Jim Balsillie, Co-Chef von Research in Motion
„Neue Dienste verändern die Branche“

Der Co-Chef des Blackberry-Unternehmens spricht im Handelsblatt-Interview über das Jahr der Entscheidung, den Trend zu Diensten, und darüber, was das Google-Betriebssystem Android für den Handy-Anzeigenmarkt bedeutet könnte.

Handelsblatt: Herr Balsillie, ist 2008 für die Mobilfunkbranche ein Jahr der Entscheidung?

Jim Balsillie: Ja, wir erleben eine sehr interessante Zeit in der Branche. Die größte Veränderung, der größte Wandel ist nach meiner Beobachtung die Orientierung Richtung Dienste und Betriebssysteme und nicht mehr so stark der Blick auf neue Handys und Netztechniken.

Wie meinen Sie das?

Immer mehr Unternehmen versuchen, ihre eigenen Betriebssysteme, die Plattformen, direkt an den Endkunden zu bringen. Da sind MP3-Hersteller und Suchmaschinen-Entwickler, die sich jetzt direkt an den Kunden wenden. Sie konkurrieren mit ihren Visionen, wie ein Betriebssystem aussehen soll, was es leisten muss.

Kann das Google-Betriebssystem Android die Branche verändern?

Nun, Android ist ein Open Source-System, ein offener Standard, ein Rahmen für Suchmaschinen und Anzeigen-Dienste. Es wird so entwickelt, dass das im Vordergrund steht und nicht so stark die Handy-Produzenten oder Netzbetreiber. Das ist eine Plattform-Strategie, die sich unterscheidet. Wir werden sehen, wie sich das auf die ökonomischen Aspekte der Branche auswirkt. Die Strategie hinter Android kann nicht unterschiedlicher zu unserer sein.

Sehen Sie darin eine Bedrohung?

In gewisser Weise ja, denn es ist eine Open-Source-Plattform und kann die Rolle der Mobilfunkbetreiber und Handy-Hersteller beeinträchtigen. Es ist eine Alternative, die sich die Hilfe kleiner Entwickler zunutze macht und über Anzeigen durch Google finanziert wird. Tatsächlich versucht Google eine Alternative zur bisherigen Struktur der Branche aufzubauen und die Rolle der Betreiber und der Gerätehersteller zu verändern. Ist das eine Bedrohung? Klar, das ist es.

Aber Sie könnten Android doch auch verwenden?

Was ist ein offener Standard? Klar, es ist eine Open-Source-Software, aber die Anzeigenfinanzierung ist nicht offen. Ja, ein offener Standard für Entwickler, aber bitte schön, für alle anderen gilt: Wo ist der offen? Der Standard ist tatsächlich in einigen Bereichen offen, aber in anderen nicht.

Warum macht Google das?

Der Handy-Anzeigenmarkt ist viel, viel größer als der im Internet. Sie sehen in Handy-Werbung ein enormes Wachstumspotenzial.

Sie wollen die Mobilfunkbetreiber zurückdrängen?

Ja, ganz genau. Das ist ihr Ziel.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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