Handy-Betriebssysteme: Samsung eröffnet die Hatz auf Apple

Handy-Betriebssysteme
Samsung eröffnet die Hatz auf Apple

Am heutigen Dienstag präsentiert Samsung sein neues Betriebssystem Bada für Smartphones. Damit hat sich der letzte große Player für den kommenden Showdown der Systeme in 2010 positioniert. Aber auch die Mobilfunkbetrieber schlagen mit eingenen Lösungen zurück.

DÜSSELDORF. Betriebssyteme sind die Eintrittskarten zum Geldbeutel der mobilen Internetkunden. Wer sie kontrolliert, kontrolliert auch Software und die Services. Fünf Systeme dominieren den Markt und ständig kommen neue hinzu. Am Dienstag wird der mächtige Samsung-Konzern, Nummer zwei des Massenmarktes für Mobiltelefone, Details seines Systems „Bada“ vorstellen und in diesen Markt eingreifen. Eine dramatische Konsolidierung ist unausweichlich, da sind sich Analysten einig. Sie wird schmerzhaft werden. Prognosen der Marktforscher Gartner zufolge beherrschen 2015 nur noch drei Plattformen den Markt. Der Rest kann einpacken.

Der Tiefschlag kam ohne Ansage: „Dies ist eine Microsoft-Veranstaltung“, wies ein Manager einen Fachjournalisten barsch zurecht. „Hier haben Apple-Produkte nichts verloren.“ Als in die Stille am Tisch im Münchner Schickeria-Restaurant „Maria und Josef“ verlegene Lacher ob des Scherzes aufzukommen drohten, setzt er nach: „Das meine ich ernst.“

Das Vergehen: Der Journalist hatte beim Dinnertalk gewagt zu erwähnen, dass er noch nie ein so einfach zu bedienendes Telefon besessen habe wie sein iPhone. Und das auf der Vorstellung des Windows Betriebssystems Mobile 6.5. „Die Emotionalität hat mich überrascht“, sagt ein damals anwesender PR-Berater. „Es zeigt, dass die Nerven blank liegen.“ Kein Wunder. Tage vorher hatte eine getwitterte Meldung für Aufsehen gesorgt. „Wir haben es versaut mit Mobile 6.5“, zitiert Paul Jozefak, Teilnehmer des Microsoft Venture Capital Summit, den CEO Steve Ballmer. „Ich wünschte, wir hätten Windows Mobile 7 im Markt.“ Das soll 2010 kommen.

Ballmer weiß, dass er eine ähnliche Rolle wie in der PC-Welt erreichen muss. Schon heute, so eine Erhebung der Beratungsgesellschaft Accenture, rufen 62 Prozent der Smartphonebesitzer zuhause ihre E-Mails per Telefon ab – den PC schalten sie nicht ein. Dafür Nokias, Blackberrys und den Shootingstar iPhone. So heißen die Marktführer. Dann erst kommen, laut Gartner, mit unter zehn Prozent Marktanteil im 3. Quartal 2009, Geräte mit Microsofts Betriebssystem. Eine Demütigung.

So wie es aussieht, könnte Windows weiter nach hinten durchgereicht werden. „Es ist klar erkennbar, dass 2010 das Jahr von Android wird“, sagt Allen Nogee, Analyst beim Consultingunternehmen In-Stat. Je nach Analysten-Schätzung 2012 oder 2013 werde das Google-Betriebssystem Android sogar an Apple vorbeiziehen und nur noch hinter Nokia – mit dann 38 Prozent Marktanteil Marktführer – liegen. Was war passiert? Apples iPhone hatte über Nacht die Spielregeln geändert. Brauchte man früher als Handybauer ein neues Modell, wurden jetzt ein paar Knöpfe geändert, Form oder Farbe angepasst und es kamen „Features“ hinzu. Mal ein Radio, ein Kalender, ein Wecker. Für jede „Neuerung“ musste der Kunde ein neues Gerät kaufen.

Das iPhone bot einheitliches Gehäuse, aktualisierbare Betriebssysteme und einheitliche Software. Das Mobiltelefon wurde eine Art „Hardware as a Service“. Neue Funktionen kamen auch auf ältere Modelle. Das hat gravierende Auswirkungen. David Sidebottom, Analyst bei Futurescore Consulting in London: „Apple hat den Fokus auf Software basierte Lösung gelenkt. Die Hardware bleibt länger ’frisch’ und das verschiebt den Zeitpunkt einer Neuanschaffung nach hinten.“ Die Konsequenz: Die Hersteller müssen mit im Markt befindlichen Geräten zusätzliche Erlöse generieren, um die Umsätze zu halten. Apple etwa lässt sich mit 30 Prozent an den Erlösen jeder iPhone-Software beteiligen, indem der Vertrieb über einen Apple-Softwareshop erzwungen wird.

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