Kommentar
Der iPad-Killer ist möglich - zum richtigen Preis

Viele iPad-Killer wurden angekündigt, wirklich erfolgreich war bisher keiner. HP verramscht sein TouchPad inzwischen mit Verlust. Ist gegen Apple gar kein Kraut gewachsen? Ein Kommentar.
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DüsseldorfApple ist auf dem Tablet-Markt bislang übermächtig. Experten bescheinigen dem Kult-Konzern in dem stark wachsenden Produktsegment einen Marktanteil von 70 bis 90 Prozent. All die Android-Tablets, die als iPad-Killer angetreten sind, waren bislang chancenlos - so auch das Touchpad des großen Computerherstellers Hewlett-Packard (HP).

Dieser hat sein Hightech-Produkt nun zu Billigstpreisen verramscht. Und siehe da: Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Der Ansturm war so groß, dass der Online-Shop von HP sogar zusammengebrochen ist. Was lernen wir daraus: Der Preis macht's.

iPad-Konkurrenten zu iPad-Preisen liegen wie Blei in den Regalen. Möglicherweise sehen es die Käufer schlicht nicht ein, warum sie für eine Android-Copy genauso viel wie für das Original zahlen sollen, das zumal noch mit einer schönen bunten App-Welt und einem starkem Image punktet. Der erfolgreiche HP-Schlussverkauf zeigt aber auch, wie groß das Interesse an einem Tablet-Computer generell ist. Es gibt offensichtlich eine Menge potenzieller Käufer, die mit einem iPad liebäugeln, denen Apples Wundermaschine aber schlicht zu teuer ist. Das kann die gesamte Apple-Konkurrenz aus dem Touchpad-Scherbenhaufen lernen.

Auch ein Gerät wie das Touchpad, das nun weder besonders sexy noch besonders toll ist, kann auf dem Tablet-Markt seine Kunden finden - wenn der Preis stimmt. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu, erst recht nicht für die Anbieter von Tablets. Technologiekonzerne wie Samsung oder HTC haben diese Erfahrung auch schon bei den Smartphones gemacht.

Inzwischen werden mehr Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem verkauft als iPhones. Der Trick: Android-Smartphones haben einen Markt für die Luxusliner unter den Handys erobert, den Apple gar nicht erreicht hat: Kunden, die unterwegs surfen und Apps nutzen wollen, aber nicht bereit sind, dafür mehr als 500 Euro auszugeben oder einen entsprechend teuren Mobilfunkvertrag abzuschließen.

Doch ganz so einfach lässt sich dieses Erfolgsmodell nicht auf die Tablet-Welt übertragen. Bei den Preisen ist die Luft nach unten deutlich dünner als bei den Smartphones. Apple hat gelernt und den Preis des iPads bewusst niedriger angesetzt, als von Analysten erwartet. Die Marge ist – völlig untypisch für Apple – relativ gering. Die Belohnung: Eine beispiellose Marktmacht, die sich nicht so einfach brechen lässt.

Und den iPad-Konkurrenten mit ihren bislang geringen Stückzahlen dürfte es deutlich schwerer fallen, ähnlich niedrige Einkaufspreise bei den Zulieferern durchzudrücken, wie dem Massenabnehmer Apple. Ganz abgesehen davon, dass der Kauf eines iPad-Konkurrenten bislang auch nicht über den Vertrag mit einem Mobilfunkprovider quersubventioniert wird.

Trotz allem: An einer Preissenkung der iPad-Klone führt wohl letztlich kein Weg vorbei, wenn Apple das Feld nicht alleine überlassen werden soll. Diese Einsicht dämmert langsam auch den Tablet-Herstellern, die nach und nach ihre Preise senken – wenn auch oft noch zaghaft. Ein mutigerer Schritt würde sich durchaus lohnen, denn Marktforscher sagen dem Tablet-Markt eine rosige Zukunft voraus. Von HP lernen, heißt also siegen lernen.

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  • "All die Android-Tablets, die als iPad-Killer angetreten sind, waren bislang chancenlos - so auch das Touchpad des großen Computerherstellers Hewlett-Packard (HP)."

    Das hört sich gerade so an, als liefe das HP-Touchpad mit Android. Das ist aber nicht der Fall. HPs Ipad-Klon basiert auf der Eigenentwicklung WebOS. Und genau daran ist es auch gescheitert. Dass es eben nicht mit Android, sondern mit WebOS betrieben wird!

  • Wer glaubt denn tatsächlich diese Zahlen?
    Aufgrund der Stückliste vom IPAD wurden die Lieferanten und Preise weltweit ermittelt. Dabei kam heraus, dass die Einzelteile einen Wert von ca. 70 USD haben. Nicht 700, sondern 70! Und da die Produkte in China zuzsammengebaut werden, wird es wohl kaum teurer, da Rabatte und Skonti für die Einzelteile bei der Analyse keine Berücksichtigung fanden.

    Man sollte nicht alles glauben was einem publiziert wird. Häufig ist das eine ganz eigene Marketing-Strategie. Und da das Produkt von HP schlechter als das IPAD ist, könnte man davon ausgehen, dass demnach auch die Materialien sich nicht mit dem IPAD messen können.

  • Die Botschaft ist also, dass ein Gerät reissenden Absatz findet, wenn es weit unter Herstellungskosten verkauft wird.

    Das ist ja nun keine sonderlich überraschende Sache. Wer würde nicht eine Obsttüte für 1 Euro kaufen, wenn dort Äpfel im Wert von 2 Euro und Birnen im Wert von 1,50 drin sind.

    Wir Apple Konkurrenten hieraus etwas lernen sollen, ist mir schleierhaft. Denn unter Herstellungskosten verkaufen, kann sich keiner der Antroid Tablet Hersteller leisten, denn die verdienen an der Hardware.

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