Kiss DP-600
Digitaler Allesfresser mit Schluckbeschwerden

Früher war alles so einfach: Die VHS-Kassette war das bestimmende Medium für Videoaufnahmen. Nun ist das Format-Wirrwarr schier endlos. Der Player des dänischen Herstellers Kiss, der DP-600, soll alle unter einen Hut bringen.

War das schön. Die VHS-Kassette war das Maß aller Dinge und nach dem Drücken des "Play"-Knopfes hat man ganz einfach einen Film geschaut. Jetzt gibt es das Internet und die PC-Mafia hat die Heimkinos genau so erobert wie zuvor die Büros - soll heißen: Nichts geht mehr.

Der Format-Wirrwarr für Videos ist endlos. Von Divx über Xvid und Nero digital und Mpeg bis zu WMV 9 oder in "HD" oder was auch immer, "DRM-geschützt" oder nicht, wer weiß das schon so genau. Der dänische Hersteller Kiss hat die Herausforderung angenommen und mit dem DP-600 einen Player vorgestellt, der das alles beherrschen soll. Wie schwer das offenbar ist, zeigt sich schon daran, dass er jetzt auf den Markt kommt - und für 2004 angekündigt wurde.

Der ansprechend designte DP-600 kommt mit reichhaltigem Zubehör und deutschem Handbuch. Leider macht die Schublade des CD-Laufwerks einen sehr fragilen Eindruck. Das Gerät reagiert etwas träge, aber gutmütig auf die Fernbedienung. Der digitale Anschluss an ein modernes Sharp-LCD-Gerät erfolgte problemlos.

Bei Standard-DVDs zeigte der DP-600 ein gestochen scharfes Bild, aber das ist auch das Mindeste, was zu erwarten ist. Danach wurde das über 300 Euro teure Gerät für die Kür wahllos mit selbstgebrannten DVDs mit Videoclips aus dem Internet und DVDs im NTSC-Format aus Hongkong, Korea und Amerika (mit Regionalcode "World") gefüttert.

Die Ergebnisse waren sehr schwankend. Teilweise gab es Ton- (etwa bei Windows-HD), selten Bildaussetzer. Sehr ordentlich wurden DivX- und auch Mpeg-Filme verarbeitet. DRM-geschützte Windows-Filme laufen nicht, das schränkt die Nutzung als High-Definition-Player natürlich ein. Ob und wann es ein Update geben wird, war auf Anfrage nicht zu erfahren.

Per Netzwerkanschluss können Dateien auch von der PC-Festplatte abgespielt werden. Das integrierte Web-Radio funktionierte gut, der Online-Zugang beschränkt sich nur auf ein paar Kiss-eigene Dienste.

Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau des Digitalvideos leidet auch nach zwei Jahren Entwicklung noch unter Kinderkrankheiten. Zudem macht die Verarbeitung nicht den wertigen Eindruck, den man bei diesem Preis erwarten sollte. Ein schönes High-Tech-Spielzeug für Technikenthusiasten und Hobby-Videofilmer, die willens und fähig sind, regelmäßig aktualisierte Systemsoftware aus dem Internet zu laden, um irgendwann die volle Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Axel Postinett ist Redakteur beim Handelsblatt und Technik-Experte des Weekend-Journal

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