Die Konkurrenten Motorola und Samsung nutzen die Schwäche der Finnen
Bei Nokia klingeln die Alarmglocken

Die Negativschlagzeilen für Nokia reißen nicht ab: Der weltweit größte Mobiltelefonhersteller hat im ersten Quartal offenbar deutlich stärker an Boden verloren als bisher bekannt. Der Marktanteil des Branchenprimus? ist im ersten Quartal dieses Jahres auf knapp 29 Prozent gesunken, wie es in einer gestern vorgelegten Untersuchung der Marktforschungsgesellschaft Gartner heißt.

hst/slo STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Im Vorjahresquartal waren es noch rund 35 Prozent. Nokia selbst wollte die Zahlen nicht kommentieren.

Gartner ist nach Strategy Analytics das zweite Marktforschungsinstitut, das bei dem finnischen Konzern einen weit stärkeren Einbruch als das Unternehmen selbst sieht. Nokia-Chef Jorma Ollila sagte Mitte April bei der Vorlage der Quartalszahlen, dass der Marktanteil von 37 auf 35 Prozent gefallen sei. Er begründete dies vor allem mit Lücken im Produktportfolio. Die Finnen hatten den Trend der aufklappbaren Handys verschlafen, die mittlerweile für rund 40 Prozent aller verkauften Geräte stehen. Nokia hat bislang nur ein einziges Klapp-Modell auf dem Markt. Ein zweiter Grund für den Einbruch bei Nokia ist die Weigerung des Konzerns, neben dem Handy-Herstellernamen auch das Logo des Mobilfunkbetreibers auf das Gerät zu drucken. Die Nokia-Konkurrenz ist den Netzbetreibern deutlich stärker entgegengekommen und hat sogar die Menüführung der Geräte den Wünschen der Mobilfunker angepasst.

Die Nokia-Schwächen nutzten vor allem die Konkurrenten Motorola und Samsung aus, die ihre Position auf dem weltweiten Handymarkt im ersten Quartal klar verbesserten. Es habe sich für Samsung ausgezahlt, auch einfachere und damit günstigere Geräte anzubieten, sagte Gartner-Analyst Ben Wood. Motorola dagegen habe eine Vielzahl neuer Modelle auf den Markt gebracht und so seine Position ausgebaut. "Motorola hat wieder ein Stück Vertrauen bei den Mobilfunkgesellschaften zurückerobert", sagte Wood. Der US-Handyhersteller hatte im vergangenen Jahr kontinuierlich Marktanteile eingebüßt.

Nokia hat bereits Konsequenzen aus seinem schlechten Abschneiden im ersten Quartal gezogen und die Handy-Preise nach Informationen aus Kreisen der Mobilfunkgesellschaften um bis zu 20 Prozent gesenkt. Håkan Wranne, Analyst beim Börsenmakler Fischer Partners in Stockholm, warnte daher davor, Nokia nach einem schwachen ersten Quartal abzuschreiben. "Das ist Geschichte", sagte Wranne. Das zweite Quartal dürfte für Nokia wieder besser gelaufen sein. "Die werden schon zurückkommen, das Beispiel Motorola hat gezeigt, wie schnell so etwas gehen kann", sagte Wranne.

Die Aktienmärkte zeigten sich relativ unbeeindruckt von den Gartner-Zahlen: Der Nokia-Kurs gab in Helsinki 0,2 Prozent nach. Seit Anfang April hat die Aktie jedoch rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

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