Cyberwar Südkoreas Cyber-Wächter machen Jagd mit Google

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Freude über "die Eine Uhr"

Der Geheimdienst sieht das naturgemäß anders und belohnt Informanten mit einer Uhr, die unter Jugendlichen zu einem begehrten Accessoire geworden ist. Sie nennen sie "die Eine Uhr" nach "dem Einen Ring" aus der "Herr der Ringe"-Trilogie. Ma und der 17-jährige Park In Beom haben die Uhr bereits erhalten. Park sagte, er habe sich sehr gefreut, als die Uhr gemeinsam mit einem Dankesbrief des Geheimdienstes eingetroffen sei. "Da habe ich gewusst, dass ich das Richtige tue."

Viele der Aktivisten sagen, für sie sei der Beschuss einer südkoreanischen Insel durch Nordkorea 2010 der Auslöser gewesen, sich zu engagieren. Es war der erste Angriff auf ziviles südkoreanischen Territorium seit dem Koreakrieg. "Ich habe mir ernsthaft überlegt, was ich für mein Land tun kann", sagte Park. In den Ferien ist er zwei oder drei Stunden pro Tag im Netz unterwegs, klickt sich durch Websites und sucht nach Nordkorea-Sympathisanten.

Die seit 2008 amtierende konservative Regierung vertritt eine härtere Linie gegen die Nordkorea-Sympathisanten. Im vergangenen Jahr blockierte sie 187 Konten bei Twitter und in anderen sozialen Netzwerken, in denen Nordkorea positiv betrachtet wurde. Außerdem wurden mehr als 79.000 entsprechende Internet-Postings entfernt, etwa 40 Mal mehr als 2008.

„Twitter ist eine Waffe“

2010 wurden 52 Verdächtige angeklagt. Rund 20 wurden schuldig gesprochen, von denen sieben Haftstrafen erhielten, wie ein früherer Abgeordneter unter Berufung auf das Justizministerium erklärte. Einzelheiten darüber, wie viele Haftstrafen wegen der Glorifizierung Nordkoreas verhängt wurden, nannte das Ministerium nicht.

Im Internet präsentieren Tausende Aktivisten stolz die pronordkoreanischen Inhalte, die sie an die Behörden gemeldet habe. Sie engagieren sich auch auf Twitter und argumentieren gegen Anhänger einer Politik der Versöhnung mit Nordkorea. "Twitter ist kein Kommunikationsmittel, sondern eine Waffe", erklärte ein 16-jähriger Schüler, der seinen Namen nicht nennen wollte, um nicht zum Ziel von Anfeindungen von Nordkorea-Sympathisanten zu werden, zu denen auch Lehrer zählen könnten.

Kim Jong Bo, ein Mitglied der Anwälte für eine Demokratische Gesellschaft, erklärte, er sei antikommunistisch erzogen worden und verstehen, warum die Schüler und Studenten der Regierung ohne nachzufragen folgten. "Ich würde ihnen gerne sagen, dass sie auch andere Meinungen hören müssen", sagte er.

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3 Kommentare zu "Cyberwar: Südkoreas Cyber-Wächter machen Jagd mit Google"

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  • der vergleich mit deutschland ist sehr interessant. "das handelsblatt" legtbei seiner leserkommentarfunktion ja auch sehr gerne die "zensur schere" an. auch diese kommentar spalte wird mit sicherheit wieder kräftig zensiert werden. das liegt halt in der deutschen mentalität - früher konnte man das sogar noch besser sehen, da gab es eine ost version und eine west version. aber im grunde genommen waren sie beide gleich.
    in korea gibt es halt eine nord version und eine süd version, aber im grunde genommen sind auch die beide gleich.
    so betrachtet hält der artikel den deutschen einen unschönen spiegel vor der durch alle schichten "wiedervereinigungs-makeup" dringt....
    ob das unser handelsblatt schreiberling bedacht hat.

  • Als Deutscher habe ich von 2003 bis Ende 2007 in Suedkorea gelebt und gearbeitet. Fuer mich als einer, der den jetzigen Praesidenten Lee MyongBak in seinem Wahlkampf 2007 (nichts ahnend!) unterstuetzt habe, ist es eine Schmach zu sehen, wie er dieses in vielen Dingen so vorbildliche Land zerruettet hat. Mit seiner bedingungslosen Anlehnung an das Pentagon, den CIA und den Verband der US-Ruestungsindustrie hat er Suedkorea innen- und aussenpolitisch um mindestens 10 Jahre zurueckgeworfen. Was das demokratische Klima inkl. Pressefreiheit angeht, sogar um 25 Jahre - in der duestere Zeit der Militaerdiktaturen. Statt die erfolgreiche Entspannungspolitik fortzusetzen, kam eine Serie von (sehr wahrscheinlich) selbst provozierten militaerischen Zwischenfaellen. Die Saat der Provokation und Nachrichten-Manipulation und Hetze droht aufzugehen, wenn jetzt ploetzlich junge Leute freiwillig Hatz auf andersdenkende Mitbuerger machen. Die meisten Suedkoreaner nehmen es gelassen: Nach der kommenden Praesidentenwahl im Dezember wird - wer auch immer sie gewinnt - das Ruder sicher wieder in Richtung Vernunft herumgerissen. Kein(e) Andere(r) wuerde sonst gewaehlt. (C.Haertl, Mannheim)

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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