Die neue Mobilfunkgeneration
UMTS-Träume zerplatzen wie Seifenblasen

Die Träume internationaler Telekommunikationskonzerne von satten Gewinnen durch die Einführung der neuen Mobilfunkgeneration UMTS in Deutschland drohen wie Seifenblasen zu zerplatzen.

Reuters FRANKFURT. Die astronomisch hohen Preise, die die Konzerne seinerzeit bei der Versteigerung der Lizenzen bezahlt haben, führen nach Einschätzung von Analysten ebenso wie die massiven Verzögerungen beim Start der neuen Technologie dazu, dass aus den Investitionen in dieses Milliardengrab kaum mehr akzeptable Gewinne resultieren werden.

Nach den Worten von Frank Rothauge, Analyst beim Bankhaus Sal Oppenheim, läuft die Finanzierung der Lizenzen auf eine Quersubventionierung hinaus: "UMTS wird durch Erlöse aus dem jetzigen Mobilfunk finanziert." Im übrigen müsse man sich von der Vorstellung frei machen, dass UMTS auf einen Schlag ein neues Zeitalter einläuten werde. Und auch Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin sagt: "Bei UMTS haben alle eine Revolution erwartet. Es ist aber eine Evolution."

Nokia erwartet erst 2004 hohe Absatzzahlen

Der Start von UMTS verzögert sich auch wegen technischen Problemen bei den Netzen und den neuen Telefonen. So musste der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia am Montag einräumen, er erwarte erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres hohe Absatzraten für die neuen UMTS-Mobiltelefone, mit denen unter anderem das schnellere Herunterladen von Musik oder Videos möglich ist. "Die nächsten zwölf Monate sind eine Übergangsphase", sagte der für die Handy-Sparte zuständige Nokia-Manager Matti Alahuhta.

Mit Mobilcom und der Telefonica-Tochter Quam haben sich bereits zwei der Unternehmem, die im Jahr 2000 den Zuschlag für eine der sechs Lizenzen erhalten haben, aus dem UMTS-Markt verabschiedet. Mobilcom entging 2002 nur knapp der Insolvenz. Andere, wie E-Plus und O2, haben Milliardenbeträge abgeschrieben und damit ebenfalls eingestanden, wie dramatisch sie das Potenzial der neuen Technologie überschätzt haben. Allein die britische Mutter von O2 hat für das vergangene Jahr für die deutsche Lizenz 5,5 Mrd. ? abgeschrieben.

Umgerechnet mehr als 50 Mrd. ? hatten die Telekommunikationsfirmen 2000 insgesamt für die sechs deutschen UMTS-Lizenzen bezahlt. "Es gibt die Erkenntnis, dass man vor drei Jahren für die Mobilfunklizenzen der dritten Generation zu viel bezahlt hat", sagte kürzlich mmO2-Chef Peter Erskine.

Testbetrieb bei T-Mobile verzögert

Die Anbieter haben zu viel für Netze, die überdies mit Verspätung in Betrieb gehen, ausgegeben. Hatten die meisten Anbieter angekündigt, spätestens 2003 mit UMTS zu starten, verschiebt sich der Termin nun: Die Vodafone-Tochter D2 will sich nicht mehr auf einen Starttermin für UMTS festlegen. O2 rechnet frühestens ab Mitte 2004 mit einem großflächigen Start in Deutschland und bei T-Mobile verzögert sich sogar der Testbetrieb. "Angesichts der Verspätung ist es noch unwahrscheinlicher, dass die Unternehmen ihre Investitionen jemals wieder reinholen können", sagt Bernd Janke, Telekommunikationsexperte bei der Unternehmensberatung Mummert Consulting.

"Pro Lizenz 60 Prozent zuviel gezahlt"

"Die Verschiebung treibt die Zinskosten auf die Investitionen in die Höhe und sorgt für spätere Einnahmen", erläutert Torsten Gerpott, Professor an der Universität Duisburg. "Im vergangenen Jahr ging ich in einer Studie noch davon aus, dass die Lizenznehmer in Deutschland den Wert der Lizenzen um 25 bis 30 % zu hoch angesetzt haben. Jetzt stelle ich fest, dass 60 bis 70 % zuviel gezahlt wurden." Gerpott fordert deshalb, dass neben E-Plus und O2 auch die Deutsche Telekom sowie Vodafone außerplanmäßige Abschreibungen auf die deutschen Lizenzen vornehmen.

Trotz der vielen Probleme um UMTS geht Rothauge nicht davon aus, dass noch einer der großen Anbieter aus dem UMTS-Geschäft ausscheidet. Ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom könne die Kosten verkraften. "Die UMTS-Lizenz hat die Deutsche Telekom rund das 2,5fache des operativen Ergebnisses im deutschen Mobilfunk im vergangenen Jahr gekostet", sagt der Analyst. "Das Unternehmen hat also bereits in zweieinhalb Jahren mit dem bestehenden Mobilfunkangebot die ursprünglichen Kosten der UMTS-Lizenz wieder verdient, ohne mit der Verwertung begonnen zu haben."

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