Drohne und Flugzeug

Schon seit längerem fordert die DFS strenge Vorgaben für die private Nutzung von Drohnen.

(Foto: dpa)

Deutsche Flugsicherung Drohnen-Piloten werden vernünftiger

Die Deutsche Flugsicherung beobachtet eine sinkende Zahl von Vorfällen mit Drohnen. Noch gibt die Behörde aber keine Entwarnung.
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LangenDie Zahlen sind ermutigend, zumindest zum Teil. Zwar haben Flugzeugpiloten im vergangenen Jahr hierzulande 88 Annäherungen mit kleinen Flugrobotern gemeldet. Das sind mehr als die 64 Vorfälle im Jahr zuvor. „Ab August vergangenen Jahres hat der Zuwachs aber abgenommen“, sagte Klaus-Dieter Scheurle, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung (DFS), am Vormittag in Langen bei Frankfurt.

Scheurle führt die Entwicklung unter anderem auf die Aufklärungsarbeit zurück. So habe die DFS etwa im vergangenen Juli eine kostenlose App auf den Markt gebracht, die bereits 35.000 aktive Nutzer habe. „Sie sagt ortsbezogen durch ein rotes oder grünes Licht, was man darf oder nicht“, so der DFS- Chef.

Entwarnung will Scheurle allerdings nicht geben. Das Thema der Störungen bleibe virulent. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Hobbypilot mit seiner Drohne den Flugverkehr am Flughafen Köln/Bonn massiv behindert und sogar die zeitweise Sperrung der Bahn verursacht. Er war mit dem Fluggerät den Flugzeugen viel zu nahe gekommen. Ein Lufthansa-Flug aus München musste deshalb sogar nach Düsseldorf umgeleitet werden. Der Pilot der Drohne wurde wohl bislang noch nicht ausfindig gemacht.

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Im vergangenen Herbst kollidierte in Kanada sogar eine Drohne mit einem Jet. Zum Glück blieb das ohne schlimmere Folgen aus. Die wohl größte Gefahr besteht, wenn ein unbemanntes Fluggerät in eines der Triebwerke geraten oder Fenster in dem Flugzeug beschädigen würde.

Schon seit längerem fordert die DFS deshalb strenge Vorgaben für die private Nutzung von Drohnen. Teilweise gibt es die auch schon. So dürfen Drohnen in Deutschland nicht höher als 100 Meter fliegen. Auch sind die Gebiete 1,5 Kilometer rund um einen Flughäfen absolut tabu, Vergehen dagegen ist eine Straftat. Doch dazu muss die Polizei den Betreiber des Geräts ausfindig machen, was selten gelingt.

„Wird eine Drohne zerstört, hilft die Plakette in der Regel wenig, weil die auch weg ist“, so Scheurle. Seit Oktober vergangenen Jahres ist zudem vorgeschrieben, dass Betreiber von Drohnen mit einem Gewicht von Kilogramm und mehr einen Drohnen-Führerschein machen müssen. Doch die zahllosen kleineren Geräte sorgen weiterhin für Unruhe, nicht zuletzt an Flughäfen.

Auf dem Radar unsichtbar

Deshalb geht die Flugsicherung auch technologisch gegen die Drohnen-Flut vor. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom hat man ein Forschungsprojekt gestartet, um die unbemannten Störenfriede mithilfe von Mobilfunktechnik besser unter Kontrolle zu bekommen. Mobilfunkmodule in den Fluggeräten senden GPS-Daten, so dass die Drohnen besser überwacht werden können.

Denn die Drohnen sind auf dem Radar für die Lotsen unsichtbar. Deshalb ist eine Ortung über andere technische Wege so wichtig. Über die GPS-Daten können Drohnen auf dem Radar sichtbar gemacht werden.

Das ist wichtig, denn der Luftraum über Deutschland wird zunehmend enger. So registrierte die DFS im vergangenen Jahr gut 2,2 Millionen Starts und Landungen in Deutschland, ein Plus von 1,6 Prozent. Für das laufende Jahr prognostiziert die europäische Luftaufsicht Eurocontrol für Deutschland ein Wachstum des Luftverkehrs um 2,7 Prozent, 2019 soll das Plus 2,4 Prozent betragen. „Bestimmte Gebiete sind bereits überfüllt“, so Scheurle und nannte Würzburg als Beispiel.

Das Geschäft mit unbemannten Fluggeräten ist für Scheurle ein wichtiges. Die Ansprüche würden hier deutlich steigen. Der Anteil der professionellen Nutzer von Drohnen wachse mittlerweile stärker als der der Privatnutzer. „Wenn aber etwa der Fahrdienstleister Über in Zukunft ein Lufttaxi am Frankfurter Flughafen in Richtung Innenstadt starten will, will man die Genehmigung innerhalb einer Sekunde“, macht der DFS-Chef die Herausforderung deutlich.

Das erfordere eine andere Infrastruktur und erhebliche Investitionen. „Das ist nicht mehr in Millionen zu rechnen.“ Man sei hier aber schon in Gesprächen mit Landesbehörden und auch industriellen Partnern. Details wollte Scheurle aber nicht nennen.

Das Drohnen-Geschäft gehört zum Drittgeschäft der DFS. Das wird immer wichtiger, denn im regulierten Kerngeschäft, das durch sinkende Gebühren für die Verkehrssteuerung und große Investitionen in die Lotsen-Technologie geprägt ist, stehen Umsatz und Ertragskraft unter Druck. Teilweise werden die Rückgänge hier zwar durch das Drittgeschäft, zu dem auch die Tower-Steuerung an ausländischen Standorten gehört, kompensiert.

Aber in den Zahlen für 2017 ist dieser Druck sichtbar. So sank der Umsatz um 5,7 Prozent auf 1,19 Millionen Euro. Das Drittgeschäft steuerte 66 Millionen Euro bei. Der Jahresüberschuss brach von 86,6 auf 30,6 Millionen Euro ein.

Auch die Drohne braucht bald ein Kennzeichen
Neue Regeln für den Umgang mit Drohnen
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Wo darf ich eigentlich meinen Multicopter in die Luft steigen lassen? Was ist die maximale Flughöhe? Und darf ich auch mit einer aufgesetzten Videobrille steuern? – Seit Anfang April gelten für die private Nutzung von unbemannten Fluggeräten neue Regeln. Worauf Sie jetzt achten müssen, zeigt der folgende Überblick.

Erlaubnisfreiheit
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Fluggeräte bis fünf Kilogramm Gewicht dürfen grundsätzlich ohne Erlaubnis aufsteigen. Für den Flug schwererer Geräte oder für den Nachtflug ist laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMV) eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörden nötig.

Flughöhe
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100 Meter über dem Grund sind grundsätzlich die Grenze, heißt es beim BMV. Darüber hinaus ist eine Erlaubnis fällig. Ausnahmen gelten allerdings für Gelände, für die bereits eine Erlaubnis zum Aufstieg von Flugmodellen erteilt und auf denen eine Aufsichtsperson bestellt worden ist. Wird dort statt eines Multicopters zum Beispiel ein Modellflugzeug geflogen, ist für Flüge oberhalb von 100 Metern allerdings ein Kenntnisnachweis nötig.

Flugverbotszonen
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Verboten sind laut BMV Flüge über Einsatzorten von Polizei und Feuerwehr, über Krankenhäuser, Menschenmengen, Gefängnisse, Militärgelände, Industrieanlagen, einige Bundes- und Landesbehörden sowie Naturschutzgebiete. Auch rund um Flughäfen gilt ein Flugverbot. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) nennt einen Abstand von 1,5 Kilometer vom Flughafenzaun, die tatsächliche Kontrollzone kann aber größer sein. Genaue Karten gibt es auf der DFS-Webseite.

Regeln für Wohngebiete
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Drohnen von mehr als 250 Gramm Gewicht dürfen hier nicht mehr aufsteigen. Kann das Fluggerät filmen oder Töne aufnehmen, darf es in Wohngebieten gar nicht fliegen. Eine Ausnahme gilt, wenn die Grundstückseigentümer oder Mieter von überflogenem Gebiet ausdrücklich zustimmen.

Sichtweite
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Generell sind Flüge mit Geräten bis fünf Kilogramm nur in Sichtweite des Piloten erlaubt. Flüge mithilfe einer Videobrille sind allerdings dann erlaubt, wenn sie bis zu einer Höhe von 30 Metern stattfinden und das Gerät nicht schwerer als 250 Gramm ist. Oder wenn eine andere Person es ständig in Sichtweite hat und den Steuernden auf Gefahren aufmerksam machen kann. Auch diese Hilfe einer zweiten Person gilt dann als Betrieb in Sichtweite.

Die folgenden Regeln gelten vom kommenden Oktober an.

Kennzeichen
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Alle Multicopter und Flugmodelle ab 250 Gramm brauchen vom Oktober an eine Plakette mit Namen und Anschrift des Eigentümers. Das kann eine Metallplakette oder ein Aluminiumaufkleber sein. Das Kennzeichen muss dauerhaft mit dem Gerät verbunden und feuerfest sein. Der Grund: Im Schadensfall lässt sich so der Halter ermitteln.

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