Innovatives Konzept
Quetsch dein Handy!

Die Innovationen im Bereich der Smartphones gehen derzeit schnell voran: hochauflösende Displays, immer schnellere Prozessoren. Doch die wahre Revolution könnte aus den Labors Washington-Universität in Seattle kommen: Das erste Handy, dass sich ungestraft zusammendrücken lässt.
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DÜSSELDORF. Wie das Smartphone der Zukunft aussehen könnte, offenbart ein Blick in das Labor des Informatikers und Ingenieurs Shwetak Patel von der Washington-Universität in Seattle. Er und seine Mitarbeiter haben ein Squeeze Block genanntes Handy gebaut, das neben visuellem und auditiven einen dritten Kommunikationskanal eröffnet: Es lässt sich je nach Nachrichtenlage oder Akkuzustand unterschiedlich stark zusammendrücken.

Dazu simuliert das Squeeze Block über Miniaturmotoren eine Feder, die sich mal mehr, mal weniger leicht drücken lässt. So könnte sich ein frisch aufgeladenes Handy beispielweise wie ein prall gefühlter Bauch anfühlen, während ein schwacher Widerstand darauf hinweist, dass der Akku bald wieder aufgeladen werden muss.

Aber auch über die Anzahl ungelesener E-Mails oder andere Status-Meldungen, die dem Nutzer wichtig sind, kann die simulierte Feder Auskunft geben. „Man könnte sich beispielsweise vorstellen, dass das Zusammendrücken des Telefons etwas über seinen Status verrät – Klingellautstärke, Nachrichten – ohne es ansehen zu müssen“, zitiert das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" den Forscher.

Allerdings hat das haptische Feedback gegenüber einem Blick auf das Display auch einen Nachteil: Während sich mittels Bildschirm präzise Informationen ablesen lassen, gibt die Druckempfindlichkeit des Smartphones nur grob Auskunft. In Test mit zehn Versuchspersonen, die Patel durchführte, konnten diese nur bis zu vier verschiedene Widerstandsgrade unterscheiden.

Der US-Forscher ist nicht der erste, der mit haptischem Feedback von Smartphones experimentiert. Bereits im Oktober 2008 erweckte der Telekom-Forscher Fabian Hemmert ein Handy „zum Leben“, indem er dem Gerät einen simulierten Herzschlag und eine „Atmung“ einpflanzte. Bei einem Anruf beginnt das Herz schneller zu klopfen, neigt sich die Energie im Akku dem Ende zu, werden Herzschlag und Atmung schwächer.

Smartphones als Gestaltenwandler

Für die Zukunft hat Hemmert noch weiter gehende Pläne: Laut „New Scientiest“ hat er Mechanismen entworfen, mit denen Mobilgeräte ihre Form und sogar ihr Gewicht verlagern können. So sollen die Smartphones mit den im Vergleich zu PCs kleinen Bildschirmen Nutzer beispielsweise durch eine Verdickung auf einer Seite des Geräts darauf aufmerksam machen, dass in dieser Richtung noch Inhalte zu finden sind, zu denen der Nutzer scrollen kann.

Die Gewichtsverlagerung des Handys könnte bei Navigations-Anwendung praktisch sein: Wenn das Smartphone den Nutzer in eine bestimmte Richtung lotsen will, verlagert es einfach sein Gewicht dorthin. „Unsere Hände sind bemerkenswert versiert darin, Veränderungen im Gewicht zu spüren“, so Hemmert gegenüber dem Magazin. Seine Arbeiten stellt der Telekom-Forscher dem Bericht zufolge dieser Tage auf der Nordic Conference on Human-Computer Interaction 2010 in Reykjavik vor.

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