Gute operative Ergebnisse geben Branche Auftrieb
Mobilfunker zaudern bei UMTS

Erstmals seit drei Jahren geht es in der Mobilfunk-Branche wieder bergauf, die Zeit ist reif für UMTS, so scheint es. Doch die Kinderkrankheiten bei der neuen Technik sind noch längst nicht ausgemerzt.

HB DÜSSELDORF. Jetzt greift auch Deutschlands bekannteste Ich-AG der gebeutelten Mobilfunkbranche unter die Arme: Dieter Bohlen hat Klingeltöne für das Mobiltelefon komponiert, Sprüche für mobile Anrufbeantworter und Grüße von Handy zu Handy mit seiner Fistelstimme kreiert. In erster Linie macht Dieter Bohlen mit seinen Ideen zwar Werbung für Müllermilch. Doch jedesmal, wenn jemand eines der Bohlen-Produkte bestellt, klingelt es auch in den Kassen der Mobilfunkgesellschaften.

Klingeltöne, kurze Text- und Bildnachrichten (SMS und MMS), Logos für das Handy-Display und Spiele, Spiele, Spiele – das ist heute das, was in erster Linie unter den etwas großspurigen Begriff mobile Datendienste fällt. Videokonferenzen und die viel beschworenen Anwendungen für die Geschäftskunden, die alles billiger und effizienter machen sollen, lassen noch etwas auf sich warten. Auf SMS & Co. ruhen daher bisher die Hoffnungen der Mobilfunkbranche, wenn es um künftiges Wachstum geht.

Mehr als 100 Mrd. Euro haben Vodafone, T-Mobile & Co. in Europa für UMTS-Mobilfunklizenzen ausgegeben, weitere Milliarden fließen in den Aufbau der neuen Netze. Daher müssen mobile Datendienste her, um die Ausgaben wieder hereinzuholen und die Umsätze anzukurbeln. Denn neue Kunden gibt es nicht mehr in Massen. Schließlich haben in Westeuropa 80 Prozent der Menschen bereits ein Mobiltelefon.

„Die Branche ist daher jetzt in einer entscheidenden Phase. Die Zeit der exorbitanten Wachstumsraten ist vorbei. Was als Nächstes kommt, ist unsicher“, schreiben Analysten von UBS in einer jüngst erschienen Studie. Fraglich sei vor allem, ob sich die Hoffnungen erfüllen, die die Branche an Multimedia-Dienste knüpft. Einen Starttermin für die neue UMTS-Technik, die dem mobilen Internet den Kick geben soll, wollen die Unternehmen inzwischen gar nicht mehr nennen – nachdem sie inzwischen zurückruderten und den Start von Mal zu Mal verschoben. Denn noch immer sind die UMTS-Kinderkrankheiten nicht kuriert.

In den vergangenen Wochen haben die Unternehmen immerhin einige gute Nachrichten verbreitet und die Branchenexperten mit positiven Zahlen für das laufende Geschäft überrascht. Dazu gehörte Orange. Die Tochter von France Télécom legte beim operativen Gewinn im ersten Halbjahr um mehr als 40 % zu und bescherte damit dem Mutterkonzern gute Ergebnisse. Ähnlich geht es Telefónica. Die Mobilfunktochter Telefónica Móviles gab dem spanischen Telekomunternehmen Auftrieb. Der Sparkurs der vergangenen Monate zeigte bei einigen Konzernen ebenfalls Wirkung, und die durch die UMTS-Auktionen angewachsenen Schuldenberge sinken kontinuierlich, so dass Analysten der Branche nach drei Krisenjahren wieder gute Noten ausstellen. „Die Lage hat sich fundamental verbessert“, heißt es in einer Studie von ABN Amro. Die Rating-Agentur Standard & Poor schreibt: „Durch eine konservative Strategie haben die Konzerne ihre Risiken deutlich minimiert.“

Gute Nachrichten – zumindest auf den ersten Blick – verbreitete der weltweit größte Mobilfunker Vodafone auch zum Thema Datendienste. Der Konzern verkündete 1,75 Millionen Kunden für sein mobiles Internet-Portal Vodafone live – einem Wegbereiter für UMTS. Welchen Umsatz die Dienste von Vodafone Live bringen, das hat die Mobilfunkgesellschaft allerdings nichts veröffentlicht.

Klar ist bisher nur soviel: Multimedia-Dienste – und da vor allem SMS – tragen in der Regel 13 bis 18 Prozent zum Umsatz eines Mobilfunkers bei. Deutlich mehr als 20 Prozent sollen es sein – wenn UMTS kommt und das mobile Internet schneller und bequemer wird, so die Vorstellung in der Branche.

Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg: In Österreich, Italien und Großbritannien, wo bereits die Technik gestartet ist, stöhnen die ersten Kunden über instabile Netze, hohen Stromverbrauch, Verbindungsabbrüche und Hitzeentwicklung der Zukunftshandys. Um dennoch Nutzer für die derzeit noch unausgereifte Technik anzuwerben, haben die Netzbetreiber – die europäischen Töchter des Hongkonger Konzerns Hutchison Whampoa – einige Prinzipien über Bord fallen lassen: Sie subventionieren die Endgeräte aggressiver als ursprünglich angekündigt und senken auch immer wieder die Gesprächsgebühren. Noch habe dies keinen Preiskampf ausgelöst, sagen Analysten von Credit Suisse First Boston, aber dies sei nicht ausgeschlossen. Die Telekomexperten von UBS sehen das Ganze als eine größere Gefahr: Die Strategie von Hutchison werde weit reichende Implikationen für die Branche haben, denn die Unternehmen müssten auf die Preissenkungen reagieren und würden damit wohl ihre Margen aufs Spiel setzen.

Die UMTS-Pioniere wie Hutchison haben bisher keine Kundenbasis in Europa. Um diese frühzeitig aufzubauen, haben sie die Startschwierigkeiten in Kauf genommen. Bei den etablierten Gesellschaften heißt es dagegen: „Unsere Kunden sollen keine Versuchskaninchen sein“, wie zum Beispiel Timotheus Höttges sagt, Chef von T-Mobile Deutschland. „Erst wenn unsere Qualitätskriterien erfüllt sind, werden wir loslegen.“ Inzwischen gilt Anfang 2004 in der Branche als wahrscheinlicher Starttermin.

Parallel zu UMTS investieren die Mobilfunker im größeren Stil in WLAN-Technik. Das Kürzel steht für schnurlose schnelle Internet-Zugänge über Funk – vorzugsweise in Hotel-Lobbys, an Flughäfen und in Restaurants. Diese Technik kann es in Sachen Tempo problemlos mit UMTS aufnehmen, ist jedoch billiger. Die Unternehmen beteuern immer wieder, WLAN sei eine Ergänzung zum UMTS-Standard. Analysten sind da jedoch skeptischer: Vor allem die Hardcore-Internetsurfer würden WLAN vorziehen, heißt es in einer UBS-Studie.

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