Digitaler Hörfunk
Abschied vom Dampfradio

Deutschlands Radio-Landschaft bewegt sich: Die Landesmedienanstalten wollen das über Antenne empfangbare Digitalradio DAB forcieren. Nach einem ersten, gescheiterten Versuch vor einigen Jahren soll diesmal alles besser werden. Und das muss es auch - denn die iPod-Generation wird mit dem klassischen UKW-Radio kaum mehr erreicht.

dpa FRANKFURT/MAIN. In Deutschland wird Radio meistens über UKW gehört. Trotz einiger Anläufe hat sich am Prinzip des alten Dampfradios in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Hörfunklandschaft: Die Landesmedienanstalten wollen das über Antenne empfangbare Digitalradio forcieren. Nach dem Willen der Medienhüter soll ab Ende kommenden Jahres digitaler Hörfunk bundesweit an den Start gehen, der mit neuen Programmen und podcast-ähnlichen Zusatzdiensten den Hörfunk revolutionieren könnte. Vor wenigen Tagen wurden die privaten Sender aufgefordert, bis Ende April ein „tragfähiges Gesamtkonzept“ vorzulegen.

„Wir wollen sehen, was der Markt denkt“, sagt Joachim Becker von der hessischen Landesmedienanstalt in Kassel. Auch die ARD mit ihren über 50 öffentlich-rechtlichen Sendern weiß, dass ein Neubeginn dringlich ist. „Es droht der Generationenabriss“, sagt Helwin Lesch, Experte beim Bayerischen Rundfunk (BR). Die „Generation iPod“ mit ihren völlig neuen Hörgewohnheiten werde man sonst nicht mehr erreichen. Beim BR in München ist die Technik-Kommission von ARD/ZDF und Deutschlandradio angesiedelt.

Bei den Privaten stehen einige Sender wie der hessische Marktführer Radio FFH bereits in den Startlöchern. Mit vier anderen führenden deutschen Privatwellen hat FFH sich zum größten deutschen Radiokonsortium DIGITAL fünf zusammengeschlossen, um 2009 mitzumachen. „Das wird ein richtiger Paukenschlag“, hofft der Chef von Radio/Tele FFH, Hans-Dieter Hillmoth.

Die neue Technik DAB plus - DAB steht für Digital audio Broadcasting - soll in einem Kanalblock (Multiplex) bis zu 15 bundesweite Hörfunkprogramme oder spezielle Zusatzdienste möglich machen. In zwei weiteren Blöcken stünden 25 bis 30 landesweite Programme zur Verfügung. Im UKW-Netz sind die Frequenzen derzeit längst erschöpft. „Wir wollen einer der großen „Player“ werden“, hat Hillmoth als Devise für DIGITAL fünf ausgegeben. Unter der Federführung der Hessen sind daran auch Antenne Bayern, Radio Hamburg, radio ffn und Hit-Radio Antenne Niedersachsen beteiligt.

Allerdings war die Branche in Sachen Digitalradio schon vor einigen Jahren einmal höchst euphorisch. Doch das DAB-Radio, das vor allem für Autoradios bis zum Jahr 2010 hätten kommen sollen, wurde zum großen Flop. Die Konsumenten hatten kein Interesse, und Hörfunkbetreiber sowie Gerätehersteller gaben sich gegenseitig die Schuld am Stillstand. Lähmend wirkte sich dabei auch der Kompetenz-Wirrwarr in der deutschen Medienpolitik aus.

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