Höhere Netzkapazitäten gefragt
Telefonieren ist längst nicht mehr alles

Über zwei Millionen Handys und andere mobile Geräte werden zur Kommunikation weltweit eingesetzt. Forscher fragen sich, wie die Technologie aussehen muss, wenn die Netze in der heutigen Form überlaufen.

hiz DÜSSELDORF. Das Fachgebiet Multimediakommunikation der TU Darmstadt erforscht in Kooperation mit den DoCoMo Euro-Labs, wie die Architekturen zukünftiger Mobilfunknetze aussehen können. Immer mehr Menschen benutzen weltweit die Mobilfunknetze. Gleichzeitig werden die verfügbaren Dienste und Möglichkeiten immer anspruchsvoller. „Nur" telefonieren ist längst nicht mehr alles. Aber wie lange geht dieses rasante Wachstum noch gut? Wann stößt "das Netz" an seine Kapazitätsgrenzen?

"Heute sind Netze zellular ausgelegt, dem Ganzen liegt eine Infrastruktur mit Basisstationen zugrunde. In Ballungsräumen kommen außerdem Hot-Spots hinzu, um die Kapazität zu erhöhen. Aber trotz zunehmender Bandbreiten - Stichwort UMTS - kann diese Infrastruktur in manchen Szenarien keine ausreichende Kapazität für anspruchsvolle Multimediadienste zur Verfügung stellen", erklärt Tronje Krop, Experte in der Mobile Networking Gruppe, die aktuelle Struktur der Mobilfunknetze. Ein Beispiel erläutert Institutsleiter Prof. Ralf Steinmetz: "Stellen Sie sich vor, in einem Fußballstadion wollen alle Besucher gleichzeitig mit Ihrem UMTS-Handy Spielszenen betrachten oder selbst aufnehmen und verteilen. Vermutlich gingen dann sprichwörtlich die Lichter aus. Mit der heutigen Netztechnologie ist nämlich keine ausreichende Kapazität für eine Vielzahl solcher Live-Videoströme möglich“

Diskutiert wird nach seinen Aussagen der Einsatz von selbstorganisierenden Ad-hoc-Netzen, bei denen die Endgeräte in direkten Kontakt treten. Diese Architektur bietet zwar eine Alternative, die im Nahbereich eine höhere Performance aufweisen kann, sie ist aber unzuverlässiger und unsicherer als zellulare Netze, da mit wachsender Distanz die Qualität der Verbindung leidet.

Die neue Lösung, die die Darmstädter erforschen, ist eine so genannte "Provider-mediated Communication"- Architektur. "Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich ein Zwitter zwischen zellularem Mobilfunk und selbstorganisierenden Ad-hoc-Netzen: Die Verlässlichkeit, Sicherheit, und Dienstgüte, die aus den zellularen Netzen bereits gut bekannt ist, wird so auch für Ad-hoc-Netze nutzbar gemacht", so Matthias Hollick, Leiter der Mobile Networking Gruppe an der TU Darmstadt. Hierzu nimmt der Netzprovider die Rolle eines Mediators ein, der zum Beispiel für die Dienstvermittlung und deren Abrechnung zuständig ist. Die Forscher sind sich sicher, dass diese neue Form der Netzarchitektur eine viel versprechende Grundlage für die breite Einführung von Ad-hoc-Netzen und neuartigen Kommunikationsdiensten ist.

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