Im Test: Das iPhone
Ein Start mit Schwächen

Um kein Gerät gab es zuletzt so viel Rummel wie um Apples iPhone. Erfüllt der Mobilcomputer mit Telefonfunktion die hochgesteckten Erwartungen? Matthias Hohensee hat es ausprobiert. Sein Fazit: Ja, aber mit Abstrichen. RIM zumindest muss sich keine Sorgen machen.
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DÜSSELDORF. Seit Tagen gab es unter meinen amerikanischen Freunden und Bekannten nur ein Thema: Apples iPhone, ein Mobilcomputer, mit dem man auch telefonieren kann. Um das Gerät zu bekommen, stand ich neun Stunden in der Warteschlange. Würde das rund 500 Dollar teure iPhone die hochgesteckten Erwartungen erfüllen? Mein Fazit nach vier Tagen intensiver Erprobung: mit Abstrichen ja.

Es sieht, wie von Apple-Produkten gewöhnt, elegant aus und ist mit elf Millimetern unglaublich dünn. Es lässt sich tatsächlich ohne viel Grübeln intuitiv bedienen, reibungslos klappte das Aktivieren der E-Mail-Dienste von Google und Yahoo. Sie sind vorkonfiguriert. Flugs erkennt der Minicomputer ein Funknetz und wählt sich ohne Probleme ins Internet ein. Doch das iPhone zeigt auch Schwächen. Zweimal stürzte es komplett ab.

Mike Lazaridis, Chef von Research in Motion (RIM), kann aufatmen. Das iPhone versendet und empfängt E-Mails weniger zuverlässig als RIMs Blackberry. Und auch das Betrachten und Bearbeiten von Dokumenten geht auf dem Blackberry besser. Einen Laptop kann das iPhone ohnehin nicht ersetzen - dafür ist die Tastatur des stark gewöhnungsbedürftigen Touchscreens zu unhandlich. Mit Web-Browser, Terminkalender, E-Mail, Musik- und Videospieler sowie einer Zwei-Megapixel-Kamera ist das iPhone umfangreich ausgestattet. Leider fehlt die Diktiergerätefunktion. Wer vorwiegend telefoniert, fährt mit einem normalen Handy besser, zumal die Gesprächs- und Empfangsqualität mittelprächtig ist.

Mehrfach fand das iPhone keine Internet-Verbindung, obwohl ein starkes Mobilfunknetz angezeigt wurde. Ist man einmal drin, fällt das Lesen von E-Mails oder das Betrachten von Web-Seiten auf dem hochauflösenden 3,5-Zoll-Display leicht. Genial ist der integrierte iPod: Per Finger gleite ich durch Listen von Songs, Videos und Hörbüchern. Die Wiedergabe der Videos ist fantastisch: hohe Kontraste und kein Ruckeln. Mit Videopodcasts wie "Tagesschau" und "Heute Journal" kommt das iPhone aber nicht zurecht. Das Bild fehlt, nur der Ton ist zu hören. Positiv überrascht war ich von der Energieversorgung: Die Batterie hält auch bei intensiver Nutzung fast 20 Stunden.

Wenn ich das iPhone quer statt hochkant halte, erkennt das sofort ein Bewegungssensor und passt die Bildschirmdarstellung an. Das breite Format macht das Betrachten von Fotos und das Browsen im Internet zum Vergnügen. Das Schreiben ist schwierig. Selbst nach mehreren Tagen Training treffe ich zu oft benachbarte Tasten. Per Stift geht es nicht, weil das Display nur auf Fingerkontakt reagiert. Zwar bietet Apple eine automatische Korrektur an. Doch die Vorschläge, die das Programm anbietet, sind zuweilen skurril. Ich tippe "especially" (besonders), das iPhone schlägt "rape" (Vergewaltigung) vor. Im Querformat lässt sich die Tastatur wesentlich einfacher bedienen, aber leider funktioniert dieser Modus derzeit nur beim Ausfüllen von Formularen im Internet-Browser.

Weiteres Manko: Das iPhone ist zwar mit Bluetooth ausgestattet, kann über den Funkstandard aber weder Termine noch Kontakte mit einem Laptop austauschen. Ein externer GPS-Empfänger (für eine Navi-Funktion) oder eine Tastatur lassen sich nicht anschließen. Voraussichtlich im Herbst wird Apple das Gerät nach Europa bringen, wahrscheinlich mit UMTS-Mobilfunkstandard. Bis dahin sollten etliche Startschwächen behoben sein.

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