Die Frage nach dem Standard
Technik-Streit blockiert Handy-TV

Ab 2008, pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft und zu den Olympischen Sommerspielen in Peking, soll das mobile Fernsehen flächendeckend an den Start gehen. Noch in diesem Jahr will die Kommission eine entsprechende Strategie verabschieden. Doch ausgerechnet die deutsche EU-Ratspräsidentschaft könnte den Zeitplan durchkreuzen.

BRÜSSEL. EU-Medienkommissarin Viviane Reding hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, den andauernden Streit um die technischen Standards beim Handy-TV einzustellen und sich auf den europäischen Standard DVB-H zu einigen. Hintergrund: Einige EU-Staaten, darunter Großbritannien, bevorzugen die südkoreanische Technik DMB. Die Meinungsverschiedenheiten verhindern nach Überzeugung der Kommissarin die rasche Entwicklung des mobilen Fernsehens. Bislang gibt es nur Feldversuche in einigen Städten und Regionen. Über die Technik und über die Frequenz-Bänder, auf denen Handy-TV verbreitet wird, entscheidet die EU.

Nach Redings Plänen soll das mobile Fernsehen ab 2008 zur Fußball-Europameisterschaft und zu den Olympischen Sommerspielen in Peking flächendeckend an den Start gehen. Noch in diesem Jahr will die Kommission eine entsprechende Strategie verabschieden. Doch ausgerechnet die deutsche EU-Ratspräsidentschaft könnte den Zeitplan durchkreuzen. Denn in Deutschland tobt eine Auseinandersetzung zwischen Bayern und den übrigen Bundesländern um den besseren Technik-Standard. Bayern setzt als letztes Bundesland auf das koreanische DMB-TV und blockiert so eine einheitliche deutsche Position.

Weil für die Medienpolitik in Deutschland die Länder zuständig sind, ist die Bundesregierung machtlos. Wie der innerdeutsche Konflikt die Weiterentwicklung des mobilen Fernsehens ausbremst, kann Reding am Donnerstag beim Treffen der für Telekommunikation zuständigen EU-Minister in Hannover erfahren. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will seinen Kollegen die Vorzüge des mobilen Fernsehens lediglich im Rahmen einer „Vorführung“ präsentieren. Eine inhaltliche Debatte über die regulatorischen Voraussetzungen für die Verbreitung der neuen Technik soll es mit Rücksicht auf die ungeklärte deutsche Position nicht geben.

Reding erwartet für das mobile TV bis 2009 ein Marktvolumen von weltweit 11,4 Mrd. Euro. Allein 50 Millionen TV-Handys könnten verkauft werden, schätzt die Kommissarin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%