DVB-H kontra DMB
Handy-TV-Lizenz lässt auf sich warten

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten vertagt ihre Entscheidung auf Oktober. Die rechtliche Lage in Deutschland ist weiter ungeklärt.

DÜSSELDORF. Die Lizenzvergabe für mobiles Fernsehen verzögert sich weiter. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) teilte nach ihrer Sitzung am Dienstag mit, man habe das „Für und Wider einzelner Plattformmodelle und die Belegung der entsprechenden Kapazitäten“ erörtert. Die Ergebnisse daraus würden nun den 29 Bewerbern mitgeteilt, die noch einmal schriftlich Gelegenheit erhielten, dazu bei den 14 Landesmedienanstalten Stellung zu nehmen. Am 16. Oktober will die DLM in einer Sondersitzung eine Empfehlung aussprechen, der dann noch die Landesmedienanstalten folgen müssen. „Ziel ist es unverändert, eine Entscheidung der Organe der Landesmedienanstalten im Herbst 2007 zu erreichen, damit Handy-TV im DVB-HStandard wie geplant zur Fußball-Europameisterschaft 2008 starten kann“, teilte die DLM mit.

Hintergrund des nun schon Jahre dauernden Vergabeprozesses ist eine rechtlich ungeklärte Situation. „Es gibt keine sichere rechtliche Grundlage für die Prozesse, weil es ein Novum in Deutschland ist, dass Sendekapazitäten an einen Plattformbetreiber vergeben werden und nicht wie bislang an einen Inhalteanbieter“, erklärt Michael Schmid von der Strategieberatung Goldmedia. Deshalb müsse die Lizenzvergabe in den meisten Ländern als Pilotversuch laufen. „Das Problem ist, dass diejenigen, die bei der Vergabe leer ausgehen, gegen die Entscheidung klagen können und das würde den ganzen Prozess erneut verzögern.“ Deshalb versucht die DLM nun, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten leben können. Bei den Gesprächen geht es um zahlreiche Details wie die Frage, wer wie viele Programme erhält, wie viele Sender der Plattformbetreiber selbst belegen darf oder wie die Vermarktung geregelt sein soll.

Ein weiterer Grund für die Verzögerung war ein Streit um den Standard. Noch gibt es zwei konkurrierende Modelle. Das mobile Fernsehen Deutschland (MFD) hat bislang zusammen mit den Mobilfunkanbietern Debitel und Mobilcom die Variante des Digital Multimedia Broadcasting (DMB) genutzt, eine Weiterentwicklung des digitalen Hörfunks DAB. Die drei deutschen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und O2 haben sich dagegen dem Standard DVB-H verpflichtet, eine Erweiterung des digitalen terrestrischen Fernsehens. Auch die EU will DVB-H zum europaweiten Standard für Handy-TV machen.

Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Lizenz sind zurzeit das Konsortium von T-Mobile, Vodafone und O2 sowie das Joint Venture aus MFD und Neva Media, hinter denen der Hubert Burda Media und die Verlagsgruppe von Holtzbrinck steht, zu der auch das Handelsblatt gehört.

Wer die Lizenz besitzt, entscheidet darüber, welche Programme über das mobile Fernsehen laufen. Wegen der kleinen Bildschirme der Handys ist es sinnvoll, nicht nur das normale Fernsehprogramm über die Mini-TVs laufen zu lassen, sondern eigene Formate zu entwickeln. Erste Umsetzungen gibt es heute schon – so bietet etwa die Tagesschau seit Mitte Juli ein 100-Sekunden-Format ihrer Nachrichtensendungen. Robert Redford hat in seinem „Sundance Film Institute“ mehrere fünfminütige Kurzfilme eigens für Handys gedreht.

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen aber, dass Nutzer ihr Mobiltelefon auch oft nutzen, um den Anfang oder das Ende eines regulären Spielfilms anzugucken, wenn sie gerade unterwegs sind. Das Thema Unterhaltung dominiert die Nutzung des mobilen Fernsehens – Informationen über das Wetter oder Nachrichten lassen sich schließlich auch über das mobile Internet beziehen. Vorreiter beim Handy-TV sind wie bei anderen Innovationen auch die technikbegeisterten Südkoreaner und Japaner, aber auch in Italien gibt es bereits 600 000 mobile Fernsehzuschauer.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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