Koreanischer Hersteller will an die Spitze
LG Electronics greift in Europa mit neuen Design-Handys an

LG Electronics bläst zur Offensive auf dem europäischen Handy-Markt. Mun Park, -Hwa Chef der LG-Mobiltelefon-Sparte, stellte gestern in London das erste einer Reihe von Design-Telefonen vor, mit denen der koreanische Konzern sein Image stärken will.

LONDON. Dem minimalistischen, schwarz glänzenden "Chocolate" sollen zum Weihnachtsgeschäft zwei weitere modische Geräte folgen.

"Wir wollen in die Spitzengruppe der Mobiltelefon-Hersteller vorstoßen, sowohl was den Marktanteil als auch was die Gewinnmarge anbelangt", sagte Park im Gespräch mit dem Handelsblatt. Als ungefähres Ziel nennt er einen Marktanteil und eine Marge von je zehn Prozent. 2005 hatte LG 6,8 Prozent Anteil am Weltmarkt und lag damit auf dem vierten Platz. Das Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren den Handy-Absatz von zehn auf 55 Millionen Stück gesteigert. Für 2006 peilt es 70 Millionen an. Dass der Ehrgeiz erheblich weiter reicht, zeigt der Neubau einer Fabrik mit einer Kapazität von 90 Millionen Geräten in Korea.

"Um Technologieführer zu sein, brauchen wir Volumen", sagt er. Wer das nicht habe, werde zurückfallen. Die Konzentration auf dem Markt werde sich beschleunigen. Zu möglichen Übernahmen wollte er sich nicht äußern. Besonders stark sieht er LG bei Geräten für den mit GSM konkurrierenden Standard CDMA - hier ist der Konzern die Nummer eins - und bei UMTS-Geräten, wo er auf dem dritten Rang liegt. "Wir haben den großen Vorteil, dass wir unsere Erfahrungen in der Unterhaltungselektronik nutzen können", sagte Park. LG ist ein führender Hersteller von Fernsehgeräten und Flachbildschirmen und produziert auch eigene Multimedia-Chips für Handys.

In Europa sei der Marktanteil noch "sehr klein", sagt Park - "aber das eröffnet uns umso mehr Chancen". Mit "emotionalem Marketing" für Designtelefone wie "Chocolate" will LG wachsen. Für die Einführung des Geräts in Deutschland steht ein Etat von fünf Mill. Euro zur Verfügung. "Endlich haben wir ein Produkt, mit dem wir auf dem Markt Aufsehen erregen", freut sich Deutschlandchef Tor Nordli-Mathisen. In Korea hat sich "Chocolate" seit Ende November schon 400 000-mal verkauft.

Es sei nachvollziehbar, dass LG eine Premium-Strategie verfolge, doch dieses Marktsegment sei schon ziemlich verstopft, warnt Sangyun Han, Analyst der Beratungsfirma Ovum in Seoul. Der Preiskampf gerade in Schwellenländern bleibe die größte Gefahr für LG. Bisher sei LGs Handy-Geschäft im Vergleich zu Motorola, Samsung oder Nokia "weder profitabel noch effizient".

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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