Kinobetreiber dürfen Störsender einsetzen
Schluss mit dem Gebimmel

Die Verbreitung der mobilen Kommunikation hat der Menschheit nicht nur Fortschritte gebracht. Denn vom permanenten Handy-Gebimmel gibt es heute vielfach kein Entrinnen mehr, auch nicht in französischen Kinos oder Schauspielhäusern. Film und Theater zählen aber zur Kultur, und damit zu den schützenswertesten Gütern, die es in Frankreich gibt.

HB PARIS. Damit die Kulturschaffenden der Armee der bimmelnden Handys nicht weiterhin wehrlos gegenüberstehen, hat das Parlament nicht lange gefackelt und seine schärfste Waffe gezogen: Ein Gesetz erlaubt den Kino- und Theaterbesitzern, mit Hilfe von Störsendern die klingelnden Störenfriede auszuschalten.

Diese Vorschrift ließ beim französischen Telekomregulierer ART aber die Alarmglocken schrillen. Denn die ART musste hierfür die Anwendungsbestimmungen festlegen, sonst kann das Gesetz aus dem Jahr 2001 nicht in Kraft treten. Das Dilemma der Regulierer: Die ART glaubt, das französische Gesetz verstoße gegen EU-Recht, denn die europäischen Richtlinien verbieten Störsender. Da die ART aber eine weisungsabhängige Behörde ist, musste sie sich wohl oder übel trotzdem Anwendungsregeln einfallen lassen.

Das Ergebnis sind Regeln, die im praktischen Leben das Aufstellen der Handy-Killer wohl unmöglich machen. Selbst Laien schütteln bei der Lektüre der Pressemitteilung den Kopf. Dort heißt es, dass die Störsender keine Notrufe aufhalten dürfen. Und außerhalb des Kino- oder Theatersaals dürfen die Störsender den Mobilfunk auch nicht beeinträchtigen. Von Störsendern, die zwischen einem belanglosen Gespräch oder einem dringenden Notruf unterscheiden können, hat aber bisher noch niemand gehört.

Solche technischen Finessen haben Politiker aber noch nie interessiert. Industrie-Minister Patrick Devedjian, der die Anwendungsbestimmungen abnicken musste, posaunte daher jüngst heraus: Kultur gerettet, die Störsender können kommen.

Den Mobilfunkern schwant bereits Übles; denn Störsender in Kinos und Theater könnten erst der Anfang sein. Müssten nicht auch Schulen und Krankenhäuser zu Handy-freien Zonen werden?

Die Störsender-Erlaubnis halten die Mobilfunker auch aus einem anderen Grund für absurd. Denn auf der einen Seite legt ihnen der französische Staat die Pflicht auf, bis in die entlegensten Winkel Frankreichs mobiles Telefonieren zu ermöglichen. Im Gegenzug sollen nun aber wieder Handy-freie Zonen mit Hilfe von Störsendern garantiert werden.

So könnte die erreichte Ruhe in Kinos und Theatern noch zu lautem Streit in den Gerichten führen: Denn sollte tatsächlich mal ein per Handy getätigter Notruf hängen bleiben, steht fortan die Frage im Raum: Hat das Netz versagt oder war ein Störsender im Spiel?

Das schlechte Benehmen einiger ihrer Kunden brachte der französischen Mobilfunkbranche nun ein schlechtes Gesetz ein, das allen Beteiligten noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird.

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