DAB-Radio
Bits im Äther

Schluss mit Knistern und Knacken: Das UKW-Radio wird abgeschaltet und durchs Digitalradio ersetzt. Preiswerte Empfangsgeräte, mobile Informationsdienste, mehr Programme und ein Klang in CD-Qualität sollen die neue Lust aufs Radiohören wecken. Der Technologie, die bisher ein Schattendasein fristete, soll nun endlich zum Durchbruch verholfen werden.
  • 0

Endlich Feierabend. Ein leichter Tritt aufs Gaspedal, die schwere Limousine scheint die knapp 65 Kilometer Autobahn vom Münchner Norden bis nach Ingolstadt zu verschlingen. Es ist wenig los auf der A 9. Die Zeit verfliegt, als ein Warnsignal den Fahrer aus seinen Gedanken reißt und den Jazztitel im Radio unterbricht. Stattdessen meldet sich die durchdringende Stimme des digitalen Fahrerassistenten: „Achtung, Gefahr! Unfall vor der Ausfahrt Ingolstadt-Süd. Rechte Fahrspur gesperrt. Das Stauende liegt in 2 000 Metern Entfernung vor Ihnen hinter einer Kurve. Bremsen Sie ab!“

Verkehrsmeldungen für jedes Fahrzeug individuell, aktuell und schnell – das Forschungsprojekt Diwa macht diesen Wunsch wahr. Unter dem Arbeitstitel „Direkte Information und Warnung für Autofahrer“ erproben die Technische Universität München, das bayrische Innenministerium und der Autohersteller BMW neue Konzepte zum Übertragen von Stau-, Unfall- und Umleitungshinweisen per Radio. „Mitte Oktober gehen wir damit in den Live-Test“, sagt Diwa-Projektkoodinator Georg Obert. „Bisherige Infodienste wie die elektronischen Verkehrsmeldungen TMC im UKW-Radio kennen bloß die Ausfahrten, dazwischen herrscht Blindflug.“

Nicht mehr lange. Die viel schnelleren und genaueren Angaben ermöglicht eine Technik, die in den nächsten Jahren den gewohnten, knapp 60 Jahre alten UKW-Rundfunk ablösen wird: das Digitalradio – in Anlehnung an den englischen Begriff „Digital Audio Broadcast“ DAB genannt. Er fristete bisher ein Schattendasein. Nun aber wollen Programmanbieter, Sendeverantwortliche und Gerätehersteller „DAB endlich zum Durchbruch verhelfen“, sagt Chris Weck, Hauptabteilungsleiter Rundfunk- und Informationstechnik beim Deutschlandradio in Berlin.

Individuelle Verkehrsmeldungen sind nur eine der neuen Möglichkeiten dieser Technik. Ihre Verbreitung im Markt verträgt keinen weiteren Aufschub, denn spätestens 2015 sollen nach einer Empfehlung der EU-Kommission auch in Deutschland alle UKW-Sender abgeschaltet werden. „Bis dahin muss das Digitalradio in die Gänge kommen“, sagt Rüdiger Malfeld, Vorsitzender der gemeinsamen Arbeitsgruppe Hörfunkkommission der ARD und Leiter der Hauptabteilung Zentrale Aufgaben Hörfunk beim WDR.

Ob in Kiel oder Konstanz, Pirmasens oder Potsdam, schon heute leben gut 80 Prozent der Deutschen in bereits vom digitalen Rundfunk versorgten Regionen. Damit haben sie Zugriff auf ein Vielfaches der gegenwärtig lokal empfangbaren Sender. Theoretisch jedenfalls. Denn obwohl Hersteller wie Grundig bereits 1995 erste DAB-Module fürs Autoradio auf den Markt brachten, hat sich bis heute nur eine kleine Minderheit die notwendigen Empfangsgeräte angeschafft. Der Verband privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) schätzt ihre Zahl auf rund 300 000 gegenüber 300 Millionen UKW-Empfängern.

Seite 1:

Bits im Äther

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " DAB-Radio: Bits im Äther"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%