Galaxy Note 8 von Samsung
Acht-Punkte-Check fürs Comeback

Es war eine große Krise für Samsung: Vor einem Jahr gerieten Note-7-Smartphones in Brand und hinterließen Brandflecken auf dem Image. Nun wagt der Konzern mit dem Note 8 einen Neuanfang – und setzt auf Sicherheit.
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LondonEin Bildschirm ohne Rand, eine Kamera mit optischem Zoom, dazu eine Entsperrfunktion mit Irisscanner: Bei der Vorstellung des Note 8 wartet Samsung mit einigen branchentypischen Superlativen auf. Doch an einer Stelle wird deutlich, dass es sich nicht um irgendein Smartphone handelt: Der Akku des Gerätes habe die „strenge Acht-Punkte-Batterie-Sicherheitskontrolle bestanden“, erklärt der Konzern.

Nun gilt eine sichere Stromzufuhr allgemein nicht als Feature, sondern als Selbstverständlichkeit. Doch Samsung und das Note 8 stehen unter besonderer Beobachtung: Der Konzern stellte das Vorgängermodell Note 7 im vergangenen Jahr wegen Brandgefahr ein. Die Schlagzeilen gingen um die Welt: Selten hat ein Konzern – Marktführer noch dazu – ein wichtiges Produkt vollständig zurückgezogen.

„Samsung war noch nie in so einer Krise“, sagte Spitzenmanager DJ Koh, der bei Samsung Electronics für die mobilen Geräte zuständig ist, jetzt in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Drum gilt die Devise: Safety first. Für die Nutzer, für ein wichtiges Produkt und für den Ruf des gesamten Konzerns.

Auch ohne den Sicherheitscheck hat das Gerät einiges aufzuweisen. Wie beim Galaxy S8 hat Samsung beim Note 8 den Rahmen fast verschwinden lassen, so dass mehr Platz für den Bildschirm ist – „Infinity Display“ nennt das der Hersteller. Trotz des großen Formats von 6,3 Zoll lässt sich das Phablet – wie die Riesen-Smartphones in der Branche genannt werden – noch bequem mit einer Hand halten. Die große Fläche ist beispielsweise bei Videos und Fotos von Vorteil. Zudem hat das Unternehmen eine neue Funktion entwickelt, mit der sich zwei Apps nebeneinander starten lassen: Whatsapp und Youtube, Navigation und Musik, E-Mails und Kalender.

Das Multitasking zeigt es: Samsung vermarktet das Note 8 als Werkzeug für Wissensarbeiter. So hat die Modellreihe einen Stift, den das Unternehmen S Pen nennt. Nutzer können damit Skizzen und Notizen machen, und künftig auch animierte Kritzeleien für die Versand über Chat-Programm. Im Vergleich zu Vorgängermodellen soll die Spitze feiner und druckempfindlicher sein. Zudem gibt es eine Dockingstation als Zubehör: Steckt man das Smartphone hinein, lassen sich die Apps mit Tastatur und Maus nutzen. Einige Anwendungen sind auch für das breite Bildschirmformat optimiert worden.

Bei Premium-Smartphones spielt die Fotografie eine wichtige Rolle. Das Note 8 ist das erste Gerät von Samsung mit Doppelkamera, ,es hat ein Weitwinkelobjektiv und ein Teleobjektiv. Die Software setzt deren Fotos zusammen, etwa für Porträts mit verschwommenem Hintergrund, wie man es bereits vom iPhone 7 kennt. Die Tiefenschärfe lässt sich übrigens auch nach der Aufnahme noch verändern. Beide Objektive haben eine Auflösung von zwölf Megapixel und verfügen über optische Bildstabilisierung, um – gerade bei schlechten Lichtverhältnissen – Wackler zu vermeiden.

Wie gut das Gerät wirklich ist, werden erst ausführliche Tests zeigen. Es ist indes davon auszugehen, dass Samsung alles für den Erfolg Note getan hat. Denn die Smartphones mit großem Bildschirm, in der Branche mangels eines besseren Namens Phablets genannt, sind eine wichtige Produktkategorie. Der koreanische Konzern erfand das Konzept 2011 und verkaufte seitdem Millionen Geräte. Das Format ist in Asien sehr beliebt, zunehmend aber auch in der westlichen Welt. Und gerade im Premiumsegment verdienen die Hersteller gutes Geld: Das Note 8 beispielsweise kommt zu einem happigen Preis von rund 1000 Euro auf den Markt.

Das Format einzustellen oder zumindest den Namen zu wechseln, kam für Samsung daher nicht infrage – der Konzern brachte sogar in Asien eine überarbeitete Version des Note 7 als „Fan Edition“ auf den Markt. „Es gibt viele Kunden, die das Note lieben“, sagt DJ Koh. Es ist eine Beobachtung, die Marktforscher nicht ganz so enthusiastisch formulieren, aber grundsätzlich teilen: So hat die Analysefirma Creative Strategies erhoben, dass 63 Prozent der Note-7-Nutzer in den USA ein Note 8 kaufen würde, weitere 24 Prozent es immerhin nicht ausschließen.

Nicht zuletzt geht es um den Ruf des Konzerns. „Wenn auf allen Flügen durchgesagt wird, dass die Passagiere ihre Note-7-Geräte abgeben müssen, ist das extrem negative Werbung“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. „Es hat einige Zeit gedauert, bis Samsung mit dem Problem transparent umgegangen ist.“ Inzwischen behandle der Konzern das Thema aber sehr offensiv, etwa mit dem Sicherheitscheck für Akkus. Die Chancen, dass die Note-7-Krise keine Brandflecken auf dem Image hinterlässt, stehen daher gar nicht schlecht. „Die Konsumenten vergessen schnell – das ist vielleicht noch wichtiger als die Aufarbeitung“, sagt Analystin Zimmermann. „Jetzt darf nur nichts schiefgehen.“

Die Konkurrenz ist in diesem Herbst allerdings groß. So wird Apple im September Gerüchten zufolge gleich drei neue iPhone-Modelle vorstellen, darunter sicher eines in Übergröße. Und der chinesische Hersteller Huawei baut konkurrenzfähige und erschwingliche Geräte, die mit Samsung-Produkten konkurrieren.

Eine andere Krise ist indes längst nicht ausgestanden: Die Führung des Konzerns sieht sich massiven Vorwürfen ausgesetzt. Am Freitag wird in Seoul ein Gericht entscheiden, ob inhaftierte Samsung-Erbe Lee Jae-yong wegen Korruption, Veruntreuung und Falschaussage weiter im Gefängnis bleiben muss. Die Sonderermittler in dem Korruptionsskandal, der im März zur Amtsenthebung von Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye führte, fordern zwölf Jahre Haft. In diesem Fall hilft auch keine Checkliste mehr.

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