Handys auf dem Vormarsch
Funkstille im Untergrund

Menschen mit Mobiltelefonen am Ohr gehören mittlerweile zum Straßenbild. Fast überall sind die Handys auf dem Vormarsch, nur die U-Bahnen der Großstädte sind ein letzter Ort der Ruhe. Hier schweigen die Telefone mangels Empfang meist.

HB MÜNCHEN. Acht Minuten können eine lange Zeit sein. Zumindest dreht sich der Streit zwischen Münchner Handy-Befürwortern und Gegnern letztlich um genau diesen Zeitraum. Denn acht Minuten dauert eine durchschnittliche Fahrt mit der Münchner U-Bahn. Und so lange muss das Handy schweigen: Weil die technischen Voraussetzungen nicht gegeben sind, herrscht hier Funkstille. Die U-Bahn ist damit das letzte öffentliche Verkehrsmittel in München ohne klingelnde Telefone. Denn in Bus und Trambahn hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) das Handy-Verbot aufgehoben, wenn auch nur probeweise.

Die Meinungen zu diesem Thema sind so unvereinbar, dass sich auch die Mitglieder des Fahrgastverbandes ProBahn auf „keine abschließende Haltung“ einigen konnten, wie Pressesprecher Andreas Barth sagt. Die MVG ließ bei diesem schwierigen Thema deshalb bislang ihre Kunden entscheiden: Seit 1996 haben sich regelmäßig zwei Drittel der U-Bahn- Nutzer in drei repräsentativen Umfragen gegen Mobilfunk im Untergrund ausgesprochen.

Doch die MVG hat sich in Bus und Tram jetzt über das Veto der U- Bahn-Nutzer hinweggesetzt. Christian Miehling von der Pressestelle verweist auf die neue Sachlage: Die Hersteller der Busse hätten einen Einfluss auf die Fahrzeug-Elektronik kürzlich ausgeschlossen, und das Gesundheitsreferat der Stadt habe seine grundsätzlichen Bedenken zurückgezogen. „Von unseren Erfahrungen in der Probezeit ist abhängig, ob das Handy endgültig erlaubt wird“, sagte Miehling. Entschieden werde voraussichtlich Mitte nächsten Jahres.

Michael Haberland ist optimistisch, dass dann auch das Telefonieren in der U-Bahn ermöglicht wird. Als Vorsitzender des Vereins „Mobil in München“ hat er jahrelang gegen das Handy-Verbot der MVG gekämpft. Die jetzige Erlaubnis in Bus und Tram sieht er nur als Teilerfolg: „Das entscheidende Verkehrsmittel ist und bleibt die U-Bahn.“ Schließlich müssten Ärzte, Selbstständige und Feuerwehrleute auch während der achtminütigen U-Bahn-Fahrt erreichbar sein. Als Vorbild für München nennt er Wien: „Dort ist der Empfang unter der Erde besser als über der Erde.“

Ein anderes Beispiel findet sich innerhalb der Stadtgrenzen. In der S-Bahn können die Kunden bereits seit sieben Jahren telefonieren, auch unter der Erde. Die Bahn wollte in allen ihren Zügen die Erreichbarkeit sichern, sagt Horst Staimer, Pressesprecher der S-Bahn München. Deshalb installierte das Unternehmen spezielle Antennenanlagen in den Tunnels - die Kosten übernahmen die Mobilfunkbetreiber. „Negative Reaktionen der Kunden auf die Handy- Erlaubnis gab es im Großen und Ganzen nicht“, sagt Staimer.

In der U-Bahn ist anscheinend eine ähnliche finanzielle Lösung denkbar. Miehling spricht von „Bewegung bei den Mobilfunkbetreibern“ in dieser Sache. Fragt sich nur, ob die U-Bahn-Nutzer diese Investition in die Antennen-Anlagen der Tunnels wollen. In der Pressemitteilung zu der jetzigen Handy-Erlaubnis in Bus und Tram hat die MVG bereits resignierend festgestellt: „Man kann es nicht allen recht machen.“ Es geht immerhin um volle acht Minuten.

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