Heizungssteuerung Evohome im Test
Der Spion, der mich wärmte

Weniger heizen und trotzdem nicht frieren – das verspricht die Heizungssteuerung Evohome. Der Test zeigt: Hersteller Honeywell beherrscht die Technik, pflegt aber einen zweifelhaften Umgang mit den Daten.
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DüsseldorfFrieren oder Geld verschwenden? Im Winter stehen die meisten Menschen vor dieser unbequemen Wahl. Lassen sie etwa die Heizung im Badezimmer über Nacht durchbollern, ist es morgens warm, aber das schlägt sich in der Rechnung nieder. Drehen sie dagegen erst nach dem Aufstehen die Temperatur hoch, verschwenden sie keine Energie, müssen sich dafür aber in einem halbkalten Bad frischmachen. Wohl dem, der eine Heizung mit funktionierender Nachtabsenkung hat.

Intelligente Steuerungssysteme sollen beides ermöglichen: Komfort und Sparsamkeit. Der amerikanische Hersteller Honeywell, der seit seiner Gründung 1885 Heizungen verkauft, hat so eine Lösung auch in Deutschland auf den Markt gebracht. Mit Evohome können Nutzer die Heizung per Smartphone oder Tablet-Computer programmieren und steuern, und zwar für jeden einzelnen Raum. Auch aus der Ferne lässt sich die Temperatur regeln. Während das US-Unternehmen damit seine technische Expertise beweist, zeigt es in Sachen Datenschutz eine bedenkliche Einstellung.

Das getestete Mehrzonen-Paket enthält die Steuerungseinheit und fünf Thermostate. Um das System mit dem Smartphone aus der Ferne bedienen zu können, benötigt man dazu das Mobile Access Kit. Das enthält ein Gateway, also ein Vermittlungsgerät, das an den heimischen Router angeschlossen wird und darüber das Heizungssystem mit dem Internet verbindet. Beides zusammen kostet regulär rund 400 Euro. Gegen Aufpreis gibt es weitere Module, etwa zur Steuerung der Fußbodenheizung.

Für die Installation wird zunächst das Bediengerät in Betrieb genommen – die anderen Elemente werden per Funk damit gekoppelt. Über den etwas lahmen Touchscreen dieser Zentrale kann die Heizung auch gesteuert werden. Die Thermostate werden an die Heizkörper geschraubt. Dafür braucht es keine Klempnerausbildung, aber eine Wasserpumpenzange. Die Installation des Basispakets ist beim ersten Mal innerhalb einer Dreiviertelstunde getan, mit etwas Routine geht es noch schneller.

Um das System übers Internet steuern zu können, bedarf es eines Gateways, das an den heimischen Router angeschlossen wird. Über diesen kleinen Umweg kann die iPhone- und Android-App die einzelnen Geräte ansprechen. Bei der Installation hakt es, auf dem Bediengerät wird das Gateway zunächst nicht angezeigt. Die FAQ auf der Website von Honeywell geben Aufschluss: Man muss länger auf die „Einstellungen“-Taste drücken, damit sich ein Konfigurationsmenü öffnet.

Weitere Geräte sollten Nutzer von Fachleuten installieren lassen. Das gilt beispielsweise für das Steuerelement für die Fußbodenheizung. Hintergrund: Sobald 230-Volt-Spannung im Spiel ist, kann es gefährlich werden.

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Honeywell will Nutzerdaten vermarkten

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  • Solche Heizungssteuerungen haben deutlich mehr Potenzial - ein guter Hinweis. Was die Steuerung mit dem Smartphone betrifft: Bei diesem System ist die App um einiges komfortabler als die zentrale Bedieneinheit.

  • Solche zentralisierten Systeme zur Hausautomatisierung haben ihre ganz speziellen Vorteile, beispielsweise eine zentrale Temperaturabsenkung bei Abwesenheit.

    Meiner Erfahrung nach ist eine Steuerung über das Internet nicht unbedingt notwendig und hat vor allem Datenschutzprobleme - wie im Artikel geschildert.

    Notwendig ist die Fernüberwachung für Nutzer, die sich mit der Technik nicht auseinandersetzen wollen. Auch wenn die Batterien zwei Jahre halten: Irgendwann müssen sie ausgetauscht werden. Die Alternative, alle Komponenten zu verdrahten, lässt sich realistisch nur bei einem Neubau einsetzen und kostet richtig Geld..

    Im Prinzip können solche Systeme noch viel mehr und es gibt auch zahlreiche Synergien zu heben. Wenn man beispielsweise Tür- und Fensterkontakte zur Temperaturabsenkung einsetzt ("nicht zum Fenster hinaus heizen"), dann kann man im Eingangsbereich auch eine Statusanzeige "alle Türen und Fenster zu" verwirklichen.

    Ganz entscheidend ist der Zugriff auf die erfassten Daten wie Temperaturen und Stellung der Stellventile an den Heizkörpern. Damit kann man endlich die diversen Parameter an der Heizungsanlage sinnvoll einstellen - von der Kennlinie des Außenthermometers bis zur Leistung der Umwälzpumpe. Die Amortisationszeit solcher Investitionen ist viel kürzer als beispielsweie beim Vollwärmeschutz.

    Mein Nachbar mit einem fast baugleichen Haus und Vollwärmeschutz mag es wohl deutlich wärmer als ich. Aber mit Hausautomatisierung und ohne Vollwärmeschutz brauche ich deutlich weniger Heizenergie als er.

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