Ifa 2008
Kühlen, waschen, Kaffee trinken

Erstmals präsentiert die Internationale Funkausstellung in diesem Jahr auch Haus- und Küchengeräte. Doch wer sich für den Bereich „Home Appliances“ interessiert, muss sich ein wenig auf die Suche machen. Und der Brückenschlag zwischen Hausgeräten und Unterhaltungselektronik ist auch nur in Ansätzen gelungen.

BERLIN. Wer sich auf der IFA 2008 die ausgestellten Haushaltsgeräte ansehen will, muss sich ein wenig auf die Suche machen. Denn Haushaltsgeräte heißen jetzt in schönstem Neudeutsch „Home Appliances“ und sind alle gemeinsam in vier Hallen am südlichen Ende der Messe Berlin zu finden. Große Überraschungen erwarten den Besucher dort allerdings nicht.

Der Gang durch die Messehallen mit den „Home Appliances“ macht vor allen Dingen zwei Trends deutlich: Zum einen haben sich alle Hersteller das Energiesparen überlebensgroß auf die Fahnen geschrieben. Das ist angesichts der Tatsache, dass Kühlschrank, Gefriertruhe, Waschmaschine und Co. zusammen im Haushalt den größten Teil des Stroms verbrauchen, auch ein sehr lobenswerter Ansatz. Und so finden sich zum Beispiel Waschmaschinen mit Warmwasser-Anschluss, die eine große Energieersparnis bringen, wenn man einen Sonnenkollektor auf dem Dach hat.

Bosch präsentiert zudem die „EcoWash 20“, eine Waschmaschine, die leicht verschmutzte Wäsche mit nur 20 Grad wäscht. An vielen Stellen betonen die Hersteller, dass ihre Geräte besonders schnell arbeiten, denn Schnelligkeit scheint bei Geschirrspülern oder Wäschetrocknern ein zentrales Kaufargument zu sein. An einigen Ständen sind deshalb Geschirrspüler mit „Zeolith“ oder „Wärmepumpen“ -Technik, die den Vorgang besonders schnell und gründlich machen soll. Liebherr präsentiert dagegen unter anderem die „sparsamste Gefriertruhe ihrer Klasse“.

Der zweite große Trend besteht darin, dass die halbe Welt scheinbar aus Kaffee- und Espressomaschinen besteht. Eine derartig prominente und übergroße Präsentation von Kaffeebereitern aller Art lässt den Eindruck entstehen, dass damit ein Riesengeschäft winkt, und dass Kaffee bzw. Espresso zu einem der zentralen Kulturgüter unserer Zeit geworden ist.

Natürlich fallen noch eine Reihe weiterer Dinge ins Auge: Zum einen besitzen immer mehr Haushaltsgeräte ein LCD-Display, das den Anwender über eingestellte und tatsächliche Temperatur am Backofen, den aktuellen Stand des Spülprogramms oder den Status der Eiswürfelmaschine informieren. Insofern erleichtern sie die Bedienung der Geräte erheblich, als dass man nicht mehr länger raten muss, ob etwa die Temperatur des Backofens mit den Angaben im Rezept übereinstimmt. Und man erfährt mit einem Blick, ob sich die Fahrt zum Supermarkt noch lohnt, bevor die Waschmaschine fertig ist und ausgeräumt werden will.

Miele zeigt an seinem Stand einige Geräte unter dem Stichwort „Conn@ction“. Technik-affine Betrachter wittern hier vielleicht den lange angekündigten Kühlschrank mit Internet-Anbindung, aber es handelt sich lediglich um die Präsentation eines Kommunikationsmoduls, mit dem beim Einschalten des Herds automatisch die Dunstabzugshaube aktiviert werden kann. Je nach Zahl der eingeschalteten Herdplatten wird sie automatisch stärker oder schwächer eingeregelt. Wer auf den Griff zum Ein-/Ausschalter der Dunstabzugshaube künftig verzichten will, muss pro Kommunikationsmodul 190 Euro (also mindestens 380 Euro) auf den Tisch des Hauses blättern. Hier sei ein kleines bisschen Spott erlaubt.

Darüber hinaus haben alle großen Hersteller die Macht von Fernsehköchen als Publikumsmagnet für sich entdeckt: Stefan Marquard (Elektrolux), Ralf Zacherl (Bosch) oder Alexander Herrmann (Siemens) führen die Gerätschaften vor und besitzen dabei einen angenehmen Unterhaltungswert. Wer hinterher noch eine der ausgegebenen Kostproben der gekochten Speisen ergattert, behält Herd, Küchenmaschine oder Mixstab der jeweiligen Anbieter sicher in doppelt guter Erinnerung.

Design ist das letzte große Stichwort bei den Hausgeräten: Hersteller wie Gorenje oder LG zeigen auf ihren Ständen gleich mehrere Design-Linien, die das Interieur der Küche in besonderem Glanz erscheinen lassen. „Weiße Ware“ kann in diesen Fällen auch durchaus zur „Schwarzen Ware“ werden. In diesem Zusammenhang findet sich auch bei Siemens mit dem Kühlschrank „Cool Media“ eines der ganz wenigen Geräte, die den Brückenschlag zwischen Hausgeräten und Unterhaltungselektronik herstellen, denn er besitzt einen eingebauten 17-Zoll-LCD-Bildschirm, einen DVB-T-Tuner und zwei integrierte Lautsprecher. Für schlanke 2.600 Euro kann man seine Küche damit ein bisschen wohnlicher und unterhaltsamer ausstatten.

Unter dem Strich muss man sagen, dass der Heimgeräte-Bereich der IFA vor allen Dingen dann interessant ist, wenn man tatsächlich selbst auf der Suche nach einer neuen Küche oder nach Ersatz für die veralteten Haushaltsgeräte von vor 15 Jahren ist. Die Branche erwarten in den kommenden Jahren genau diesen Trend, denn nach dem Wohnungsbauboom in den 90er Jahren ist das Ende der Lebensdauer der meisten damals gekauften Haushaltsgeräte zu erwarten. Wer also auf der Suche ist, kann sich die schicksten, sparsamsten und preiswertesten Geräte für den eigenen Bedarf erklären und vorführen lassen. Wer nur einmal aus Interesse durch die Hallen geht, sieht vor allen Dingen Kühlschränke, die kühlen, Waschmaschinen, die waschen und Geschirrspüler, die spülen. Und natürlich ganz viele Kaffeemaschinen.

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