Handy 2.0
Das Geld wird mobil

Dem mobilen Bezahlen ist bislang noch nicht der große Durchbruch gelungen. Was fehlt, ist ein bequem zu handhabendes und sicheres Abrechnungsmodell. Dass soll sich jetzt ändern: Mobilfunkfirmen und Händler wollen dieses Jahr erneut versuchen, Bezahlen mit dem Handy zu etablieren.

BERLIN. Mobiles Bezahlen ist bislang eine Geschichte ohne Mumm und Schwung. Allenfalls Kleinkram wird über die Premium-SMS bezahlt, was sich der Mobilfunkbetreiber mit einem bis zu zwei Drittel des Umsatzes vergolden lässt. "Bei Klingeltönen, Logos und Schweinkram mag das funktionieren, sonst nicht", bringt Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce an der Universität Augsburg, das Problem auf den Punkt. Was fehlt, ist ein bequem zu handhabendes und sicheres Abrechnungsmodell.

Dass soll sich jetzt ändern. Mobilfunkbetreiber und Händler starten in diesem Jahr einen neuen Versuch, einen mobilen Bezahldienst zu etablieren. O2 und Vodafone stellen heute auf dem Treffen des Arbeitskreises M-Commerce des Verbands der Deutschen Internetwirtschaft in Düsseldorf ihre M-Payment-Lösung vor, die Ende März verfügbar sein soll. Und die Deutsche Telekom wird bereits im Februar ihren Bezahldienst "Call & Pay Flexible" starten. "Nachdem acht Jahre lang nichts passiert ist, kommen nun gleich mehrere Unternehmen, mit ernsthaften Geschäftsideen", so Pousttchi. Das erfreuliche dabei sei, dass die Anbieter nun auch realistische Margen anstrebten. "Diese gehen nun in Richtung Kreditkarte und liegen damit deutlich unter zehn Prozent", freut sich der M-Commerce-Experte. Dadurch bestehe erstmals die Chance, auch den Handel für das mobile Bezahlen zu begeistern.

Die Lösung von Vodafone beschränkt sich in einem ersten Schritt auf das Bezahlen im Internet. "Es gibt noch kein wirklich etabliertes Payment-System im Internet. Dort dominieren immer noch Rechnung und Vorkasse ", sagt Jochen Bornemann, Leiter Marketing Wholesale von Vodafone. Bequemer soll es mit dem Handy werden: Bei der Vodafone-Lösung fällt die Hürde des Registrierens weg, da die Bankdaten der Vertragskunden schon hinterlegt sind. Zum Bezahlen muss man nur noch seine Handynummer und sein Kunden-Kennwort eingeben sowie eine SMS bestätigen.

"Über die SMS haben wir eine zusätzliche Sicherheit geschaffen", erklärt Bornemann. Der Betrag wird dann per Lastschrift vom Konto abgebucht. In einem zweiten Schritt soll auch in mobilen Web-Shops gezahlt werden können, wobei man sich das Eintippen der Handynummer sparen kann, weil das Telefon ohnehin im Netz erfasst ist. Später sei denkbar, so Bornemann, das Handy bei allen Einkäufen bis hin zur Supermarktkasse zu nutzen.

"Das Verfahren ist für jeden Handybesitzer mit einem deutschen Bankkonto geeignet", unterstreicht der Vodafone-Mann. Anfangs wird es Limits, ähnlich einem Dispo beim Girokonto geben, die, je nach Bonität des Nutzers, angehoben werden. Weil Vodafone und O2 kooperieren, könnten 13 Millionen Kunden das Verfahren nutzen.

"Diese Lösung könnte dem ganzen Thema einen Schub verleihen, weil nun klar wird, dass mobile Zahlungsverfahren auch für größere Beträge taugen", sagt Bettina Horster, Vorstandsmitglied der Unternehmensberatung Vivai, die sich seit Jahren mit M-Payment beschäftigt. "Gut ist, dass es sich um eine interoperable Lösung handelt, die Kunden mehrerer Mobilfunkbetreiber nutzen können. Wenn wie bisher nur die eigene Klientel mit einer speziellen Lösung bedient wird, macht das keinen Sinn", bekräftigt die Expertin.

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