Durchschnittsumsätze japanischer Mobilfunkkunden sinken trotz Zuspruchs für Datendienste
KPN kommt mit I-Mode nur mühsam voran

Für Ad Scheepbouwer, Chef des niederländischen Telekomkonzerns KPN, zeichnet sich die erste Schlappe ab: Eine Millionen Kunden will er am Ende des Jahres für seinen mobilen Internetdienst I-Mode vorweisen, 353 000 Nutzer waren es Ende Juni. Bisher hat Scheepbouwer - seit knapp zwei Jahren an der Spitze von KPN - seine Ziele erreicht oder sogar übertroffen. Bei I-Mode könnte es nun nach Ansicht von Experten eng werden.

TOKIO/DÜSSELDORF. Vor mehr als einem Jahr haben die KPN-Mobilfunktöchter - darunter die deutsche E-Plus - das Multimedia- Angebot auf den Markt gebracht. I-Mode, ursprünglich von dem japanischen Mobilfunkkonzern NTT Docomo entwickelt, besteht aus einer Vielzahl mobiler Dienste und einem speziellen Mobiltelefon, über das die Inhalte schneller und bequemer abrufbar sind als über normale Handys. Inzwischen haben auch andere Mobilfunkbetreiber ein ähnliches Angebot - allen voran der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone ab Oktober 2002 mit "Vodafone live".

Mit I-Mode & Co. verfolgt die Branche ein Ziel: Sie will den Kunden mobile Datendienste näher bringen und damit ihre Umsätze steigern - bisher mit wenig Erfolg, urteilen Analysten von UBS in einer Studie. Selbst in Japan und Südkorea, wo Multimediaangebote den Mobilfunkgesellschaften signifikante Umsätze bringen, sei der Wachstumsschub insgesamt sehr verhalten ausgefallen, schreiben die Experten.

In Japan nutzen 39 Millionen Menschen I-Mode. Mit den Multimediaangeboten machen sie ein Viertel ihres durchschnittlichen Monatsumsatzes. In Europa liegt der Datendienstanteil am Umsatz eines Mobilfunknutzers teilweise noch deutlich unter 20 %. Trotz des Zuspruchs der Japaner für I-Mode sinken insgesamt die durchschnittlichen Monatserlöse eines solchen Kunden. Denn sinkende Gesprächsausgaben fressen die Zuwächse beim Datenverkehr auf. Ähnlich geht es dem japanischen Konkurrenten KDDI. Analysten erklären dies mit der zunehmenden Verbreitung von Internet-Telefonie in Japan. Dies sei günstiger, so dass Japaner einen Teil ihrer Handy-Gespräche ins Festnetz verlagern.

Nach Angaben von E-Plus fällt die Rechnung eines I-Mode-Nutzers etwa sechs Euro höher aus als die anderer Kunden. Die für die Branche wichtige Kennzahl - durchschnittlicher Kundenumsatz pro Monat - hat sich für E-Plus aber nicht verbessert. Sie blieb bei 24 Euro. Ende Juni hatte E-Plus 190 000 I-Mode-Abonnenten.

Die E-Plus-Mutter KPN ist zuversichtlich, die Marke von einer Millionen I-Mode-Kunden bis zum Jahresende zu erreichen. Man habe inzwischen das Preissystem und die Handy-Auswahl verbessert. Zudem gehe der Konzern jetzt auch andere Marktsegmente mit I-Mode an und adressiere potenzielle Kunden, die ein Handy mit Guthabenkarte wollen, sagte KPN-Finanzchef Maarten Henderson. Bisher gab es das I-Mode-Abo nur mit einem Zwei-Jahres-Vertrag.

Als entscheidend für den Erfolg von Diensten wie I-Mode sehen Branchenkenner aber noch andere Faktoren an. "Die Netzbetreiber müssen in einem noch stärkeren Maße Einfluss nehmen auf Endgeräte und Dienste und die stärker aufeinander anpassen - und sich mehr um exklusive Inhalte bemühen, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden", fordert Roman Friedrich, Telekomexperte bei Booz, Allen, Hamilton.

Die Mobilfunker brauchen Datendienste als weitere Umsatzquelle, damit sich ihre Ausgaben in die neue Technik UMTS auszahlen. Die Unternehmen haben die Einführung dieses Standards, der das mobile Surfen schneller machen soll, mehrmals verschoben, denn sie hatten die technischen Probleme unterschätzt. KPN kündigte am Freitag an, E-Plus werde Mitte März 2004 mit UMTS starten.

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