iPhone versus iPod
Apple schlägt sich selbst

Auf dem Markt der mp3-Spieler galt der iPod bisher als unschlagbar. Doch mit dem musikfähigen Multifunktionshandy iPhone hat das Unternehmen seinen eigenen Verkaufsschlager kannibalisiert. Smartphones und Handys mit Musikfunktion haben den reinen mp3-Spieler überflüssig gemacht.

DÜSSELDORF. Vor fünf Jahren erklärte Creative-Chef Sim Wong Hoo Apple den Krieg: Er wollte mehr MP3-Spieler absetzen als der Marktführer mit dem Apfelsymbol. Der Versuch, Apples legendären iPod zu übertreffen, misslang - Creative Technology spielt heute auf dem Markt keine Rolle mehr. Kriegserklärungen an das Kultunternehmen aus Cupertino endeten in der MP3-Player-Branche immer gleich: Die Angreifer hissten über kurz oder lang die weiße Flagge, der deutsche Konkurrent Trekstor musste letzten Monat aufgeben. Der Einzige, der den iPod jemals alt aussehen ließ, war Apple selbst. Erstmals fielen in diesem Frühjahr die Absatzzahlen des digitalen Musikspielers. Dafür stiegen die Verkäufe des Apple iPhones. Hier ist ein iPod gleich mit eingebaut.

Experten sind sich sicher: Smartphones und Handys mit Musikfunktion brechen den Erfolg reiner mp3-Spieler. Matthias Hickl vom Marktforschungsunternehmen GfK bestätigt: "Es gibt einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen dem Abwärtstrend im MP3-Markt und der steigenden Beliebtheit musikfähiger Multifunktionsgeräte."

Laut Branchenverband Bitkom brach 2006 zum ersten Mal der Absatz digitaler Musikplayer in Deutschland ein. Seitdem stagniert der Verkauf bei etwas weniger als acht Millionen Geräten pro Jahr, doch die Preise verfallen. Die Erlöse liegen heute 17 Prozent niedriger als noch vor drei Jahren, obwohl auch teure Geräte wie der iPod Touch in diesem Zeitraum auf den Markt kamen. In den USA gingen die Umsätze laut NPD Group erstmals vor zwei Jahren zurück.

Dem steht der Aufwärtstrend von Multifunktionsgeräten gegenüber. Laut Bitkom besaß im Juni schon fast jeder zweite Deutsche ab zehn Jahren ein Mobiltelefon mit Musik- und Videofunktion. Ein Viertel davon hört regelmäßig Musik auf dem Handy. Im Vorjahr lag der Anteil an Musikhörern noch bei rund 20 Prozent.

Dieser Trend spiegelt sich besonders deutlich in Apples Absatzzahlen wider: Von April bis Juni verkaufte das Unternehmen weltweit nur zehn Millionen iPods - rund eine Million weniger als im Vorjahr. Das iPhone wanderte dagegen im gleichen Zeitraum siebenmal öfter über die Ladentische als im Jahr zuvor. Das Ganze hat System: Apple-Finanzvorstand Peter Oppenheimer räumt offen ein, dass das iPhone ursprünglich auch deshalb entwickelt worden war, um Rückgänge im iPod-Absatz auffangen zu können. Diese Rechnung ging auf, auf Kosten von Konkurrenten wie etwa Trekstor.

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