Gestörte Nachtruhe

So bringt uns das Smartphone um den Schlaf

Sollen wir das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen, weil es uns um die erholsame Nachtruhe bringt? Schlafforscher und Mediziner haben da eine differenzierte Meinung. Was die Experten raten.
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Für Menschen, die Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen haben, ist die Handynutzung im Bett nicht unbedingt förderlich. Foto: Christin Klose Quelle: dpa
Schlafkiller Handy

Für Menschen, die Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen haben, ist die Handynutzung im Bett nicht unbedingt förderlich. Foto: Christin Klose

(Foto: dpa)

Lesen im Kerzenschein, neben sich Kuscheltier, Partner oder Katze, auf dem Nachtkästchen ein Wecker. Das war einmal. Heute sind Abendlektüre, Sozialkontakt, Einschlafhilfe und Wecker vereint im Smartphone. Aber sind die allgegenwärtigen Begleiter auch die perfekten Bettnachbarn?

Zweifel sind angebracht. Denn genau wie im restlichen Alltag sind Smartphones nachts nicht nur praktisch, sondern sie können auch Probleme mit sich bringen.

„Smartphone-Aktivitäten vor dem Einschlafen stehen der Entspannung entgegen, die das Einschlafen fördert”, betont Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Auch das Einschlafen im Bewusstsein, jederzeit über das Smartphone erreichbar zu sein, kann sich negativ auf die Schlafqualität auswirken.”

Zehn Dinge, die uns den Schlaf rauben
Handynutzung in der Freizeit
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Trennung von Arbeit und Freizeit: Abends noch schnell E-Mails für die Arbeit beantworten oder selbst im Urlaub ständig erreichbar sein: Die technischen Möglichkeiten, auch außerhalb des Büros zu arbeiten, lassen die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. Das hindert daran, den Kopf frei zu bekommen und entspannt einschlummern zu können.

Cybermobbing
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Aktivierung statt Entspannung beim Internet-Surfen: PCs und Smartphones verändern unser Freizeitverhalten: Statt vor dem Einschlafen ein Buch zu lesen oder Fernzusehen – und dabei passiv Informationen aufzunehmen – surfen Menschen zunehmend im Internet. Doch beim Online-Shopping, E-Mail-Verkehr, Facebook-Chats oder Online-Spielen  muss das Gehirn sehr viele Informationen verarbeiten. Dabei wird es eher aktiviert als auf den Schlaf vorbereitet zu werden.

Es kann helfen, die Hintergrund-Beleuchtung der Displays zu dimmen, um sich auf die anstehende Nachtruhe einzustellen. Außerdem sollte nicht im Schlafzimmer gesurft werden, um den Raum gedanklich nicht mit Aktivität in Verbindung zu bringen. Eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte man komplett auf PCs, Smartphones und Co. verzichten.

Frauenquote
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Zu viel Stress: Stressige Lebensphasen wühlen den Körper auf, und machen es nachts schwieriger, einzuschlafen. Um so wichtiger ist es, für Entspannung zu sorgen.

Gesellschaft der Angst
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Die Angst vor Schlafstörungen verstärkt sie nur: Je mehr man sich Gedanken um die Schlafstörungen macht, desto stärker fördert man sie. So wird die Angst zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Da man denkt, in der Nacht nicht einschlafen zu können, stellt sich der Körper auf diesen Zustand ein – und man bekommt tatsächlich kein Auge zu.

Geldstrafe für Paar wegen zu lautem Sex
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Unruhiger Schlaf kann zur Gewohnheit werden: Wenn Menschen lange Zeit einen unruhigen Schlaf haben, etwa weil sie gerade ein Kind bekommen haben, wird dieser Zustand für den Körper irgendwann zur Gewohnheit. So können Menschen auch Jahre nachdem ihr Baby das letzte mal nach der Flasche geschrien hat, immer noch unruhig schlafen. Dagegen kann eine Verhaltenstherapie helfen.

Milch weitgehend frei von verbotenen Stoffen
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Es fehlt ein Einschlafritual: Menschen sollen über ihre Schlafprobleme nicht grübeln, sondern ihr Verhalten ändern. Ein Einschlafritual kann helfen. So stellt etwa die obligatorische Tasse Tee oder Milch den Körper darauf ein, dass nun Schlafenszeit ist.

Vollmond
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Innere Uhr passt nicht mit den Tageszeiten zusammen: Manche Menschen können einfach nicht vor drei Uhr morgens einschlafen, weil sie Nachteulen sind. Bei ihnen passt die innere Uhr nicht mit dem regulären Tag-Nacht-Rhythmus zusammen. Die Schlafstörungen, die dadurch entstehen, kennen Menschen ohne dieses Problem, etwa bei einem Jetlag oder während Schichtarbeit. Der Besuch bei einem Arzt kann helfen, gegen diese Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen zu arbeiten.

Das heißt nicht, dass jeder, der unter der Decke noch eine Runde „Candy Crush Saga” spielt, schlecht schläft. Doch für Menschen, die sowieso Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen haben, ist die Handynutzung im Bett nicht unbedingt förderlich.

Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin, erklärt es so: „Es ist wie beim Nachtdienst: Wenn jemand ein schlechter Schläfer ist, denkt er immer, er muss gleich raus.”

Blaues Licht wirkt schlafhemmend

Ein Übeltäter, der in der Diskussion immer wieder ins Spiel gebracht wird, ist das blaue Licht des Bildschirms. „Blaues Licht blockiert die Ausschüttung des Einschlafhormons Melatonin und daher den Schlaf”, erklärt Wiater. Sein Kollege Fietze ist da skeptischer: Es gebe bisher keine eindeutigen Studien zum Thema. „Wie nahe muss man das Ding vor die Nase halten, damit man zu viel blaues Licht abbekommt?” Diese Frage sei noch nicht geklärt.

Wer dem Geflimmer nicht traut, kann passende Software installieren: Apps wie „Night Shift” oder „Twilight” filtern die bläulichen Anteile des Lichts heraus, der Bildschirm erscheint dann eher orangefarben.

Darüber hinaus gibt es rund um das Schlafen weitere Spielereien: „Es gibt eine Wecker-App, „Wakie”, bei der man von wildfremden Menschen geweckt wird”, berichtet Jan-Keno Janssen vom Computermagazin c't. Apps wie „Awoken”, „Lucid Dreamer” oder „Shadow” versprechen, dem Schlafenden zu mehr Kontrolle über seine Träume zu verhelfen.

Schlaftracking-Apps sollen dafür sorgen, dass Nutzer ihrem Verhalten in der Nacht ein wenig näher kommen. Schnarchen und Selbstgespräche können damit aufgezeichnet werden. Janssen hält solche Apps allerdings für deutlich ungenauer als speziell dafür entwickelte Hardware oder einen Aufenthalt im Schlaflabor.

Das Smartphone gehört nicht ins Bett
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2 Kommentare zu "Gestörte Nachtruhe: So bringt uns das Smartphone um den Schlaf"

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  • GESTÖRTE NACHTRUHE
    So bringt uns das Smartphone um den Schlaf
    Sollen wir das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen, weil es uns um die erholsame Nachtruhe bringt? Schlafforscher und Mediziner haben da eine differenzierte Meinung. Was die Experten raten.

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    Früher hatte man eine Regel für das Telefonieren gehabt :

    Ab 20 Uhr mit der Tagesschau da ruft man niemanden mehr an !


    ABER heute...da ruft man rund um die Uhr an.

    UND selbst in der DISCO da ging man früher hin um zu Tanzen und um Spass zu haben.
    Heute geht man zur DISCO um mit dem Teuersten Handy in der Hand seine E-Mails ab zu lesen.

    Ob es besser wird in dieser Welt des Alles haben wollen ???

    :-)))



  • Ralph S.25.08.2016, 12:45 Uhr
    Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme.

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