Fahrscheine für den Nahverkehr
Ticketkauf per Handy

Wie komme ich an mein Ticket ohne den täglichen Kampf mit einem Automaten, der nach unzähligen Bedienschritten zuweilen verkündet, dass es das gewünschte Ticket nicht gibt? Die Lösung: Nahverkehrsfahrscheine per Mobiltelefon kaufen. Doch einiges am Handy-Ticket lässt sich noch verbessern.
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„Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe Fahrkarte!" Der Gruß auf dem Monitor gilt jedoch nicht der Karte, sondern demjenigen, der sein Ticket für den Nahverkehr per Handy kauft. Unter » www.dashandyticket.de könnte die Lösung für ein Problem zu finden sein, das täglich Millionen plagt: Wie komme ich an mein Ticket ohne den täglichen Kampf mit einem Automaten, der nach unzähligen Bedienschritten zuweilen verkündet, dass es das gewünschte Ticket nicht gibt.

Offen steht der Weg zum Handy-Ticket derzeit rund 13 Millionen Menschen in elf Regionen, darunter den Benutzern öffentlicher Nahverkehrsmittel in Düsseldorf, Hamburg, Ulm, Dresden und in der Oberlausitz. Gestartet wird auf der Web-Site der jeweiligen Verkehrsbetriebe, wo zunächst einige persönliche Daten abgefragt werden sowie die Kreditkartennummer. Mit Test-Handy Nummer zwei - das erste verweigerte den Dienst, weil es falsch konfiguriert war - scheint sich der Erfolg auf Anhieb einzustellen. Ruck, zuck erhalte ich Zugang zu dem Java-Programm, das ich zum Buchen des Handy-Tickets benötige. Doch beim Download der Software kommt die ernüchternde Meldung: „Ihr Handy wird leider nicht unterstützt." Der Vodafone-Berater, den ich um Rat frage, weiß warum: „Es ist zu neu. Darauf ist der Handy-Ticket-Service noch nicht eingestellt." Was ich tun könnte? "Nichts", sagt der Berater und tröstet mich: "Das passiert ziemlich oft."

Also: Wer ein zu altes Handy hat, hat schlechte Karten. Ebenso, wer ein ganz neues hat. Oder einen Persönlichen Digitalen Assistenten, der Java nicht drauf hat. Eine Liste der Handys und PDAs, die für den Ticketkauf geeignet sind, gibt es nicht. Mit dem dritten Telefon klappt es endlich. Das Programm wird in Sekundenschnelle übermittelt und ebenso schnell auf dem Handy installiert. Dem Ticketkauf steht nun nichts mehr im Weg. Fairerweise erscheint beim Klick auf „Ticketerwerb" der Hinweis, dass gleich von Anfang an Gebühren für die Internet-Verbindung anfallen. Für den, der nicht weiß, welches Ticket er benötigt, wird es noch teurer. Er muss die Feinheiten per Handy und Internet herausfinden, wobei ihm die Handy-Ticket-Software allerdings behilflich ist. Derzeit lassen sich nur bestimmte Tickets kaufen, und auch nur für den aktuellen Tag. Tickets für Kinder gibt es ebenso wenig wie S-Bahn-Fahrkarten für die 1. Klasse.

Das Angebot ist in den elf angeschlossenen Tarifgebieten unterschiedlich. In Düsseldorf gibt es nur Stadt-, in Lübeck nur Tagestickets. Im Raum Dresden ist die Eingabe des Orts nötig, wobei das Programm nicht nach „Ort" fragt, sondern kurioserweise nach „Name". Als ich, was nicht ganz unlogisch, aber dennoch falsch ist, meinen Namen eingebe, schlägt das Programm den Kauf eines Tickets in Kamenz vor. Ich lehne ab und entscheide mich für Dippoldiswalde. Das gerade erworbene Ticket erscheint als Code aus Zahlen und Buchstaben auf dem Display, auf Wunsch auch in Langfassung. Lesbar ist nur das täglich wechselnde Schlüsselwort, das am Testtag einheitlich „Besen", am Tag danach „Biene" hieß. Nur dieses Wort interessiert den Schaffner im Zug, den Busfahrer oder den Kontrolleur - sofern sie überhaupt wissen, was ein Handy-Ticket ist. Eine komplette Identifizierung, bei der der komplexe Code eingegeben werden muss, ist ihnen meist zu lästig. Vieltelefonierer sollten sich vorsehen: Ein Ticket auf einem Handy mit leerem Akku gilt als nicht existent, weil es für einen Kontrolleur nicht sichtbar ist.

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