über einen unauffällig im Fuß integrierten Leser für SD-Speicherkarten wird die Beosound3 zum MP3-Spieler. Die Speicherkarte wird zunächst am PC "aufgetankt" und kann dann auch für die Weckmusik genutzt werden.

Das Klangbild ist sehr sauber und einem Radio angemessen. B&O selber bezeichnet die Charakteristik des Breitband-Lautsprechers als auf "Sprache optimiert".

Fazit: Technisch ausgereift, aber kaum innovativ, dafür mit ausgefallenem Design ist Beosound 3 mehr zeitloses Möbel als High-Tech-Gadget. Leider fehlt ein moderner digitaler Radiotuner (DAB). Trotzdem: Wer gerne Radio hört und als Lieblingssender eher Deutschlandfunk als EinsLive hat, wird an dem eleganten Turm viel Freude haben. Jedenfalls nachdem der Schreck über den auch für B&O-Verhältnisse hohen Preis von 600 Euro abgeklungen ist.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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