Handelsblatt-Tagung
Telefonieren wird noch billiger

Die deutschen Telekommunikationsfirmen stellen sich auf eine neue Preisrunde ein: "Wir gehen davon aus, dass der Preisdruck weiter zunehmen wird", sagte der Vorstandschef der Deutsche Telekom, René Obermann, am Dienstag in Düsseldorf auf der Handelsblatt-Tagung "Telekommarkt Europa". Die Kunden dürfen sich freuen, die Mitarbeiter weniger.

HB DÜSSELDORF. Der Konzern hatte seine Tarife für Breitbandanschlüsse in der vergangenen Woche bereits deutlich gesenkt, woraufhin auch einige Wettbewerber nachzogen. Für den August kündigte Obermann neue Preisschritte an, mit denen die Nachfrage so genannte "Triple-Play"-Angeboten (Telefonie, Internet, Unterhaltungsinhalten) verstärkt werden soll. Für den Sommer plant die Telekom zudem die Einführung einer Billigmarke, mit der im Niedrigpreissegment Kunden gewonnen werden sollen.

Auch für den Mobilfunkbereich rechnet die Branche mit weiteren Tarifsenkungen: "Im deutschen Markt ist die Preisreduktion am stärksten", sagte der Deutschlandchef von Vodafone, Friedrich Joussen. Mittlerweile sei das Niveau unter dem von Großbritannien, Frankreich und Italien angekommen. Der Vorstandsvorsitzende von E- Plus, Thorsten Dirks, sieht einen Trend zu Pauschaltarifen. "Alle Tarife werden zu Flatrates werden", sagte er. Auch unabhängige Experten erwarten, dass die Kunden in einigen Jahren einen festen Preis für die Nutzung ihres Telefons zahlen – egal ob Festnetz oder Mobilfunk.

E-Plus hatte vor zwei Jahren mit dem Start der Billigmarke Simyo den Preiskampf eingeleitet. Seitdem sind die Tarife um rund ein Fünftel gefallen. Den Umsatzausfall wollen die Unternehmen durch eine höhere Handy-Nutzung sowie neue Breitbanddienste ausgleichen. Im vergangenen Quartal mussten T-Mobile, Vodafone D2 und O2 allerdings massive Umsatzrückgänge verzeichnen.

O2-Chef Rudolf Gröger zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Trend umkehren wird. In den folgenden Quartalen sei wieder mit wachsenden Erlösen zu rechnen, sagte er. Dabei helfen soll O2 die Integration von Telefonica Deutschland. Damit soll die Grundlage für Triple-Play-Angebote gelegt werden. Der kleinste Netzbetreiber folgt damit der Telekom und Vodafone. Letzterer kontrolliert den Festnetzanbieter Arcor.

Der Preisdruck zwingt die Unternehmen zu Kosteneinsparungen. Während T-Mobile, Vodafone D2 und E-Plus ihre Kosten deutlich gesenkt haben, folgt nun O2. Rund 180 Mill. Euro will die Tochter des spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica bis 2008 einsparen, wie Deutschlandchef Gröger sagte. Dazu sollen einige hundert Arbeitsplätze gestrichen werden. Das Programm soll in diesem Jahr anlaufen.

Den größten Kostenschnitt plant die Deutsche Telekom, die zum Ende der Dekade 4,7 Mrd. Euro weniger ausgeben will. Dazu sollen rund 50 000 Mitarbeiter in den neuen Bereich T-Service wechseln. Dadurch könne der Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz ausgeglichen werden, wie Obermann sagte. Die Gewerkschaft Verdi will am Dienstag darüber entscheiden, ob die Gespräche mit dem Bonner Unternehmen wieder aufgenommen werden.

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