Experten
Viele Handymodelle lassen sich per SMS lahmlegen

Nokias im Jahr 2008 entdeckter Curse-of-Silence-Angriff ist kein Einzelfall. Fast alle Handyhersteller haben Probleme mit Fehlern beim Umgang mit SMS. Abstürze und unbrauchbare Handys sind die Folge. Das haben Hacker auf dem Chaos Communication Congress in Berlin gezeigt.
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BERLIN. Auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Clubs, 27C3, haben Collin Mulliner und Nico Golde Angriffswege dargelegt, die Potenzial für großes Unheil haben. Verantwortlich dafür sind zahlreiche Fehler in besonders günstigen sogenannten Feature Phones. Das sind Handys mit MP3-Player-Funktion oder einem einfachen Browser. Während ihrer Forschungsarbeiten haben Mulliner und Golde rund 120.000 Kurzmitteilungen per SMS verschickt und sind so auf genug Fehler per Fuzzing gestoßen, um ganze Handyreihen auszuschalten. Betroffen ist praktisch jeder große Hersteller von Mobilfunktelefonen.

Die beiden Sicherheitsforscher der TU-Berlin haben sich auf einfache Handys konzentriert, weil dort das größte Potenzial liegt. Sie sind billig und die Mehrheit der Nutzer weltweit setzen auf solche mobilen Telefone. Smartphones sind im Vergleich zu dieser Art von Handys kaum verbreitet.

Die Auswirkungen der Angriffe sind teils drastisch. Sofortige Abbrüche eines Telefongesprächs oder gar Netzabbrüche sind die Folge. Einige Handys zeigen einen White Screen of Death oder starten sich neu. Manchmal wird die SMS-Behandlung gleich komplett ausgesetzt, bis die unangenehme Kurzmitteilung aus dem Gerät gelöscht wurde. Das setzt allerdings voraus, dass die SMS-Anwendung diese Mitteilung auch anzeigt. In einigen wenigen Fällen gelang es, über den Angriff ein Telefon komplett außer Gefecht zu setzen.

Problematisch sind Angriffe, bei denen das Telefon den Empfang einer Schad-Kurzmitteilung gar nicht erst dem Netzbetreiber meldet. Das Handy stürzt ab, startet neu und bekommt vom Netzwerk erneut die angeblich nicht zugestellte Kurzmitteilung neu zugesandt. Der Nutzer selbst kann sich so gar nicht schützen, da er nur nach einer Empfangsbestätigung keine weiteren Mitteilungen dieser Art bekommen würde. Der einzige Weg, das Problem zu lösen, wäre das Entfernen des SIM-Karte und das Einsetzen in ein anderes, nicht anfälliges Mobiltelefon. Vorausgesetzt, der Anwender bekommt überhaupt den Empfang einer Kurznachricht mit. In vielen Fällen bleiben diese Angriffe unbemerkt, da die SMS-Anwendung gar keinen Empfang anzeigt.

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