Die Abwehrstrategien der Mobilfunkbetreiber müssen die Kunden bezahlen
Handy-Viren könnten zur Bedrohung werden

Wenn auf dem Display eines Mobiltelefons ein Totenkopf grinst, muss das nicht heißen, dass sich der Telefonbesitzer irgendwo ein cooles Logo herunter geladen hat. Möglicherweise ist das Handy von Skulls-L befallen, einem Computervirus, der programmierte wurde, um multimediafähige Mobiltelefone anzugreifen.

DÜSSELDORF. Skulls-L ist einer von rund 60 Mobilviren, die Sicherheitsexperten entdeckt haben. Seit rund einem Jahr beobachten sie, dass Virenautoren verstärkt Mobiltelefone ins Visier nehmen. Auf der Untergrundwebseite virus.cyberspace.sk wurde gar ein Programmiererwettbewerb ausgerufen, die „Cell Phone Virus Challenge“.

Bislang stellen derartige Virenangriffe höchstens ein Ärgernis für die Handybesitzer dar, aber keine Bedrohung. Skulls-L setzt SmartphoneFunktionen außer Kraft. Aus dem Multimediagerät wird wieder ein einfaches Telefon. Andere Viren steigern den Stromverbrauch. „Was wir derzeit sehen, sind Konzeptstudien der Virenschreiber“, sagt Hans-Joachim Diedrich, Deutschlandchef des Antivirensoftware-Herstellers F-Secure in München. Sie seien weit entfernt von einer flächendeckenden Landplage wie im Falle der PC-Viren, von denen es heute mehr als 100 000 gibt. Auf die leichte Schulter nimmt Diedrich die Mobilschädlinge aber nicht. „Die Szene übt“, beobachtet er. „Und sie wird besser.“ Alexey Malanov, Sicherheitsexperte beim Softwarehersteller Kapersky Lab in Moskau, teilt dieses Einschätzung. Jede Woche erhöhe sich die Zahl der Schadprogramme für Symbian-Geräte etwa um ein neues Programm.

2004 griff der erste Mobilvirus aktiv Handys an: Cabir gelangte über offene Bluetooth-Verbindungen auf Mobilgeräte. Dabei setzten die Programmierer voll auf die Unerfahrenheit der Handybesitzer: Viren wie die alten Cabir-Versionen oder Skulls-L gaukeln vor, Sicherheitsinformationen oder ähnliches zu sein und werden durch das Drücken der „OK“-Taste installiert. Ein einfacher Trick, aber er funktioniert. Schließlich rechnen die meisten Mobiltelefonierer im Gegensatz zu den leidvoll geschulten Computerbesitzern nicht damit, dass ein Klick schädliche Folgen haben kann.

Technisch sind die digitalen Angreifer simpel gestrickt. Diese Tatsache und die Gerätevielfalt – ein für ein Nokia-Telefon programmierter Virus funktioniert zum Beispiel nicht auf einem Sony-Ericsson-Gerät – sprechen dagegen, dass sich die breite Masse der Handybesitzer akut sorgen muss. Allerdings probieren die Virenautoren immer neue Tricks. So nutzt der Virus Comwar das Telefonbuch des befallen Handys, um sich als MMS-Nachricht zu verbreiten. Cabir-R schickt sich selbst als Antwort auf eingegangene SMS- oder MMS-Mitteilungen. Der im April entdeckte Handy-Virus Frontal-A ist wirklich schädlich: Er bringt Handys zum Absturz, wenn sie eingeschaltet werden, so dass sich das betroffene Gerät nicht mehr verwenden lässt.

Damit Nutzer kostenpflichtiger UMTS-Datendienste in Zukunft nicht mit Viren bombardiert werden, arbeitet die Telekommunikationsbranche fleißig an Abwehrkonzepten. Der Handyhersteller Nokia entwickelt zum Beispiel mit Symantec Firewalls und Virenscanner für das Symbian-Betriebssystem.

Auch alle Mobilnetzbetreiber in Europa loten in Projekten die Gefahr aus, hüllen sich aber offiziell in Schweigen, um nicht die Kunden nervös zu machen. T-Mobile bietet eine von F-Secure entwickelte Antivirensoftware für Handys zum Kauf an, andere Netzbetreiber wollen nachziehen. Klar ist so auch, wer für die Kosten dieser zusätzlichen Sicherheitsmodule aufkommen muss: Die Mobiltelefonierer selbst. Auf sie legen die Netzbetreiber die Mehrausgaben für die Virenfreiheit um.

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