Handys im Flugzeug
US-Flugbegleiter fürchten den Lärmpegel

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Ufo-Gewerkschaft kann die US-Bedenken nicht nachvollziehen

Diese Bedenken kann die deutsche Flugbegleitergewerkschaft Ufo nicht nachvollziehen. „Wenn wir eine Durchsage machen müssten, dass wir die Maschine gleich evakuieren, würden die Passagiere schon hinhören“, sagte der Vorsitzende Nicoley Baublies „Spiegel Online“. Er sorge sich eher um den Komfort der Fluggäste. Generell würde sich das Kabinenpersonal nicht gegen die Einführung von Handytelefonie an Bord sperren, wenn das die Fluggesellschaften attraktiver machen würde, sagte Baublies diplomatisch.

Ein Sprecher der amerikanischen Billig-Airline Jetblue sagte: „Unser Kunden-Feedback zeigt, dass die Leute das (Handy-Telefonat) nicht wollen, aber natürlich ändern sich Geschmack und Wünsche“. Seine Fluggesellschaft wolle den Flug für alle Passagiere angenehm machen – „für jene, die Mobilfunk wollen und jene, die ihre Ruhe haben wollen.“ Auf ähnliche Kundenbefragungen beruft sich auch die Lufthansa.

Die Bundesluftfahrtbehörde FAA hatte kürzlich das Verbot für die Benutzung der meisten privaten elektronischen Geräte bei Starts und Landungen aufgehoben. Für die Handy-Kommunikation ist aber nicht sie, sondern die FCC zuständig. Die FAA war den Empfehlungen der selben Beratergruppe gefolgt, die auch der FCC die Aufhebung der Mobilfunk-Restriktionen empfohlen hat, sagte ein FCC-Sprecher.

Ein Reiseanalyst, Henry Harteveldt, sagte: „Es gibt schlechte Ideen, und es gibt diese.“ Passagiere, die durchaus ihre elektronischen Geräte beim Flug benutzen wollten, wollten Handy-Telefonate in der Flugkabine nicht. „Das dauernde Geschwätz von Passagieren mit ihren Handys hat das Potenzial, Spannungen unter den ohnehin bereits gestressten Fluggästen zu erhöhen. Es wird ein Auslöser der sogenannten Air Rage (Wutanfälle beim Flug) sein.“

Sollte die FCC sich entscheiden, die Pläne tatsächlich weiterzuverfolgen, wäre das nur der erste Schritt in einem langen Regulierungsprozess, bei dem auch die Meinung der Öffentlichkeit eingeholt werden muss. Zudem dürfte auch die Luftfahrtbehörde FAA ein Wörtchen mitzureden haben in der Frage, ob Flugzeuge mit sogenannten Picozellen für die Mobilfunknutzung ausgestattet werde, sagte der FCC-Sprecher.

„Es hat einen Nerv getroffen“, sagte der Präsident der Verbraucherberatergruppe Free Press, Craig Aaron. „Ihre (der FCC) Telefone haben geklingelt. Das ist eine Menge Aufmerksamkeit für eine Behörde, die man sonst nicht wahrnimmt.“

Das Gebot der Handy-Nutzung bei Flügen in den USA besteht seit 22 Jahren – und wird angesichts der Kundenbefragungen der Fluggesellschaften wohl auch weiter gültig sein. Dabei wollte FCC-Chef Wheeler, der erst Anfang November seinen jetzigen Posten übernommen hatte, seinen alten Kollegen einen Gefallen tun: Er war früher Lobbyist für die Mobiltelefonindustrie.

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Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Sebastian Schaal
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Handelsblatt Online / Redakteur

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