Hype ums iPhone
Apple spielt ein riskantes Spiel

Wenn es nach dem Willen von Apple-Chef Steve Jobs geht, dann beginnt am Freitag eine neue Ära in der Geschichte des Mobiltelefons. Dabei ist das iPhone schon vor der Weltpremiere ein Kult-Objekt. Der Rummel um das erste Apple-Handy hat gigantische Dimensionen angenommen. Ob es wirklich etwas taugt, steht allerdings noch in den Sternen. Den Deutschen ist das Ding obendrein zu teuer.

HB SAN FRANCISCO. Bereits vier Tage vor dem offiziellen Marktstart schlugen vor dem Apple-Store an der Fifth Avenue in New York die ersten Fans ihre Zelte auf. Sie wollten unbedingt am Freitagabend zu den ersten glücklichen Besitzern des iPhone gehören. „Einen solchen Hype um ein neues Handy wie beim iPhone habe ich noch nie erlebt“, sagt Markus Eckstein, Handyexperte der Fachzeitschrift „Connect“. Mit tausenden zusätzlichen Angestellten bereitet sich der US-Handel auf den anstehenden Verkaufsstart des Mobiltelefons am Freitag vor.

Während in den USA das Interesse an Apples erstem Handy iPhone zur Markteinführung überkocht, finden es die Deutschen einer Umfrage zufolge zu teuer. Nur 0,4 Prozent wollten es hier zu Lande „ganz sicher“ kaufen, weitere 2,9 Prozent es sich vielleicht zulegen, ergab eine am Donnerstag vorgestellte Umfrage der Unternehmensberatung Marketing Partner. 72,5 Prozent gaben dagegen an, für sie käme das neuartige Telefon mit Touchscreen statt Tastatur und vielen Multimedia-Fähigkeiten ganz sicher nicht in Frage, für 16 Prozent „eher nicht“. Als Grund dafür nannten 44 Prozent einen zu hohen Preis und 15,5 Prozent meinten, das Gerät habe zu viele Funktionen, die man nicht brauche. Allerdings wurden die iPhone-Preise und entsprechende Mobilfunk-Tarife für die bis Jahresende angekündigte Markteinführung in Europa noch nicht bekanntgegeben.

Das iPhone verbindet das Mobiltelefon mit einem Musikplayer nach dem Vorbild des iPods und einem Internet-Zugang. Das sind alles Funktionen, die das Handy schon lange kennt. Apple setzt beim iPhone allerdings auf einen großen berühungsempfindlichen Bildschirm mit einer Auflösung von 480 mal 320 Pixel und verzichtet auf eine herkömmliche Tastatur. Sensoren für Umgebungslicht und Bewegungen passen die Helligkeit des Bildschirms an und kippen das Bild, wenn das iPhone entsprechend gedreht wird. Das Handy wird mit Fingerbewegungen auf dem Display bedient. „Die Technologie lag schon in der Luft. So kam LG kurz nach der Ankündigung des iPhone mit dem Prada-Handy auf den Markt, das über ähnliche Funktionen verfügt“, bemerkt Experte Eckstein.

Für die Internet-Verbindung gibt es GPRS und WLAN, falls ein entsprechender Router in der Nähe ist. UMTS? Fehlanzeige. Außerdem hat das 135 Gramm schwere Gerät nur eine Zwei-Megapixel-Kamera – andere bieten bereits fünf und mehr Megapixel. Die Verbindung an einen Mac oder einen Windows-PC wird über USB hergestellt, was mittlerweile ebenfalls Standard ist.

Wenn es kaum neue Funktionen gibt, was macht dann den besonderen Reiz des iPhones aus? Die Antwort lautet: Design und Software. Dies erkläre die eine Hälfte des iPhone-Hypes, sagt Marktbeobachter Gartenberg. Zur anderen Hälfte seien die hohen Erwartungen ein Indiz dafür, „wie ärmlich das Software-Design bei heutigen Mobiltelefonen meist ist“.

Ein Finger auf dem iPhone-Touchscreen bringt das „Home“-Menü zum Vorschein. Ein weiteres Antippen zeigt Fotos oder die Kontakte des Adressbuchs an. Weit und breit ist kein Drow-Down-Menü in Sicht. Auch müssen keine Einstellungen gesucht werden, die tief verschachtelt irgendwo im Menü-Labyrinth versteckt sind. Weil es keine Tasten für Buchstaben gibt, müssen sich die iPhone-Besitzer daran gewöhnen, die Zeichen für eine SMS auf der „virtuellen“ Bildschirm-Tastatur einzutippen.

„Ein paar Hersteller von mobilen Geräten haben auch bisher schon versucht, das Handy einfacher zu machen, ohne dass man auf ein Handbuch verweisen muss, dass 18 Mal so groß ist wie das Telefon“, sagt der Chef des Research-Unternehmens The Envisioneering Group, Richard Doherty. „Aber was Apple hier anstrebt, ist nichts weniger als der Flug zum Mond.“

Seite 1:

Apple spielt ein riskantes Spiel

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%