Debitel und Mobilcom: Preisdruck zwingt Zwischenhändler zum Handeln

Debitel und Mobilcom
Preisdruck zwingt Zwischenhändler zum Handeln

Der Preisrutsch auf dem Mobilfunkmarkt geht nicht spurlos an den Service-Providern vorbei. Durch die immer niedrigeren Minutenpreise werden die im Branchenvergleich dünnen Margen der Unternehmen unter Druck gesetzt. Einige Experten sehen die Zwischenhändler für Handy-Verträge bereits auf dem absteigenden Ast.

dpa BERLIN. Die Marktführer Debitel und Mobilcom prüfen daher nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen ein Zusammengehen. Experten raten den Unternehmen hingegen dazu, mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder ihre Gewinn langfristig zu sichern. Denn das Einsparpotenzial bei einer Fusion sei gering.

Für die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus sind die Serviceprovider bislang einer der wichtigsten Vertriebswege. Jeder vierte der fast 80 Millionen in Deutschland abgeschlossenen Handy- Verträge wurde bei einem der Zwischenhändler unterzeichnet. Die Provider schreiben zwar die Rechnung, die Kunden telefonieren aber über das Netz der vier Mobilfunkkonzerne. Bei Mobilcom & Co. bleibt nur ein kleiner Teil der Erlöse hängen.

In der Zeit des Handy-Booms hat diese Konstellation gut funktioniert. Nun sättigt sich aber der Handy-Markt und die vier Netzeigner wollen Kunden am liebsten direkt unter Vertrag haben, wie ein Mobilfunkmanager berichtet. Nach Ansicht von Marktforschern müssen die Gesellschaften nun neue Geschäftsfelder finden. "Der Zenit der Serviceprovider mit dem existierenden Geschäftsmodell ist überschritten", sagt Martin Gutberlet vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Er rät den Unternehmen, sich dem Mittelstand zuzuwenden und kombinierte Festnetz- und Mobilfunkangebote ins Programm aufzunehmen. Damit könnten die Provider ihre Gewinne sichern.

Die Eigner von Mobilcom und Debitel - die Finanzinvestoren Texas Pacific Group (TPG) und Permira - feilen allerdings an einer anderen Lösung. Sie prüfen Kreisen zufolge die Möglichkeit von Kooperationen oder gar einen Zusammenschluss ihrer Beteiligungen. "Wirklich Sinn macht allerdings nur eine Fusion", sagt ein Manager. Die Diskussion umfasst den Informationen zufolge mit Talkline auch die Nummer drei der Branche. Talkline könnte zuerst mit Branchenprimus Debitel verschmolzen werden. Dies wäre ein logischer Schritt, denn die Gesellschaft gehört zu der dänischen TDC, die vor der Übernahme durch ein Finanzkonsortium um Apax und eben Permira steht. Später könnten dann Debitel/Talkline und Mobilcom fusionieren.

Die Unternehmen selbst dementieren Fusionsverhandlungen oder lehnen einen Kommentar dazu ab. Für Marktforscher würde eine Verschmelzung Sinn machen. "Die Serviceprovider sind starker Konkurrenz durch die Mobilfunkdiscounter ausgesetzt", sagt Philipp Geiger vom Beratungsunternehmen Solon. Eine Fusion würde daher vorteilhaft sein. "Allerdings sind die Synergieeffekte wahrscheinlich begrenzt", warnt er. Zudem könnte den Netzbetreibern ein großer Provider zu dominant werden. Diese könnten dann die Margen drücken.

Hinderlich für ein Zusammengehen ist auch die hängende Verschmelzung von Mobilcom und Freenet. Diese könnte sich wegen Klagen von Aktionären noch um Monate oder im schlimmsten Fall um Jahre verzögern. Denkbar sei daher, dass der Chef von Mobilcom und Freenet, Eckhard Spoerr, mit einem Befreiungsschlag eine schnelle gütliche Einigung mit den Klägern anstreben könnte, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Trotz der offenen Fragen laufen die Gedankenspiele weiter: So prüfe Permira einen Börsengang von Debitel. Dies würde ein Zusammengehen mit der börsennotierten Mobilcom erleichtern, sagt ein Manager.

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